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Wird es zu eng für die Züge am Hauptbahnhof?

Von Philipp Albrecht. Aktualisiert am 06.08.2010

Der Zugunfall von heute Freitagmorgen wirft Fragen auf: Was hat ein Rangierzug beim Perron eines Passagierzuges verloren? SBB-Sprecher Daniele Pallecchi gibt Antwort.

1/9 Die S-Bahn rammte einen Bauzug. Dabei floss auch etwas Öl aus.
Bild: Claudia Imfeld

   

Pünktlich um 4.48 Uhr fuhr der S-Bahn-Zug auf dem Gleis 17 Richtung Altstetten los. Doch schon nach wenigen Metern stiess er mit einer Rangierkomposition zusammen. Sechs Personen wurden leicht bis mittelschwer verletzt. Der Umfallhergang wird zurzeit untersucht. Nach Auskunft der SBB kam der Rangierzug vom Bahnhof Hardbrücke und wollte nach Altstetten. Dass die Komposition dafür in den Hauptbahnhof fahren muss, scheint auf den ersten Blick wenig Sinn zu machen. Was also hatte der Zug dort verloren?

«Der Zug musste zuerst im HB einfädeln», erklärt SBB-Sprecher Daniele Pallecchi auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch. Man könne nicht einfach von jedem Gleis beim Bahnhof Hardbrücke aus nach Altstetten steuern. «Der limitierende Faktor sind die entsprechenden Weichen.» Die Arbeiter auf der Rangierlok verrichteten Vorbereitungsarbeiten bei einem Gleis nahe der Hardbrücke, bevor sie weiter nach Altstetten wollten. Dafür musste die Komposition rund 400 Meter zurück in Richtung HB fahren. Dass der Zug dabei dem Perron derart nahe kommt, ist laut Pallecchi nichts Aussergewöhnliches.

Um 5 Uhr ist noch nicht viel los auf den Schienen

Die Route des Rangierzugs vom Bahnhof Hardbrücke zum ebenerdigen HB ist aber relativ umständlich: «Für die S-Bahn-Züge gibt es diese Route nicht, sie fahren von der Hardbrücke aus direkt in den unterirdischen Bahnhof Museumsstrasse», erklärt Pallecchi. Für den Rangierzug war die Route aber kein Problem. Nicht zuletzt auch weil um diese Zeit sehr wenige S-Bahnen unterwegs sind: «Der Verkehr steigt erst um 6.30 Uhr massiv an. Gleisarbeiten sind dann nicht mehr möglich.»

Der Verkehr auf dem Schweizer Schienennetz mit seinen insgesamt 15'000 Kilometer Gleisen ist auf die Sekunde genau verplant. Dazu gehören auch die Rangierzüge. Die Überwachung wird von Computern unterstützt. «Bei 9000 Zügen täglich und 154,6 Millionen Zugkilometern jährlich geht das nicht anders.» Die Lokführer werden per Lichtsignal geleitet. Laut Pallecchi weiss der Führer des Bauzugs genau, wo er durch muss und ist in stetigem Kontakt mit dem Stellwerk. Ob er heute Morgen unter Umständen das Signal nicht beachtet hat, ist Gegenstand der Untersuchung. Sie wird von einer unabhängigen Stelle des Bundes durchgeführt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.08.2010, 16:19 Uhr

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