Wenn «senile Bettflucht» hilft
Von Pia Wertheimer. Aktualisiert am 23.02.2012 4 Kommentare
Bertrand Piccard über den Meilenstein auf dem Weg zur Weltumrundung (Video: Jan Derrer)
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Der Luftfahrt-Pionier André Borschberg kämpft seit Dienstagmorgen gegen die Erschöpfung. Seit er in den isolierten Simulator des Solarflugzeugs gestiegen ist, hat er sich nur 20-minütige Nickerchen gegönnt. Innerhalb der letzten 52 Stunden kamen für ihn so zwei Stunden Schlaf zusammen.
Noch 22 Stunden muss der übermüdete Pilot ausharren. Abgeschnitten von der Aussenwelt, ohne Tageslicht sagt der einstige Luftwaffenpilot gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet: «Ich habe jegliches Zeitgefühl verloren.» Das wachsende Schlafdefizit setzt ihm zu. Es werde für ihn zusehends schwieriger, beim Aufwachen sofort die volle Reaktionsbereitschaft aufzubringen, die das Wissenschaftlerteam per Funk von ihm verlange.
Ballone aufblasen
Schlag auf Schlag wollen sie von ihm Entscheidungen sehen und werten diese aus. Auch Borschbergs Risikobereitschaft mit dem wachsenden Schlafmangel wird analysiert. Dazu muss er virtuell Ballone aufblasen. Je praller er sie mit Luft füllt, desto mehr Punkte kassiert der Pilot. Treibt er es zu weit, so dass die Ballone explodieren, gibts aber Punkteabzug.
Daniel Brunner, Spezialist für Schlafmedizin im Hirslanden, vergleicht die Anforderungen an den Piloten mit jenen an einen Wachmann. «Die Situation an sich ist nicht sonderlich abwechslungsreich und ohne grosse körperliche Aktivität. Trotzdem muss er jederzeit reaktionsbereit sein.» Darum gönnten ihm die Mediziner keinen Tiefschlaf. «Dann erwacht er möglicherweise zu schlaftrunken und es würde zu lange dauern, bis er einen klaren Kopf hat.»
«Senile Bettflucht» spielt Piloten in die Hände
Da ältere Menschen für gewöhnlich unter «seniler Bettflucht» leiden, spielt das fortgeschrittene Alter von André Borschberg (59) und Bertrand Piccard (53) den beiden in die Hände. Laut Brunner wird der Schlaf mit zunehmendem Alter in der Regel oberflächlicher und wachsamer. «Diese Menschen treten nach dem Erwachen viel schneller in Kontakt zur Umwelt.» Gerade weil die Piloten nicht mehr junge Männer seien, tolerierten sie Schlafentzug besser.
Der Schlafexperte setzt mit einem Ärzteteam der Klinik Hirslanden den beiden Westschweizer Pionieren Grenzen. «Wir beurteilen, welche Risiken sie eingehen können.» Grundsätzlich sei der Mensch zu vielem fähig und jeder eingefleischte Fasnächtler wisse, dass nächtelanges Feiern durchaus möglich sei. «Weil die Luftstrassen nicht derart frequentiert sind, ist das Vorhaben auch weniger gewagt, als wenn Borschberg im Stadtverkehr am Steuer eines Wagens sitzen würde.»
Der Westschweizer sitzt noch bis Freitagmorgen im Simulator. Schafft André Borschberg die 72 Stunden mit einem Minimum an Schlaf, ist er aber vom Weltrekord noch weit entfernt. Den hält ein Student, der elf Tage durchwachte. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 23.02.2012, 11:24 Uhr
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4 Kommentare
Darf man hier einmal die Frage wozu aufbringen. Muss uns bewiesen werden, dass man ein Leichtflugzeug solargetrieben 72 Stunden in der Luft halten kann. Das ist doch Unsinn. Eher sollte man einmal berechnen und zeigen, dass die Grösse der Solarpanels mit steigender (realistischer) Nutzlast nicht ins Grenzenlose steigt. Erst dass kann man den Gedanken weiterverfolgen. 2 Piloten müssen es schon sein Antworten
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