Zürich

«Wir können niemandem einen Maulkorb anlegen»

Von Jvo Cukas. Aktualisiert am 23.02.2012 18 Kommentare

Zwei EDU-Kantonsräte finden, die reformierte Kirche im Kanton positioniere sich zu links und schade sich damit. Für die Kirche ist ihr Engagement «edel», wie Sprecher Nicolas Mori erklärt.

«Niemand soll von der Kanzel zum Kirchenaustritt auffordern»: Nicolas Mori, Sprecher der kantonalen reformierten Kirche.

«Niemand soll von der Kanzel zum Kirchenaustritt auffordern»: Nicolas Mori, Sprecher der kantonalen reformierten Kirche.
Bild: ZVG

Umfrage

Darf die Kirche politisch Stellung beziehen?

Ja, die Kirche muss sich in die Gesellschaft einbringen.

 
37.1%

Nein, die Kirche ist für alle da. Sie soll politisch neutral bleiben.

 
62.9%

1870 Stimmen


Artikel zum Thema

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...


Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Zwei EDU-Kantonsräte kritisierten in einer Anfrage an den Regierungsrat das politische Engagement der reformierten Kirche im Kanton, wie die Unterstützung der Occupy-Bewegung beim Stauffacher. Der Regierungsrat will nichts zu kircheninternen Fragen sagen. Darum die Frage an Sie: Wie links darf die Kirche sein?
Grundsätzlich ist jede Kirchgemeinde eine juristisch eigenständige Institution. Jede Kirchenpflege und jeder Pfarrer und jede Pfarrerin muss selbst entscheiden, was sie mit ihrem Gewissen vereinbaren kann. Dazu gehört beispielsweise die Auslegung des Evangeliums oder die Frage, wem man kirchliches Asyl gewährt. Dies kann einmal politisch in die eine oder die andere Richtung ausschlagen. Wir können und wollen niemandem einen Maulkorb anlegen.

Gibt es hier keine Grenzen?
Doch, die gibt es. Natürlich muss die Loyalität zur Kirche gewahrt bleiben. Niemand soll von der Kanzel zum Beispiel zum Kirchenaustritt auffordern. Auch ist politische Propaganda untersagt. Sie dürfen als Pfarrer auf Kirchengrund keine Unterschriftensammlungen veranstalten. Grundsätzlich sollte sich eine Kirchgemeinde auch nicht einseitig äussern. Wenn sie auf ihrem Grund ein politisches Plakat aufstellen würde, müsste sie auch der gegnerischen Seite erlauben, das Gleiche zu machen. Sofern diese das fordert.

Die Occupy-Bewegung stellte beim Stauffacher aber Dutzende Plakate auf, die man wohl als politisch einseitig beurteilen würde.
Man muss unterscheiden zwischen Asyl geben und wirklich parteipolitischer Propagandaarbeit. Die Occupy-Bewegung war zwar ein spezieller Fall, aber grundsätzlich gehört es zu den edelsten Aufgaben der Kirche, Bedürftigen zu helfen. Dies kann auch ein anwaltschaftliches Unterstützen sein.

Sind politisch aktive Studenten wirklich bedürftig?
Das Besondere war die Heterogenität der Bewegung. Bei der Räumung des Lindenhofes wurde klar, dass da auch viele mit anderen Motiven Trittbrett fuhren. Wir haben deshalb die Kirchgemeinde Aussersihl darauf hingewiesen, sich nicht von anderen Kräften innerhalb der Occupy-Bewegung instrumentalisieren zu lassen. Viele der Leute, die das Engagement der Kirche kritisierten, sympathisierten ja mit den Occupy-Anliegen. Es war deshalb wichtig, dass wirklich jene unterstützt wurden, die aktiv etwas machen wollten.

Hätte die SVP aber gefordert, dass ihre Plakate neben den Occupy-Schriftzügen aufgestellt werden, hätte die Kirchgemeinde dies machen müssen?
Grundsätzlich schon, aber ein Parteiplakat hätte das Pendel dann auf die andere Seite ausschlagen lassen. Es hätte eher etwas Äquivalentes sein müssen.

Die beiden EDU-Kantonsräte glauben, dass die Rekord-Kirchenaustritte der letzten Jahre damit zusammenhängen, dass die reformierte Kirche sich zu links positioniert.
Das ist nicht so. Es ist zwar richtig, dass die Mehrheit der Leute, die für die Kirche arbeiten, tendenziell eher links-liberal eingestellt sind. Die Kirchenbasis ist im Gegensatz dazu mehrheitlich eher konservativ ausgerichtet. Aber die Rekordaustritte 2010 haben wohl mehr mit den Missbräuchen in der katholischen Kirche zu tun. Dies hat auch auf die reformierte Kirche ausgestrahlt. 2011 sind die Zahlen bereits wieder deutlich tiefer. Oft drohen Mitglieder zwar mit dem Austritt, wenn sie mit etwas nicht einverstanden sind. So war dies beispielsweise, als die Sans-Papiers die Prediger-Kirche besetzt hatten. Wir erhielten viele kritische Zuschriften, aber Austritte gab es schliesslich nur wenige. Und ein Drittel der Zuschriften kritisierte uns, weil wir uns nicht stärker für die Sans-Papiers eingesetzt hatten. Zu wie vielen Austritten es wegen der Unterstützung der Occupy-Bewegung gekommen ist, kann ich nicht abschliessend sagen. Der Präsident der städtischen SVP, Roger Liebi, ist ausgetreten und hat dies medial kundgetan. Wir hatten aber auch Eintritte und viele positive Reaktionen, die uns sagten, dass man nun endlich wieder wisse, wofür die Kirche eigentlich gut sei.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.02.2012, 16:47 Uhr

18

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

18 Kommentare

Edith Habermann

23.02.2012, 18:47 Uhr
Melden 35 Empfehlung

Die Worte vom Sprecher der reformierten Kirche Nicolas Mori klingen in meinen Ohren ziemlich verlogen und/oder weltfremd. Viele Pfärrer haben sogar offen in ihren Predigten Abstimmungspropaganda betrieben und versucht den Gläubigen einzutrichtern, dass beispielsweise ein Ja zur Auschaffungsinitiative oder zur Anti Minarettinitiative unchristlich sei. Ich bin aus politischen Gründen ausgetreten! Antworten


Thomas Wepfer

23.02.2012, 21:44 Uhr
Melden 29 Empfehlung

Evangelium und Nächstenliebe der politischen Rechten, wie sollte das auch aussehen? Beratungsstelle für Topverdiener? Kaviarabgabe an Schwerstabhängige? Ich bitte sie. Antworten



Zürich

Lokalverzeichnis

Werbung

Populär auf Facebook Privatsphäre

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Grillsaison
homegate Besser grillieren mit unseren Experten-Tipps Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate

Umfrage

Sollen die zehnjährigen Zwillinge von Rolf Erb Schloss Eugensberg behalten dürfen?




Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.