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«Wir profitieren von der Zuwanderung»

Von Janine Hosp. Aktualisiert am 11.10.2010 45 Kommentare

Zürichs Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) fordert von Immigranten und eingesessenen Zürchern, dass sich beide Gruppen aktiv an der Integration beteiligen. In der Zuwanderung sieht sie mehr Vorteile als Nachteile.

«Zürich profitiert von der Zuwanderung»: Corine Mauch meint, Ängste seien real, aber unbegründet.

«Zürich profitiert von der Zuwanderung»: Corine Mauch meint, Ängste seien real, aber unbegründet.
Bild: Reto Oeschger

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ZKB-Studie: Hochqualifizierte kommen

Die Zürcher Kantonalbank kommt in ihrer neuen Studie «Immigration 2030 – Szenarien für die Zürcher Wirtschaft und Gesellschaft» zum Schluss, dass die Zuwanderung hoch qualifizierter Arbeitskräfte in den nächsten 20 Jahren anhalten wird. Die Bank glaubt, dass der Zustrom die Konkurrenzfähigkeit des Zürcher Wirtschaftsraums verbessert, die Politik aber vor Herausforderungen stellt: Die Zuwanderung lässt die Wohnungspreise in den Zentren steigen, wodurch ein wachsender Teil der ansässigen Bevölkerung verdrängt wird. Zudem geraten die Karrierechancen der Einheimischen unter Druck, und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sich der Lebensraum zersiedelt. (jho)

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Frau Mauch, der Wirtschaftsstandort Zürich könnte gemäss einer ZKB-Studie deutlich wachsen und zu einer der bedeutendsten Metropolen Europas werden, gleichauf mit Städten wie London und München. Begrüssen Sie diese Entwicklung?
Es geht nicht darum, ob ich sie begrüsse oder nicht; es ist eine Realität, die gemäss Studie langfristig eintreffen wird. Wichtig ist, dass der Stadtrat diesen Prozess aktiv begleitet. Er hat schon verschiedenste Massnahmen ergriffen, die in diese Richtung gehen. Wir pflegen zum Beispiel engen Kontakt mit den Gemeinden in Zürichs Umland, mit der Stadt Winterthur und dem Kanton. Auch im Rahmen der Metropolitankonferenz sind wir aktiv.

Was bringt das?
Wir klären zusammen, wie der Wandel aussieht und wie wir ihn auffangen können. Uster zum Beispiel strebt wie Zürich eine bessere Durchmischung an, aber unter umgekehrten Vorzeichen: Dort ist der Wohnanteil hoch, weil Wohnungen vergleichsweise günstig zu haben sind. Uster hat aber weniger Arbeitsplätze. Wir müssen die anstehenden Probleme im grösseren Kontext sehen und als Gesamtraum bewältigen.

Wenn weiterhin so viele Menschen nach Zürich ziehen, werden hier in 20 Jahren – etwas zugespitzt gesagt– noch zwei Bevölkerungsgruppen leben: jene, die arm genug sind, um eine Wohnung von der Stadt zu bekommen, und Wohlhabende, welche die Mieten auf dem freien Markt bezahlen können.
Die Dynamik auf dem Wohnungsmarkt ist keine neue Entwicklung. Der Stadtrat hat bereits vor einem Jahr in acht Handlungsleitlinien festgehalten, wie er dem Wohnungsproblem begegnen will. Unsere Ausgangslage ist gut; 25 Prozent aller Wohnungen in Zürich gehören gemeinnützigen Besitzern. Die von ihnen angesprochene tiefe Einkommensgrenze spielt bei subventionierten Wohnungen. In Zürich bieten aber auch viele Genossenschaften Wohnungen an, die nicht subventioniert sind. Sie sind selbsttragend, aber nicht gewinnorientiert, und deshalb vergleichsweise günstig. Sie stehen auch Personen aus dem Mittelstand offen. Eine durchschnittliche Miete für eine 4 1/2-Zimmer-Wohnung beträgt in Zürich 1750 Franken.

Dennoch, wenn die heutige Entwicklung anhält, wird Zürich zu einem Monaco, wo viele Wohlhabende auf engem Raum zusammenleben.
Ich glaube nicht, dass die Entwicklung so endet. Unsere Massnahmen zielen vielmehr darauf, die Vielfalt in der Stadt und die Lebensqualität in den Quartieren zu bewahren.

Für die Zürcherinnen und Zürcher wird wohl auch die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt härter – sie müssen es mit jungen, fitten und hoch qualifizierten Arbeitskräften aus der ganzen Welt aufnehmen.
Das ist ein sehr interessanter Punkt der ZKB-Studie. Sie sagt, dass sich die Konkurrenzsituation kaum auf die Löhne niederschlägt. Dank dem Zuzug von Hochqualifizierten erhält die Zürcher Wirtschaft eine andere Dynamik, und es entstehen neue Jobs.

Für schlecht Qualifizierte wird der soziale Aufstieg aber schwieriger – stehen den Unternehmen ausgebildete Arbeitskräfte zur Verfügung, müssen sie die anderen nicht fördern. Das ist wohl weniger im Sinn einer Sozialdemokratin.
Dass schlechter Qualifizierte Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt haben, ist ein Problem, mit dem sich der Stadtrat schon länger konfrontiert sieht. Wir haben vor einem Jahr ein entsprechendes Strategiepapier vorgestellt. Auch Schulabgänger, die keine Lehrstelle finden, beschäftigen uns. Dies ist mit ein Grund, weshalb wir ein Kongresszentrum realisieren wollen; der Tourismus fördert Branchen wie das Gastgewerbe oder die Hotellerie, die auch viele Arbeitsplätze für schlechter Qualifizierte anbieten.

In Zürich wird es durch das Wachstum noch enger. Besteht nicht die Gefahr, dass die Stadt ihre hochgepriesene Lebensqualität verliert?
Der Druck auf die Stadt besteht schon heute. Deshalb braucht es eine bauliche Verdichtung, die der Stadtrat aber quartierverträglich gestalten will. Die geltende Bau- und Zonenordnung lässt ein Bevölkerungswachstum auf über 400'000 Personen zu, ohne dass die Lebensqualität verloren geht.

Spüren Sie Überfremdungsängste in der Bevölkerung?
Ja natürlich. Es wäre falsch, zu behaupten, es gäbe sie nicht. Das Minarettverbot war ein starker Ausdruck davon. An Veranstaltungen werde ich ab und zu von Zürcherinnen und Zürchern angesprochen, die sich über solche Fragen Gedanken machen. Sie erwähnen zum Beispiel die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt. Es fällt mir aber auf, dass sie eigentlich nie erzählen, dass sie selbst tatsächlich schlechte Erfahrungen gemacht haben – sie haben vielmehr Angst davor, dass dies geschehen könnte. Diese Ängste sind vielfach irrational. Trotzdem müssen wir sie ernst nehmen, denn zumindest die Ängste selber sind real.

Was tut der Stadtrat gegen Überfremdungsängste?
Es ist absolut zentral, dass wir eine aktive Integrationspolitik betreiben. Dabei müssen beide Seiten, die Ansässigen und die Zuzügerinnen und Zuzüger, ihren Teil beitragen und die Integration wollen. Oft ist es ja so, dass sobald man jemanden persönlich kennen lernt, vieles ganz anders aussieht.

Muss der Bundesrat die Personenfreizügigkeit einschränken?
Das wäre der völlig falsche Ansatz. Zürich profitiert von der Zuwanderung.

Bisher hat die Stadt profitiert. Aber irgendwann kann es auch kippen und die Nachteile nehmen überhand. Wann ist Ihrer Meinung nach dieser Punkt, der «Tipping Point», erreicht?
So weit käme es nur, wenn wir aufhören würden, diesen Wandel aktiv zu begleiten und auf die Herausforderungen zu reagieren. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir wach bleiben und unsere Verantwortung wahrnehmen.

Das tönt einmal mehr abstrakt und wenig konkret. Was kann der Stadtrat wirklich tun?
Wir wollen die Lebensqualität in Zürich auch unter erhöhtem Druck erhalten. Das heisst, unsere Wirtschafts- und Wohnpolitik weiterverfolgen, eine aktive Integrationspolitik betreiben, Bildungsangebote bereitstellen, den öffentlichen Raum und die Grünräume pflegen und Sorge zu den sozialen Netzen tragen. In Zürich soll niemand durch die Maschen fallen.

Hätte der Stadtrat nicht genau diese Punkte in seinem Legislaturprogramm hervorheben müssen? Heute steht darin an erster Stelle, er wolle die Kultur- und Kreativstadt Zürich fördern.
Die beiden Legislaturschwerpunkte «Stadt und Quartiere gemeinsam gestalten» und «Frühförderung – gute Startchancen für alle Kinder» nehmen sich genau dieser Themen an. Ich bin wirklich erstaunt, wie unsere Legislaturschwerpunkte, die notabene keine Rangordnung haben, interpretiert worden sind. Es handelt sich nicht um ein Regierungsprogramm, wie es zum Beispiel eine Koalitionsregierung in Deutschland vorlegt. Wir wollten ganz bewusst Schwerpunkte setzen, die über das hinausgehen, was wir ohnehin schon beschlossen haben, und die für Zürichs Entwicklung mittelfristig von hoher Bedeutung sind: 2000-Watt-Gesellschaft, unsere Wirtschafts- und Wohnpolitik – das alles ist aufgegleist und bereits am Laufen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.10.2010, 22:57 Uhr

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45 Kommentare

Alois Leimgruber

11.10.2010, 08:40 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Typische Aussage einer SP Frau. Für uns hat die Zuwanderung nur Nachteile gebracht. Wir haben heute 2 Mio.zuviele Einwohner.Es wird gebaut und verbetoniert bis zum geht nicht mehr.Die Lebensqualität ist massiv gesunken. Antworten


Andreas Biel

11.10.2010, 22:01 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Es schockiert mich zutiefst, eine derart ignorante Person als Regierungschefin zu haben. In was für einer Traumwelt lebt eigentlich diese Frau? Die hat keine Ahnung, wovon sie spricht! Frau M., lesen Sie mal die Nachrichten, gehen Sie mal in unsere Gefängnisse und Sozialämter, lesen Sie die Statistiken! Beschäftigen Sie sich mal mit Realeinkommen/Kopf, Mieten, qualitativen Wachstum! 28.11.! Antworten



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