Wie die Apple-Karte durch Zürich führt

Mit dem neuen iPhone kehrt Apple der Google-Karte den Rücken und setzt auf eine Eigenentwicklung. Wer sich damit in Zürich zurechtfinden will, stösst aber auf manche Überraschung.

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Ab heute steht das iPhone 5 in den Läden für die Apple-Geeks bereit. Pünktlich zum Start durften sich auch alle Nutzer älterer Modelle ein neues Betriebssystem auf ihr Gerät laden. Die augenscheinlichste Neuerung: Die liebgewonnene Google-Karte ist ersetzt durch ein Eigenprodukt. Doch dieses hat noch so manche Kinderkrankheit zu überwinden, wie ein virtueller Stadtrundgang durch Zürich zeigt (siehe Bildstrecke).

Angefangen am Stadtrand: Bereits am Bahnhof Tiefenbrunnen, den die Karte grundsätzlich am richtigen Standpunkt verortet, gibt es eine erste Überraschung. Die zugehörige Tramhaltestelle wird separat verzeichnet, was grundsätzlich lobenswert wäre. Nur trauten die Kartenprogrammierer den Zürcher Stadtplanern eine technische Meisterleistung zu, derer sich diese nicht rühmen können. Die Tramstation ist nämlich nicht gleich neben dem Bahnhof zu finden.

Laut den Apple-Programmierern befindet sie sich in der Flühgasse, wurde also an einen Hügel mitten ins Wohnquartier gebaut. Unnötig zu sagen, dass, wer schlicht Tiefenbrunnen in die Suchfunktion der Karte eingibt, irgendwo im hinteren Teil des Seefelds landet. Immerhin wird vermerkt, dass es sich dabei um einen «ungefähren Standort» handelt.

Umziehen dank Apple

Auch im Kreis 5 sieht es kaum besser aus. Die Maag Event Hall, welche mit historischem Bewusstsein als «Maag Zahnräder» angegeben wird, befindet sich schlicht auf der falschen Seite der Hardbrücke. Dafür eine Überraschung: Am selben Ort wird gleich auch Werbung für religiöse Splittergruppen gemacht. So gibt die Karte an, dass dort «ICF-Events» zu finden sind. Von der falschen Verortung abgesehen, wird es ausländischen Neochristen dennoch schwer fallen, ihre Schweizer Mitgläubigen zu finden. Die ICF-Events finden heute nämlich vornehmlich im Güterbahnhof statt.

Wer genauere Infos zu Zürichs Quartiernamen sucht, wird ebenfalls mit ausgefallenen Informationen bedient. So ist zwischen dem Niederdorf und dem Oberdorf beispielsweise der Stadtteil «Grosse Stadt» zu finden. Vielleicht auch schlicht ein Zeichen des guten Willens gegenüber den hiesigen Bewohnern, die nun bestätigt kriegen, dass es sich bei Zürich nicht bloss um ein grosses Dorf handelt.

Auch wer mit der Apple-Karte einen Laden finden will, stösst oft an seine Grenzen. Ein paar Beispiele: Den kleinen Liebhaber-Plattenladen 6Pack Records im Kreis 4, eigentlich an der Badenerstrasse situiert, verschoben die Kartenmacher kurzerhand um ein paar Strassen an den Feldgütliweg. Auch der Kleiderladen Favorit, grundsätzlich seit Jahren an der Konradstrasse ansässig, wurde umgesiedelt. Immerhin findet man diesen in Wirklichkeit gleich um die Ecke der angegebenen Hafnerstrasse.

Wenn Clubs zu Zoos werden

Bei Restaurants und Ausgehlokalen hinterlässt die Karte einen besonders schlechten Eindruck. So können Tanzwillige laut Apple (AAPL 105.22 0.37%) noch immer im Club Zoo zu aktuellen Rhythmen schaukeln. Ganz dem Namen gerecht, wird er denn auch mit einem Elefanten-Symbol (für Zoo) angezeigt. Nur zur Info: Der Club Zoo, der mit einem Tierpark rein gar nichts zu tun hat, schloss seine Tore bereits 2004.

Nicht anders bei den Restaurants. Nur ein Beispiel von vielen: Senioren, die ihr Mittagessen gerne im Gastrobereich des orangen Riesen zu sich nehmen, würden sich am Limmatplatz schlicht verlaufen. Das Restaurant der Migros wird nämlich auf der falschen Seite des Platzes angegeben. Gottlob orientieren sich Senioren nur selten mit Apple-Karten.

Dafür sorgen sich die Apple-Programmierer auch um andere Formen des leiblichen Wohls. Anders als bei Google verzeichnet die Karte beispielsweise das Studio Boombastic an der Brunaustrasse – angegeben als Restaurant. Wie der Name des Lokals aber erahnen lässt, kümmern sich hier keine Serviertöchter, sondern andere, deutlich leichter bekleidete Damen um das Wohl ihrer vornehmlich männlichen Kundschaft. Immerhin steht das Lokal aber auch in Wirklichkeit am angegebenen Ort.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 28.09.2012, 14:08 Uhr)

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