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Wenn die Migros die Muskeln spielen lässt

Von Christoph Landolt. Aktualisiert am 11.03.2011 13 Kommentare

Nachdem ein Fitness-Pionier in Uster aufgeben musste, beklagen sich Branchenvertreter über die Migros-Tochter Activ Fitness. Der Verdrängungskampf tobt. Nur die fittesten Fitnesszentren überleben.

Harter Kampf: Aufnahme aus einem Oerliker Fitnesszentrum. (Bild: Keystone )

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Das älteste Fitnesszentrum von Uster ist am Ende. Um den Konkurs abzuwenden, blieb Fitness-Pionier Andreas Zwing nur, sein Fitness Connection an seinen grössten Gläubiger zu überschreiben. Der neue Besitzer, Peter Ott, macht für den Niedergang des Unternehmens den Markteintritt von Activ Fitness verantwortlich. Sein Vorwurf: Die Migros-Tochter operiere mit Dumpingpreisen.

Was Ott sagt, sagen in der Fitness-Branche viele. Wo Activ Fitness auftritt, erschallt der Vorwurf der unsauberen Geschäftspraktiken. Als die Kette vor zwei Jahren in Uster eine Filiale eröffnete, buhlte sie mit grossflächigen Plakaten um neue Kunden. Das Versprechen: Activ Fitness übernimmt die Abos der Konkurrenz. «Das ist unter der Gürtellinie», kritisiert Roland Steiner vom Verband der Schweizerischen Fitnesscentren SFGV. Activ Fitness habe eine ungeschriebene Regel gebrochen.

Dumping oder normaler Wettbewerb?

«Ich weiss, dass wir ein Imageproblem haben», sagt Armin Fach, Gründer und Geschäftsführer von Activ Fitness. Die Strategie der tiefen Preise und des Wachstums sei in der Branche natürlich nicht beliebt. Anders als die Konkurrenten schnödeten, stehe Activ Fitness auf soliden finanziellen Beinen und werde von der Migros nicht quersubventioniert: «Als wir 1984 begonnen haben, kostete ein Abo 540 Franken, weniger als heute. Von Dumping kann keine Rede sein.»

Früher habe er alle 1,5 Jahre 3 Millionen in eine neue Filiale investiert, sagt Fach. Vor 4 Jahren verkaufte er sein Unternehmen an die Migros Zürich. Seither sind die Ziele noch ehrgeiziger: Inzwischen betreibt Activ Fitness 16 Zentren, die meisten strategisch günstig in der Stadt Zürich und an den grossen Pendlerachsen gelegen. Die neuste Filiale entstand vor einem Jahr in Netstal GL. Ein Schritt, der Branchenvertretern die Zornesröte ins Gesicht treibt.

Als nämlich das ursprünglich einzige Fitnesszentrum des 3000-Seelen-Dorfs eine grössere und hellere Liegenschaft bezog, sprang Activ Fitness sofort in die Bresche und eröffnete am alten Ort eine Filiale. Den Kampfpreisen der Migros-Tochter hatte der einstige Lokalmatador nichts entgegenzusetzen – es dauerte kein Jahr, bis er Konkurs anmelden musste. «Ein Beutezug, der eine Existenz von heute auf morgen zerstört hat», meint Markus Egli, der in Wetzikon ein Fitnesszentrum betreibt. «Wir wollten ihn nicht kaputt machen», sagt dagegen Activ-Fitness-Chef Armin Fach.

18 Franken Stundenlohn

Fest steht: Der seit langem vorhergesagte Verdrängungskampf in der Fitness-Branche ist da. «Im Raum Zürich ist die Dichte an Fitness-Zentren höher als in Los Angeles», sagt SFGV-Präsident Claude Ammann. Die drei Grossen – Activ Fitness, Silhouette sowie die ehemalige Kieser-Gruppe – expandierten stetig. Dennoch glaubt Ammann an eine Überlebenschance für kleinere, unabhängige Zentren: «Die Marktbereinigung wird über die Qualität passieren.» Es reiche nicht mehr, wenn ein Fitness-Instruktor nur Trainingspläne schreibe. «Schlafmanagement, Ernährungsberatung, das gehört in Zukunft alles dazu.»

Daran glaubt auch Markus Egli, der trotz Konkurrenz durch Activ Fitness kaum Kunden verloren haben will. Dem Preisdruck könne sich aber niemand entziehen, der Fitness-Markt werde noch stärker zu einer Billiglohnbranche. «In der Stadt Zürich werden für ausgebildete Instruktoren teilweise Stundenlöhne von 18 Franken bezahlt.» Gegen die Konkurrenz durch Discount-Ketten habe er nichts, sagt Egli. «Aber ich staune einfach, dass ein Grosskonzern wie die Migros solche Geschäftspraktiken nötig hat.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.03.2011, 13:44 Uhr

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13 Kommentare

Ulrich H. Knobel

11.03.2011, 14:10 Uhr
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Tatsache ist, dass an fast jeder Ecke ein Fitnesscenter aufgegangen ist. Viele Betreiber hatten nur das Eine im Auge: das schnelle Geld. Dass es nun eine Nivellierung gibt, ist gut. Davon profitieren die Kunden: günstigere Preise und eine tadellose Infrastruktur. Antworten


Hans Inauen

11.03.2011, 14:38 Uhr
Melden

Herr Knobel, Sie haben etwas vergessen, die Mitglieder von Fitnesscentern werden auch noch durch Krankenkassen subventioniert, da könnte man auch gleich den ganzen Mitgliederbeitrag bei einem Turnverein finanzieren, wäre viel billiger und hat die gleiche Wirkung auf die Gesundheit. Antworten



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