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«Wenn sie ohne Südkurve nicht spielen können, sollen sie in den Jodelverein»

Interview: Simon Eppenberger. Aktualisiert am 14.07.2011 34 Kommentare

Der Hooliganismus-Experte Dölf Brack hält Stehplätze in Fussballstadien für ein unnötiges Sicherheitsrisiko. Er kritisiert die Club-Verantwortlichen und die Stadt scharf.

Dölf Brack (l.) arbeitete bei der Polizei als Hooliganismus-Experte und war später Sicherheitschef des Hallenstadions. Das Bild zeigt ihn 2007 bei einem Gespräch mit einem ZSC-Fan vor der Resega in Lugano.

Dölf Brack (l.) arbeitete bei der Polizei als Hooliganismus-Experte und war später Sicherheitschef des Hallenstadions. Das Bild zeigt ihn 2007 bei einem Gespräch mit einem ZSC-Fan vor der Resega in Lugano.
Bild: Sabina Bobst

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Die Stadt plant das neue Hardturm-Stadion mit mehreren Tausend Stehplätzen für nationale Spiele. Was halten sie als Experte für Hooliganismus davon?
Das Beste wäre, wenn es nichts anderes mehr als Sitzplätze gäbe. So wie es bei internationalen Spielen seit langem der Fall ist. Stehplätze sind ein unnötiges Sicherheitsrisiko.

Weshalb?
Sitzplätze kann man viel besser überwachen, die Verantwortlichen können gewalttätige Fans genauer und schneller eruieren. In Stehplatz-Zonen ist das nicht möglich. Dort stehen die Leute so nah beieinander, dass sich Krawallmacher rasch verschieben, verstecken und andere Kleider anziehen können. Das sieht man immer wieder in der Zürcher Südkurve oder der Basler Muttenzerkurve.

Im Letzigrund gibt es keine offiziellen Stehplätze. Trotzdem stehen Tausende in der Südkurve.
Ohne Sektorenabtrennung geht es nicht. Dann gelangt nur die erlaubte Anzahl Fans in einen bestimmten Sektor.

Die Fans und der FCZ argumentieren, dass die Südkurve die Seele des Vereins ist und für die gute Stimmung im Stadion sorgt. Ohne das Beeinander in der Südkurve würde das fehlen.
Ich sehe nicht ein, weshalb es Sektoren braucht, die total überfüllt sind. Das Beispiel England zeigt, dass eine tolle Stimmung in einem Stadion voller Sitzplätze möglich ist. Ich habe mal zu FCZ-Präsident Canepa gesagt, wenn seine Boys nicht spielen können, solange die Südkurve nicht 90 Minuten lang laut ist, dann sollen sie in einen Jodelverein.

Im Letzigrund würde ein abgetrennter Sektor alleine aber nicht reichen.

Es braucht eine Sektorentrennung im ganzen Stadion. Wenn man sagt, es kommen nur 2000 Leute pro Sektor rein, dann wäre das nicht einfach durchzusetzen. Dafür braucht es viel Personal und einen grossen Aufwand bei der Sicherheit. Zu Beginn wäre es bestimmt hart, aber wenn man keinen Anfang macht, kommt man auch nicht zu einem Ende.

Viele Stadien in der Schweiz haben aber Stehplätze.
Der Fussballverband sollte endlich durchgreifen und dafür sorgen, dass es nur noch Sitzplätze gibt. Solange es Clubs und Stadien gibt, die Stehplätze betreiben, wagt es kaum einer, alleine voranzugehen und etwas zu ändern. Die Verantwortlichen sagen dann jeweils, die anderen hätten auch Stehplätze, sie könnten ihre Fans nicht enttäuschen.

Das würde sehr viel Geld und die Clubs Zuschauer kosten, argumentieren die Vereine.
Ein Fan soll entweder in ein Stadion gehen, weil er den Sport sehen und erleben will oder gleich zu Hause bleiben. Viele kommen jedoch in die Kurven für Fun und Action, weil sie dort ein Machtgefühl erleben und ausleben. Ich weiss auch nicht, ob Canepa lieber Bussen und Schäden zahlt oder mehr in die Sicherheit investieren will. Klar braucht es eine Generation von Fans, also etwa fünf bis sechs Jahre, bis eine Sektorentrennung und Sitzplätze akzeptiert werden. Aber wenn es die Fans nicht anders kennen, werden sie trotzdem an die Spiele gehen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.07.2011, 12:44 Uhr

34

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34 Kommentare

Thierry Lüssi

14.07.2011, 17:24 Uhr
Melden 60 Empfehlung

Kein Mensch will wissen was Dölf Brack denkt Antworten


Mikey Mike

14.07.2011, 13:03 Uhr
Melden 59 Empfehlung

Was für ein Experte! Aber keine Ahnung von Tuten und Bla...ein Hoch auf die Sektorenabtrennung...es ist ja völlig unmöglich von der OT in die Südkurve zu kommen. Am Beispiel England sieht man nur eines...die Stimmung ist tot. Dass man überhaupt ab und zu was hört bei englischen Fans liegt an deren eigentlich ziemlich fanatischen Mentalität. Wie würde dass wohl in der Schweiz aussehen? Antworten



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