Werfen die SBB in Herrliberg Steuergelder aus dem Fenster?
Von Jvo Cukas. Aktualisiert am 13.02.2012 18 Kommentare
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Ab 2015 soll eine zusätzliche S-Bahn zu den Hauptverkehrszeiten die Strecke Zürich-Meilen-Rapperswil entlasten. Damit sich die verschiedenen S-Bahnen nicht in die Quere kommen, muss am Bahnhof Herrliberg-Feldmeilen ein Wendegleis eingerichtet werden. Kostenpunkt: 34,2 Millionen Franken. Eine Expertise schlägt nun andere Umbaumassnahmen vor, die Kosten dafür lägen bei einem Drittel des SBB-Projekts. FDP-Kantonsrat Dieter Kläy hat deshalb beim Regierungsrat eine Anfrage eingereicht, welche eine Auseinadersetzung mit der neuen Variante fordert.
«Die Expertise wurde von Anwohnern in Auftrag gegeben», erklärt Kläy. Um Partikulärinteressen gehe es nicht. Wenn aber eine sehr viel kostengünstigere Variante möglich wäre, so gelte es, diese zu prüfen. «Alleine schon wegen der Interessen des Steuerzahlers.»
10 statt 34 Millionen Franken
Die SBB planen auf der Bergseite im Osten des Bahnhofs ein Wendegleis zu bauen. Das bestehende Gleis Richtung Meilen müsste dazu näher Richtung See verlegt werden. Enteignungen bei Grundstücksbesitzern, aber auch Kosten von über 30 Millionen wären die Folge.
Anderes schlägt die genannte Expertise vor. Das bereits bestehende Streckengleis nach Meilen (heute in der Verlängerung von Gleis 3) bleibt gleich. Das Gleis 2 wird soweit nach Osten verlängert, dass es als Wendegleis verwendet werden kann. Kostenpunkt: Rund 10 Millionen Franken, ein Drittel des SBB-Vorschlags.
Doppelspur würde 70 Millionen kosten
Günter Weber, Geschäftsführer der 3B AG, erstellte die Expertise. Er kritisiert das SBB-Projekt nicht grundsätzlich. «Es ist einfach darauf ausgelegt, dass in Zukunft irgendwann eine Doppelspur zwischen Herrliberg und Meilen gebaut wird.» Diese sei zwar grundsätzlich geplant, aber nach Informationen der SBB nicht vor 2030 zu finanzieren. «Man muss sich einfach die Frage stellen, ob es volkswirtschaftlich Sinn macht, schon jetzt so viel Geld auszugeben.» Zumal bei einem Ausbau auf eine Doppelspur auch beim SBB-Projekt wieder verschiedene Anpassungen nötig wären.
Der Experte für öffentlichen Verkehr räumt ein, dass bei seiner Variante später mehr Anpassungen an eine Doppelspur nötig wären. «Die Kosten fallen aber erst an, wenn auch der volle Nutzen da ist.» Weber schätzt, dass ein kompletter Umbau der Strecke Herrliberg-Meilen auf eine Doppelspur rund 70 Millionen Franken kosten würde. «Soll man jetzt schon die Hälfte für ein kurzes Wendegleis verbauen wegen sieben zusätzlichen Zügen am Tag?»
SBB hatte kein Gehör für Anwohner
Robert Baumann, der zusammen mit rund 20 Anwohnern die IG Wendegleis Süd ins Leben rief, erklärt, diese habe rund 20'000 Franken in die Expertise investiert, um eine Diskussionsgrundlage mit den SBB zu haben. Besonders stört ihn, dass das Gleis Richtung Meilen näher an die zum See gerichteten Häuser versetzt würde. «Die Anwohner befürchten viel grössere Lärmemissionen und vor allem auch Strahlung von den elektrischen Leitungen.» Sie haben bereits Einsprache gegen den Umbau eingereicht.
«Es ist doch Teil des SBB-Auftrags, Betroffene nur soweit zu stören, wie es wirklich nötig ist», meint Baumann. Deshalb habe man früh das Gespräch mit den SBB gesucht, diese haben die Argumente der IG stets abgeschmettert. Anfragen, ob man Einsicht ins Betriebskonzept bekomme, seien unbeantwortet geblieben. Von anderen Varianten habe man nie etwas gehört. «Wir haben den Verdacht, dass die SBB einfach den gesamten gesprochenen Kredit verbauen wollen, ohne andere Varianten überhaupt zu prüfen.»
Lärm- und Strahlenwerte kein Problem
Dies wollen die SBB nicht gelten lassen: «Wir sind überzeugt, dass unser Projekt mit einem bergseitigen Wendegleis die wirtschaftlichste Lösung für die angestrebte Angebotserhöhung ist», erklärt Sprecher Reto Schärli. Man sehe keine günstigere Variante mit gleich hohem Nutzen. Auch bezüglich Lärm und Strahlung sehen die SBB keine Probleme: «Das Projekt hält alle gesetzlichen Anforderungen bezüglich Lärm ein und benötigt keine Lärmschutzmassnahmen. Auch bei der nichtionisierenden Strahlung werden die Grenzwerte eingehalten.»
Ob dies alles aber nicht auch günstiger zu bekommen wäre? Von der Gemeinde Meilen erhält die IG Wendegleis Süd jedenfalls bereits Schützenhilfe. Die Gemeinde fordert ebenfalls die Prüfung der Expertisen-Variante. Entscheiden wird nun das Bundesamt für Verkehr. Dieses muss die Einsprachen der Anwohner und somit auch deren Expertise begutachten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 13.02.2012, 11:21 Uhr
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18 Kommentare
..."um Partikularinteressen geht es nicht". Für alle die wissen wollen wie es wirklich ist: das mit den Steuergeldern ist der Vorwand, die Partikularinteressen sind der wahre Grund. Insofern könnte man von einer faustdicken Lüge sprechen. Die zum See gerichteten Häuser, gehören natürlich der reichen Klientel, typische FDP-Wähler. Was für ein Zufall, dass sich ausgerechnet ein FDP-KR dafür einsetzt Antworten
Auf den ersten Blick sieht die Sache ja gut aus - aber wenn man die Pläne der beiden Varianten betrachtet, merkt man, wo der Hund begraben ist.: Beim durch die Variante 3B AG nötigen und im Artikel nicht erwähnten komplizierteren Betriebsablauf, welcher entweder einen Spurwechsel oder Zusatzmanöver in Herrliberg benötigt, wird die Kapazität der Strecke erheblich reduziert... Antworten
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