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«Wenn sich jemand im Tram breitmacht, ist das unsolidarisch»

Von Silvio Temperli. Aktualisiert am 10.11.2011 52 Kommentare

Die SBB verlangen neu ein Billett, wenn ein Passagier zwei Sitzplätze beansprucht. Im Tram vertraut man auf die gute Kinderstube, sagt VBZ-Sprecher Andreas Uhl.

«Mit höflichen Fragen zu seinem Recht kommen»: Zwei VBZ-Trams kreuzen sich am Paradeplatz in Zürich.

«Mit höflichen Fragen zu seinem Recht kommen»: Zwei VBZ-Trams kreuzen sich am Paradeplatz in Zürich.
Bild: Keystone

Andreas Uhl leitet bei den Verkehrsbetrieben der Stadt Zürich (VBZ) den Unternehmensstab und ist verantwortlich für die Medien.

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Herr Uhl, weshalb tolerieren die VBZ, dass gewisse Leute in den Stosszeiten auf einem zweiten Sitz ihr Gepäck oder sonstigen Krimskrams parkieren?
Wenn sich jemand im vollen Tram oder Bus absichtlich breitmacht, dann ist das ein Akt mangelnder Solidarität. Doch meistens merkt die betreffende Person von selbst, dass sie einer anderen die Sitzgelegenheit wegnimmt, und gibt den Platz frei.

Wirklich? Man sieht doch viele Passagiere mit Stöpseln in den Ohren und dem iPad auf den Knien – völlig losgelöst von dem, was um sie herum geschieht.
Die Tendenz, sich auch im öffentlichen Verkehr einen Intimbereich zu erhalten, nimmt zu. Ich stelle aber sehr wohl fest, dass trotz Kopfhörern das Gespür für die anderen Fahrgäste noch da ist. Wenn nicht, kann der stehende Fahrgast mit der höflichen Frage ‹Ist dieser Sitz noch frei?› auch zu seinem Recht kommen. Man kann ja reden miteinander. Mit einer guten Kinderstube lässt sich auch den Unverbesserlichen nachhelfen.

Sie setzen auf eine gute Kinderstube. Das bedeutet: Die Unverbesserlichen haben nicht zu befürchten, dass eines Tages auch für den zweiten besetzten Platz ein Billett verlangt wird?
Das kann ich mir nicht vorstellen. Unsere Fahrzeuge sind nicht begleitet mit Kondukteuren wie jene der SBB. Sollte dereinst irgendwann ein solches Szenario spruchreif werden, würde diese tarifliche Massnahme in die Zuständigkeit des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV) fallen.

Die VBZ könnten zum Beispiel auch mit Durchsagen des Fahrpersonals die Kinderstube jener fördern, die einen Sitz bezahlen und den anderen gratis belegen.
Wenn zig Leute mit Einkaufstaschen zwei Plätze beanspruchen, merken das die Fahrer nicht, weil ihnen in überfüllten Trams von der Kabine aus die Sicht versperrt ist. Durchsagen sind darum in solchen Situationen gar nicht möglich.

Wie fest drücken die Kunden ihren Ärger in Form schriftlicher Reklamationen aus?
Viele Leute haben vom anderen den Eindruck, dass er mehr Rechte hat. Nicht nur jener, der sich auf zwei Sitzen ausbreitet. Wir haben auch Reklamationen von Müttern, die das Gefühl haben, Velofahrer würden ihnen den Platz für den Kinderwagen wegnehmen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.11.2011, 08:54 Uhr

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52 Kommentare

Florian Zellweger

10.11.2011, 09:40 Uhr
Melden 35 Empfehlung

Also ich habe noch nie erlebt, weder bei der SBB oder im Tram, dass jemand die Freigabe eines Platzes, auf dem er seine Mappe oder Tasche abgestellt hat, auf die Frage, ob da noch frei sei, verweigert hat. Die ganze Diskussion scheint mir eine ziemliche Scheindebatte zu sein. Antworten


Walter Signer

10.11.2011, 09:43 Uhr
Melden 31 Empfehlung

Eine grosse Unsitte in Tram und Bus die inneren Sitze zu belegen, damit man den zweiten Sitzam Fenster nur mit Bitten belegen kann. Sehr viel Egoismus heutzutage. Ich ärgere mich jeden Tag. Man will keinen unliebsamen Nebenfahrgast bei sich. Einerseits jammern die Leute über mangelnde Kommunikation anderseits besetzt man den Nebensitzt für sich, damit ma ja nicht mit jemanden die Sitze teilen muss Antworten



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