«Wer angegriffen wird, sollte sich nicht mit einer Waffe verteidigen»

Alleine am Wochenende kam es in Zürich zu fünf Überfällen. Passanten schauen zu, reagieren nicht. Psychologin Veronika Brandstätter weiss warum es an Zivilcourage fehlt und erklärt, wie man richtig eingreift.

Motivationspsychologin Veronika Brandstätter: «Das Opfer an der Hand nehmen und wegziehen.» (Bild: PD)

Motivationspsychologin Veronika Brandstätter: «Das Opfer an der Hand nehmen und wegziehen.» (Bild: PD)

Artikel zum Thema

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnetz wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS). Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Frau Brandstätter, kürzlich haben Sie in Zürich Kurse in Zivilcourage durchgeführt. Muss man lernen, beherzt einzugreifen, wenn Unrecht geschieht?
Unsere Untersuchungen zeigen, dass dem Grossteil der Bevölkerung das Wissen fehlt, wie man richtig eingreift.

Sind wir Zürcher und Zürcherinnen zu feige, um anderen zu helfen?
Feige ist das falsche Wort. Die meisten haben schlicht Angst.

Ist es den Menschen vielleicht auch einfach egal, wenn jemand angepöbelt wird?
Das kann ich nicht ausschliessen. Wir haben in unseren Studien herausgefunden, dass es soziale Verantwortung, Selbstsicherheit und Einfühlungsvermögen braucht, damit jemand eingreift. Aber selbst von jenen, die diese Eigenschaften haben, bleiben noch viele untätig.

Warum?
Weil es auf die Situation ankommt. Oft scheitert das Einschreiten schon daran, dass niemand bemerkt, dass ein Übergriff passiert.

Das Opfer macht sich nicht bemerkbar?
Genau. Es ist ihm peinlich, dass es angepöbelt wird. Es flüstert mit dem Täter, duzt ihn. Für Aussenstehende, die vielleicht noch Kopfhörer im Ohr haben, klingt das vielleicht wie ein Streit unter Freunden.

Aber die Beobachter könnten ja nachfragen.
In uns ist tief verwurzelt, dass wir die Privatsphäre von andern nicht verletzen wollen. Das ist eine grosse Hemmschwelle. Hinzu kommt, dass man sich in solchen Momenten von den anderen Anwesenden leiten lässt: Wenn die nicht reagieren, warum soll ich zierliche Frau dann etwas tun?

Wenn man eingreifen will, was kann man falsch machen?
Man sollte die Täter auf keinen Fall wegzuziehen versuchen, sie ganz generell nicht berühren. Auch eine eigene Waffe, etwa ein Sackmesser, sollte man nicht benutzen. Das steigert die Aggressivität.

Ein Bespiel: Ich bin nachts unterwegs. Auf der anderen Strassenseite stehen ein paar Jugendlichen um einen Mann. Was tue ich?
Wenn Gewalt im Spiel ist, rufen Sie sofort die Rettungskräfte. Wer unsicher ist, ob eine Situation Gewaltpotenzial hat, hört am besten auf sein Gefühl. Solange keine Gewalt im Spiel ist, kann man zum Beispiel versuchen, dem Opfer die Hand hinzustrecken und es mit einem «Kommen Sie mit» wegzulotsen. Auf eine Diskussion mit dem Täter sollte man sich nicht einlassen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)

Erstellt: 17.11.2009, 15:13 Uhr

Meistgelesen in der Rubrik Zürich

Neues aus Ihrem Wohnort

  • Hier finden Sie Nachrichten, Veranstaltungen und das detaillierte Lokalwetter ihrer und hundert weiterer Gemeinden im Gebiet des Tages-Anzeigers. Mehr...
  • Gelangen Sie hier direkt zu Ihrer Gemeindeseite:

Ausgehen am Donnerstag

Die Top-Themen im

Hildegard Schwaningers Notizen zu Namen


Publireportage

Sagen Sie es nicht! Tabusätze in der Beziehung

ElitePartner.ch verrät, welche Sätze Sie besser für sich behalten sollten.

Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Jobsuche

Kaum wird irgendwo ein Job frei, ist er auf jobwinner.ch.

Weiterbildung

Weiterbildung AusbildungFinden Sie die passende Schule für Ihre Weiterbildung in Beruf und Freizeit.
Jetzt nach Weiterbildung suchen:

BMI-Rechner

Body-Mass-Index Rechner



[Alt-Text]



© Tamedia AG 2010 Alle Rechte vorbehalten