Zürich
«Wir müssen froh sein, wenn sich Leute der Politkarriere ausliefern»
Von Tina Fassbind. Aktualisiert am 19.12.2009 3 Kommentare
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- Betroffenheit quer durch alle Parteien
- «Der Stress im Regierungsamt ist ein Nährboden für Erkrankungen»
- «Meine Frau ist sehr stark»
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Regierungs- und Stadträte stehen täglich unter enormem Druck. Druck, der sich auch auf die Gesundheit auswirken kann. Am Donnerstag wurde bekannt gegeben, dass Regierungsrätin Rita Fuhrer an Brustkrebs erkrankt ist. Im Sommer dieses Jahres musste Stadtrat Martin Waser wegen Herzflimmern beruflich kürzertreten. Die ehemalige Regierungsrätin Verena Diener, die selbst in ihrer Amtszeit an Krebs erkrankt ist, sagt gegenüber dem «Tages-Anzeiger», dass Stress ein Nährboden für Erkrankungen sei.
Der Zürcher Stadtarzt Albert Wettstein will nicht so schwarzmalen. «Ich denke, das ist ein Wahrnehmungsproblem: Wenn ein Stadtrat krank wird, dann kommt das in den Medien. Dabei gibt es in dieser Altersgruppe – den 55 bis 60-Jährigen – viel Reparaturmedizin zu machen. Das ist nichts Aussergewöhnliches, sondern schlicht eine Alterserscheinung.» Stress könne auch einen positiven Kick geben, so Wettstein, «weil man merkt, dass man was geleistet hat. Die Regierungs- und Stadträte müssen einfach ihre Stressbewältigungsstrategien entwickeln. Einige sagen sich dann vielleicht: ich höre auf mit der Politik und hänge mein Amt an den Nagel.»
Müde und ausgelaugt – aber nicht krank
Ähnlich sieht es Susanne Sorg-Keller, Leiterin Kommunikation des Zürcher Regierungsrats. «Man kann nicht widersprechen, dass dieses Amt stressig ist. Aber in meiner Beobachtung sind die Regierungsräte nicht häufiger krank als andere», so Sorg-Keller. Die Regierungsräte hätten alle einen individuellen Ausgleich zur anspruchsvollen Aufgabe gefunden, um trotz des Drucks gesund zu bleiben. «Man wird vielleicht müde und ausgelaugt von den vielen Verpflichtungen, aber krank wurde deshalb niemand.»
Kritischer beurteilt Kurt Imhof, Leiter des Forschungsbereichs Öffentlichkeit und Gesellschaft an der Universität Zürich, die Situation der Zürcher Regierungs- und Stadträte. «Exekutivämter sind undankbare Jobs geworden. Das politische Personal hat in den letzten 20 Jahren massiv an Reputation verloren.» Imhof macht vor allem die Medien für diesen Wandel verantwortlich. «Die Medien wollen Aufmerksamkeit und bedienen das Publikum mit entsprechenden Nachrichten – mit Skandalisierungen, Personalisierungen sowie Konfliktstilisierungen, und die medienwirksamsten politischen Parteien spielen gezielt auf die Person und erreichen dadurch die grösste Resonanz in den Medien.»
Laut Imhof werden die Amtsträger in der Regel nur noch bei Wahlen und bei Schwierigkeiten in ihrem Verantwortungsbereich zum Thema gemacht. «Macht ein Exekutivmitglied gute Arbeit, ist das kaum der Rede wert. Unter diesen Umständen müssen wir froh sein, wenn es noch Leute gibt, die sich Sorgen um den Staat machen und sich dieser Karriere ausliefern.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.12.2009, 05:20 Uhr
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3 Kommentare
Was soll diese Aussage, dass ein Politiker Job stressig ist? Ich arbeite im obersten Management, 16 Stunden am Tag. Ich bin dem Gewinn verpflichtet, fuehre ueber 500 Mitarbeitern. Die Politiker haben noch nie gelernt in stressigen Situationen zu arbeiten und Gewinn zu erziehlen. Sie verwalten und kontrollieren.Ein Zuercher Regierungsrat verdient mehr als 400000 sfr im Jahr. Hoert auf zu Jammern. Antworten
Prof. Kurt Imhof, tätig in einer "Geschützen Werkstatt", macht es sich da etwas gar einfach, wenn er die Medien verantwortlich macht, dass in der Oeffentlichkeit stehende Personen wegen diesen "krank" werden... Der Ton ist generell härter geworden; vorallem in der "offenern" Arbeitswelt. Ein Regierungsrat weiss bei der Wahl auf was er sich einlässt. Ex Bundesrat Blocher wäre schon lange sehr krank Antworten
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