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Weshalb Flughafengemeinden so attraktiv zum Wohnen sind

Von Philipp Albrecht. Aktualisiert am 06.10.2010 25 Kommentare

Beobachter der Fluglärmdiskussion fragen sich: Wie konnten die umliegenden Gemeinden trotz des zunehmenden Flugverkehrs so stark wachsen? Drei Gemeindepräsidenten antworten.

Zentrumsnah, günstig und grün: Wohnen in Flughafennähe ist trotzt Lärm für viele attraktiv.

Zentrumsnah, günstig und grün: Wohnen in Flughafennähe ist trotzt Lärm für viele attraktiv.
Bild: Flughafen Zürich AG

Umfrage

Dürfen sich Bewohner von Flughafengemeinden über den Fluglärm beschweren?

Nur wenn sie schon länger dort wohnen.

 
19.3%

Sie müssen sogar, damit Deutschland im Fluglärmstreit einlenkt.

 
10.8%

Nein, weil man in diesem Gebiet einfach mit Lärm rechnen muss.

 
69.9%

2108 Stimmen


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Flughafen verhindert Wachstum in Kloten

Dass nicht alle Flughafengemeinden ungehindert wachsen dürfen, zeigt der Fall Kloten. Dort erhob der Flughafen vor drei Jahren Einsprache gegen eine neue Klotener Bau- und Zonenordnung (BZO). Diese wollte vor allem eine Verdichtung des Wohnraums in der Flughafenstadt ermöglichen. Vor Verwaltungsgericht bekam die Flughafen Zürich AG recht. Ende August beschloss der Klotener Stadtrat, den Fall nicht vor Bundesgericht weiterzuziehen. Die Stadt muss nun eine deutlich abgespeckte neue BZO erarbeiten, die in frühestens zwei Jahren rechtskräftig sein wird. (alb)

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«Die Sogwirkung der Boomregion Zürich ist ungebrochen», sagt Opfikons Stadtpräsident Paul Reumund (FDP). Das sei der Hauptgrund dafür, dass der Bevölkerungszuwachs in der Flughafenregion seit Jahrzehnten nicht abnimmt. Die Leute würden die Vor- und Nachteile genau abwägen, bevor sie in ein von Fluglärm belastetes Gebiet ziehen. Auch die Gemeinden Nürensdorf und Rümlang haben ihre Qualitäten: «Wir haben sehr gute Wohnlagen», sagt der Nürensdorfer Gemeindepräsident Franz Brunner (FDP), «Südhang und zentrumsnah.»

Nachdem sich Swiss-Chef Harry Hohmeister in der «SonntagsZeitung» über zu starke Fluglärmgegner beschwerte, stellten zahlreiche Tagesanzeiger.ch-Leser in den Kommentaren die Ur-Frage: Wie konnten die Flughafengemeinden in den letzten Jahrzehnten so stark wachsen, obschon man mit einer Zunahme des Flugverkehrs und des Fluglärms rechnen musste? Viele befürchten, dass mit der Zunahme der Fluglärmgegner das künftige Wachstum des Flughafens und dadurch auch des Wirtschaftsstandorts Zürich gefährdet ist.

Wer in Zürich keine Wohnung findet, geht in die Agglomeration

Paradox ist die Situation in Rümlang. Dort stieg das Bevölkerungswachstum vor allem in den letzten fünf Jahren, als der Fluglärm bereits zu einem überregionalen Thema wurde. Gemeindepräsident Thomas Hardegger (SP) weiss, wieso: «Die Nachfrage war gross. Die neuen Siedlungen liegen vom Lärm abgewandt und wurden nach dem neuesten Schallschutz-Standard gebaut.» Die Leute würden eben gerne nahe beim Arbeitsplatz wohnen und von der eigenen Haustür aus in fünf Minuten ins Grüne gelangen können, begründet er weiter.

Die Wohnungsnot in Zürich treibe die Leute in die Agglomeration, ist der Opfiker Stadtpräsident Paul Reumund überzeugt: «39 Prozent der Bewohner der neuen Glattpark-Siedlung kamen aus der Stadt Zürich.» Obwohl morgens die Maschinen im Minutentakt über ihre Köpfe donnern, würden sich die Opfiker aber kaum am Fluglärm stören. Andere Themen wie Arbeitslosigkeit, Sicherheit und hohe Sozialabgaben würden die Leute viel stärker beschäftigen.

Nürensdorf wurde überrumpelt

Anders in Nürensdorf, wo die Fluglärmgegner bald in der Mehrheit sind. «Bei uns hat man nie davon ausgehen müssen, dass wir jemals Fluglärm haben werden», sagt Gemeindepräsident Brunner. Es sei ein Fehler gewesen, beim Flughafenbetrieb die Deutschen nicht ernst zu nehmen. Nürensdorf ist eine der Ost-Gemeinden, die unter dem stark zunehmenden Fluglärm leiden mussten, als Deutschland vor bald zehn Jahren einseitige Massnahmen beschloss. Seither ist der Flughafen Zürich nicht mehr nach Norden ausgerichtet – zahlreiche Landungen erfolgen über Osten.

Während in Rümlang und Opfikon die Nachfrage nach Wohnraum nicht abnimmt, befürchtet Brunner in Nürensdorf einen Bevölkerungsrückgang: «Eine schrumpfende Gemeinde hätte dramatische Folgen. Die Steuereinnahmen gehen zurück und es droht ein Abbau der Infrastruktur.» Es könnte gar noch schlimmer werden: Entscheidet sich der Bund im Rahmen des SIL-Prozesses für die Variante J, gibt es laut Brunner auch noch morgendliche Landungen von Osten her. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.10.2010, 11:37 Uhr

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25 Kommentare

Andreas Bertschinger

06.10.2010, 14:06 Uhr
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Was soll eigentlich immer die Aussage, über Deutschland sind die Flugzeuge noch hoch, dies sei unfair? Der Flughafen gehört zur Schweiz, der damit verbundene Lärm gehört zur Schweiz. Logisch profitieren die angrenzenden deutschen Gemeinden, doch unsere Politiker haben einfach keine vernünftige Lösung aushandeln können, Leuenberger sei Dank! So siehts aus, also hört auf zu jammern! Antworten


Walter Brunner

06.10.2010, 12:18 Uhr
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Könnte ja sein, dass die Einwohner der Flughafenregion das Lärmthema anders sehen als die Politiker, die sich immer gerne profilieren (vor allem wenn's nicht's kostet). Eine alte Immobilienregel besagt ja, dass es drei Argumente für eine Immobilie gibt: Die Lage, die Lage und die Lage. Und in der Flughafenregion hat's eben alles was man braucht. Also: Schluss mit Politjammern! Antworten



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