Zürich
Wie Wirte Hahnenwasser versilbern
Von Christoph Landolt. Aktualisiert am 12.05.2011 137 Kommentare
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Karaffe des Anstosses: 5 Deziliter dieses Hahnenwasser kosten drei Franken. (Bild: PD)
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Wer im Winterthurer Restaurant Akazie ein Glas Hahnenwasser bestellt, bekommt seit dieser Woche ZH2O vorgesetzt. Dieses entspringt wie bisher der Wasserleitung, kostet neu aber 3 Franken pro Karaffe. Davon fliessen 2 Franken in die Tasche des Wirts, 1 Franken geht an ein Projekt für sauberes Wasser in einem Entwicklungsland.
«Wir sind auf sehr gutem Weg», sagt Nicole Hoefliger von ZH2O – Drink & Donate. «Wöchentlich stossen neue Betriebe dazu.» In den acht Monaten seit der Lancierung des Projekts haben bereits mehr als 90 Restaurants und Bars auf das kostenpflichtige Leitungswasser umgestellt. Während am Anfang nur Gastronomiebetriebe aus der Stadt Zürich dabei waren, stossen in letzter Zeit auch solche aus Winterthur oder von der Goldküste dazu.
Grundsätzlich ist das legal. «Der Wirt ist frei, etwas fürs Hahnenwasser zu verlangen», erklärt Josianne Walpen vom Schweizerischen Konsumentenschutz. Viele Konsumenten seien jedoch der Ansicht, dass sie ein Recht auf ein Glas Gratiswasser hätten. ZH2O sei für die Gastrobetriebe eine «elegante Lösung, um unter dem Deckmantel, etwas Gutes zu tun, für Wasser ebenfalls etwas zu verrechnen.»
Gegen Gratiskultur
Die Gastrobetriebe machen keinen Hehl aus ihren Beweggründen: «Das Bestellen von Hahnenwasser nahm langsam überhand», sagt die Akazie-Wirtin. Während die einen Gäste ein Mineralwasser bestellten, hätten die anderen gratis Hahnenwasser konsumiert, ohne für den Service zu bezahlen. Bei der Villa Sträuli in Winterthur betont man, dass das Geld für eine gute Sache sei. Von den zwei Franken werde man nicht reich, sagt Geschäftsführerin Annelise Schmid. «Pro Tag betrifft das vielleicht fünf oder zehn Gäste.» ZH2O sei jedoch eine «gute Zwischenlösung».
Dass der Frust über gratis konsumierende Gäste bei vielen Wirten schwerer wiegt als das soziale Gewissen, gibt Hoefliger zu. ZH2O solle ein faires Projekt sein, auch die Gastronomie solle davon profitieren. «Man kann nicht ins Restaurant gehen und sich gratis bedienen lassen.» Die zwei Franken seien symbolisch: Einer sei fürs Personal, der andere für die Infrastruktur.
Walpen dagegen stört sich am Verteilschlüssel: Wenn die Einnahmen für das Hilfsprojekt und für die Gastwirte in umgekehrtem Verhältnis stünden, so die Konsumentenschützerin, hätte man schon eher den Eindruck, dass nicht nur die Konsumenten, sondern auch die Wirte einen Beitrag für die Wasserprojekte leisten. So aber sei das für die Wirte noch besser als für das Hilfsprojekt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 11.05.2011, 12:33 Uhr
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137 Kommentare
Na ja...wenn jemand ins Restaurant kommt und sonst nichts bestellt, dann sind die CHF 3 ok...aber wenn für ca. CHF 100 gegessen und getrunken wird, finde ich das absurd (so geschehen in einer Pizzeria in Laax) um nicht zu sagen frech! Antworten
Im Elsas zb gibts die Karaffe Wasser gratis dazu, in Italien und Frankreich erst recht. Nur die Zürcher Wirtesnobs glauben das man sich in's Restaurant sitzt und nur ein Glas Hanenburger bestellt. Absurd sowas.
So wird das Bild vom überteuerten Zürich, dass des Geldes wegen jeden Anstand und alle Gastfreundschaft opfert, zementiert.
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