Zahl der Fluglärm-Opfer hat deutlich zugenommen
Von Pia Wertheimer. Aktualisiert am 15.12.2011 35 Kommentare
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
-
Zusammenfassung
Der Regierungsrat hat den Bericht zum Zürcher Fluglärm-Index (ZFI) 2010 verabschiedet. Dieser vergleicht die Jahre 2009 und 2010. Die Anzahl der tagsüber vom Fluglärm stark belästigten Personen nahm um rund fünf Prozent zu, diejenige der nachts im Schlaf stark gestörten Personen gar um 15 Prozent. Rund 95 Prozent aller betroffenen Personen leben im Kanton Zürich. 0,2 Prozent wohnen in Süddeutschland.
Der vom Regierungsrat bei 47'000 stark belästigten Personen festgelegte ZFI-Richtwert ist im Jahr 2010 um etwa 4'000 Personen überschritten worden. Neu sind 50'800 Personen vom Fluglärm stark betroffen.
Zunahme wegen Wirtschaftsaufschwung
Laut Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker verursachte vor allem der konjunkturelle Aufschwung und der damit verbundene Anstieg der Flugbewegungen den höheren Monitoringwert. Aber auch der Zuwachs der Bevölkerung sowie die Lage und Belegung der Flugrouten hatten einen Einfluss. So führte zum Beispiel die Zunahme der Starts ab Piste 16, sowohl tags als auch nachts, zu einer Zunahme der von Fluglärm stark belästigten Personen im südlichen Einzugsgebiet des Flughafens.
Im langfristigen Vergleich (2000 bis 2010) sei der Monitoringwert aber um 15 Prozent gesunken, denn im Jahr 2000 hätte er 59'600 Personen umfasst. Dabei hat das Bevölkerungswachstum seither einen Anstieg des ZFI um rund elf Prozent bewirkt. Dank der günstigen Entwicklung im Flugbetrieb (-26 Prozent) konnte die Bevölkerungszunahme kompensiert werden.
Besserung durch neue Flugzeuge
Die bereits beschlossene Erneuerung der Kurzstreckenflotte der Swiss, das heisst der Ersatz der Jumbolinos mit Flugzeugen von Bombardier ab 2014, werde eine deutliche Verminderung der Lärmbelästigung bringen, sagt Stocker.
Laut Regierungsrat wird die Bevölkerungszunahme in der Flughafenregion weiterhin zur Erhöhung des ZFI beitragen, auch wenn das Wachstum im vergangenen Jahr tendenziell geringer ausfiel.
Acht Millionen Franken für bessere Wohnqualität
Die gemeinsam mit dem ZFI-Bericht vorgestellte Revision der ZFI-Verordnung umfasst Massnahmen betreffend Wohnqualität in der Flughafenregion. Sie sieht unter anderem vor, dass Hauseigentümern, die ihre Immobilien erneuern oder ersetzen wollen, von Experten beraten werden.
Die Staatsbeiträge werden aus dem Flughafenfonds finanziert, der laut Stocker nicht mit Steuergeldern gespiesen werde. Für die Aufgaben im Rahmen der Wohnqualität stehen gemäss aktueller Planung jährlich rund acht Millionen Franken aus dem Fonds zur Verfügung. -
11.00 Uhr
Rund 400 Wohneinheiten kommen voraussichtlich in den Genuss finanzieller Unterstützung durch den Flughafen-Fonds.
-
10.58 Uhr
Auch durch die Beschaffung neuer Flugzeuge ist eine Besserung in Sicht: Die bereits beschlossene Erneuerung der Kurzstreckenflotte der Swiss, das heisst der Ersatz der Jumbolinos mit Flugzeugen der «CSeries» von Bombardier ab 2014, wird eine deutliche Verminderung der Lärmbelästigung bringen.
-
10.55 Uhr
Setzt sich der wirtschaftliche Trend weiter fort und greifen die Massnahmen, rechnet Stocker damit, dass der Monitoringwert nicht weiter steigen wird.
Hingegen will der Volkswirtschaftdirektor keine Prognose wagen, ob der Richtwert von 47'000 je gesenkt werden kann. -
10.50 Uhr
Für die Aufgaben im Rahmen der Wohnqualität stehen gemäss aktueller Planung jährlich rund acht Millionen Franken aus dem Fonds zur Verfügung.
-
10.47 Uhr
Die Beratung müsse der Hauseigentümer müsse noch aufgebaut werden, sagt Traber. Das werde gemeinsam mit den Gemeinden geschehen.
-
10.45 Uhr
95,3 Prozent der lärmgeplagten Personen lebten im Kanton Zürich. Auf den Kanton Aargau entfielen 4,2 Prozent, auf Süddeutschland 0,2 Prozent, auf den Kanton Schaffhausen 0,1 und auf den Kanton Thurgau 0,2 Prozent.
-
10.40 Uhr
Der Kanton will die Beratung der Eigentümer intensivieren und bei Wohnungen in stark belasteten Zonen einen hochwertigen Schallschutz finanziell unterstützen, so dass beispielsweise zusätzliche Komfort-Lüftung eingebaut werden können.
Dabei soll laut Schärli nicht die Wohntätigkeit gefördert werden. Diese Massnahmen gelten für bestehende Gebäude. Die Mittel kommen aus dem Flughafen-Fonds und nicht belasten nicht die Steuergelder. -
10.30 Uhr
Christian Schärli von der Abteilung Flughafen und Luftverkehr sagt, dass 75'000 Einwohner in 34'000 Wohneinheiten besonders stark betroffen sind.
Die ZFI-Verordnung ist zwei Jahre alt und verankert Massnahmen für den Schallschutz. -
10.20 Uhr
18'000 Menschen sind 2010 in der Nacht in ihrer Nachtruhe stark gestört worden. Im Vergleich waren es 2009 15'600 Personen.
-
10.15 Uhr
Markus Traber, Chef des Amts für Verkehr, hat das Wort ergriffen.
2008 war der Monitoringwert bereits über dem Richtwert von 47'000 und betrug damals 49'000.
Hauptgrund für den höheren ZFI-Wert sei der Anstieg der An- und Abflüge als Folge der wirtschaftlichen Entwicklung, sagte Stocker. Im Vergleich zum Vorjahr nahmen die Flugbewegungen 2010 von rund 239'000 auf fast 245'000 zu -
10.10 Uhr
Der Regierungsrat ist verpflichtet darauf hinzuwirken, dass der Richtwert nicht überschritten wird. Dieser beträgt maximal 47'000 stark belastete Menschen. Der Bericht zum Zürcher Fluglärm-Index 2010 zeigt, dass es im vergangenen Jahr 50'800 waren. Dies entspricht einer Zunahme von 5% der tagsüber starkbelästigten Personen und 15% der im Schlaf stark gestörten Menschen.
Die Zahl der Personen, die im Raum Zürich unter Fluglärm leiden, ist im vergangenen Jahr um 4000 Personen gestiegen. -
10 Uhr
Der Zürcher Fluglärm-Index
Ziel des Zürcher Fluglärm-Index (ZFI) ist es, die tatsächliche Anzahl wie auch die Veränderung der vom Fluglärm am Tag stark belästigten und in der Nacht stark gestörten Personen zu erfassen.
Der ZFI ist ein kantonales Instrument. Der Regierungsrat hat den Bericht der Volkswirtschaftsdirektion zum Zürcher Fluglärm-Index (ZFI) 2010 verabschiedet. Darin vergleicht er die Jahre 2009 und 2010 sowie in einer Langzeitbetrachtung die Jahre 2000 und 2005 bis 2010.
Der vom Regierungsrat bei 47‘000 stark belästigten Personen festgelegte ZFI-Richtwert ist im Jahr 2010 mit rund 50‘800 Personen überschritten worden (2009: rund 46'800).
Der ZFI-Monitoringwert, der alljährlich zu erheben ist, weist die tatsächliche Anzahl der vom Fluglärm am Tag stark belästigten und in der Nacht stark gestörten Personen aus.
Ermittelt wird der ZFI mittels einer mathematischen Formel. Dabei werden die Bevölkerungszahl, die Zahl der Flugbewegungen, der Flottenmix, die Dauer der Nachtsperre sowie die An- und Abflugrouten berücksichtigt. Die Berechnungen werden durch die Empa in Dübendorf durchgeführt.
Erstellt: 15.12.2011, 10:04 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
35 Kommentare
Eigentlich müsste die Eidgenossenschaft ja dem Kanton eine risiege Abfindung bezahlen oder zumindest einen Riesenrabatt für den Finanzausgleich gewähren. Denn die ganze Schweiz profitiert vom Flughafen, aber praktisch nur der Kanton Zürich hat dessen Lasten zu tragen. Antworten
Zugenommen hat sicher auch die Zahl der Nachruhe Opfer durch Masslos ausgedehnte Restaurant und Beizenbetrieb bis in die frühen Morgenstunden. Völlig wurscht ob da noch andere in der nähe sind die schlafen müssen um am anderen Tag wieder arbeiten zu können. Aber Hauptsache man versteht unter persönlicher Freiheit das machen zu können was man gerade will und die anderen sehen sollen wo sie bleiben. Antworten
Warum nicht? Der ZFI wurde auch bei einer Abstimmung eingeführt. Und darin sind klare Messgrössen enthalten. Daran muss man sich nun halten.
Na ja, genau deshalb wohne ich ja nicht in Dubai oder so, sondern hier. Und ich werde alles daran setzen, dass man mir das "Paradies" hier nicht kapputtmacht, nur wegen ein paar Profitgierigen Flughafenfetischisten!
es werden kaum Massnahmen ergriffen. Stocker ist ja im VR der Flughafen AG. Es wird auf Zeit gespielt, der Flughafen hat eine Strategie für die nächsten 50 Jahre. Die Leute werden einfach auf den Lärm konditioniert. Wirtschaft geht vor, auch wenn die Umwelt dabei zugrunde geht. Ist leider so, kaum aufzuhalten.
so ist es, denn das ist meine Wohnung und ich fühle mich überhaupt nicht gestört, im Gegenteil, ich liebe es, hier zu wohnen!!!
Wie meinen Sie das? Ja, es wurden neue illegale Flugschneisen eingerichtet. Das Haus wurde wohl gebaut, weil man dachte, man zieht in eine Gegend ohne Fluglärm.
Die Mehrheit der Laermopfer kamen nach dem Flughafen in diese Region zu wohnen. Noch heute gibts guestigere Wohnung, wie heute im TAGI zu lesen, 2 Monate Gratis wohnen in Kloten fuer eine Miete. Die Menschen die in diese Region wohnen gehen, haben billigeren Wohnraum und wissen um den Laerm. Es gibt Menschen, die nachher sofort in eine Protestorganisation beitreten, wenn sie ihre Wohnung beziehen. Antworten
Die unrechtmässig eingeführte Flugschneise Süd wird vom ZFI kaum erfasst. Gemäss Richtplan, welcher auch noch heute eigentlich gültig wäre, war in den Gemeinden Stäfa, Männedorf, Uetikon, Egg, Maur usw. nicht mit Fluglärm zu rechnen. Daher zählt das Argument nicht, dass viele selber schuld sind, wenn man "in die Nähe" des Flughafens zieht. Und soooo nah sind ja deise Gemeinden auch nicht..... Antworten
@Mettler
Ich gebe Ihnen Recht, Lärmempfinden ist sicher subjektiv. Es kann sich aber auch verändern. Je mehr man sich daran stört, je eher hört man den Lärm umso mehr stört es einen. Den tropfenden Wasserhahn (rauschender Bach) oder den rauschenden Heizkörper stört auch nur wenn man sich darauf versteifft.
Uetikon ist sicher immer noch ein schöner Ort zum Wohnen
@Zagar
ich wohne in Uetikon. Vorher hatten wir ausser dem Rauschen vom Bach keinen Lärm. Das war auch der Grund, warum wir dorthin zogen. Lärmempfinden ist immer relativ. Uns stört nun der Fluglärm gewaltig. Falls Sie an einer lärmigen Strasse aufgewachsen sind, dann sind sie Lärm gewohnt und es stört ev. nicht.
Aber so schlimm ist der Fluglärm in diesen Gemeinden wohl auch nicht.
Da kann ich nur recht geben! Wer in Rümlang baute oder eine Whg kaufte, wusste auf was er sich da einliess, aber in der Südanflugachse wurden die Menschen einfach nach strich und Faden verar++++.
Das Bild "SWISS Maschine über neuem Wohnhaus" zeigt deutlich wie abstrus die Fluglärm-Diskussion eigentlich ist > denn nirgends boomt(e) der Wohnungsbau so stark wie um den Flughafen! Eine Groteske ohne Beispiel! Warum wohl? Billiges Bauland! ALLE seit zirka 1950 Hinzugezogenen wussten über den Fluglärm + wählten trotzdem die Flughafengegend! Nun soll's der Flughafen ausbaden---surreale Story!!!! Antworten
Ich muss zum meinem obigen Kommentar folgendes hinzufügen > Ich verbrachte meine Kindheit in Glattbrugg! Die damaligen Propeller-Flugzeuge hatten einen flacheren Steigungsgrad und donnerten jeweils direkt über unser Haus---manchmal vibrierten die Scheiben, das Badewasser kräuselte sich durch die Schallwellen etc...... ABER das wurde akzeptiert, denn man wohnte ja hier mit dem Wissen um den Lärm!!!
Ich wohne direkt an einer Flugschneise, wo Landungen jeden Abend stattfinden.
Als ich hierhin zog, wusste ich darüber Bescheid. Tatsache ist: weder mich, noch Familie, noch die Nachbarn stören die Flugzeuge. Ganz im Gegenteil! Ich würde es begrüssen wenn die Piste noch mehr beflogen werden würde, was hoffentlich bald der Fall sein wird! Die jämmerlichen Fluglärmgegner sollen wegziehen!
Antworten
dazu hat das stimmvolk eine klare antwort gegeben. wer gegen den flughafen meckert, soll nie fliegen und keine produkte aus dem ausland kaufen. interessant vor allem, wieviele "schneiser" ihre häuser billig gekauft haben, durch ihr lärmgestänkere den flughafen abwürgen wollen, um dann von der wertsteigerung ihrer liegenschaften zu profitieren.
Was ich als Nicht-Zürcher (Basler) nicht ganz verstehe: Einerseits kannte man das Fluglärmproblem schon vor 20 Jahren. Andererseits hat man trotzdem in den letzten 20 Jahren die Flugschneisen vollgebaut. Wie kann man diese Vorgehen verstehen?? Antworten
Es gibt kein klareres Zeichen dafür, dass Fluglärm kein Problem ist, als dass die Bevölkerung rund um den Flughafen zugenommen hat. Jetzt könnte man einwenden, dass nur Arme Menschen dorthin gezogen sind, weil sie sonst nirgends bezahlbaren Wohnraum finden. Stimmt aber auch nicht, Leute quer durch alle Schichten ziehen in die Flughafenregeion.
man hat aber auch die sogen. “Flugschneisen“ erweitert: es werden inzwischen Gegenden beschallt, die vor 20 Jahren kaum je ein Flugzeug hörten -
Bsp.: Oberes Tösstal - das jetzt Nachtfluglärm “geniesst” und, wenn die kürzlich bewilligten Ausbaupläne durchschlagen, rund um die Uhr und im Landeanflüge überflogen wird. Ohne Kompensation what so ever. Wer ist da wohin gezogen?
Auch viele Zürcher verstehen es nicht. Da haben sich welche zu günstigen Kondition Boden gekauft und ein Haus gebaut und nun jammern sie wegen dem Fluglärm.
Das ist absolut gar nicht zu verstehen Herr Landolt, wie so vieles in unserem Ländle nicht mehr zu verstehen ist.
Wieviele Haeuser wurden nach Erstellung des Flughafens rund um denselben Gebaut?? Billiges Land Erwerben und dann Meckern ist doch gut so , wenn man dann noch Geld bekommt. Die Meckerer müssten von mir aus in Kloten gar nicht Eingechekt werden , sondern alle auf Ihre Kosten in Düsseldorf oder Hamburg , dann mal sehen was günstiger wäre. Lärm oder Mehrausgaben!!!!!!! Lärmabschieber!!!!!! Antworten
Das ist eben typisch schweizerisch, man will überall hinfliegen, aber ja keinen Flughafen. Man will eben profitieren vom billigen Land, und dann aber auch gleich wieder jammern wegen dem Lärm. Ich kann es nicht mehr hören. Jeder der nach 1980 rund um den Flughafen gebaut hat, sollte nicht entschädigt werden, oder waren die Leute blind und haben den Flughafen nicht gesehen... :-)?
Achtung genau hinschauen: die neu eingeführte Nachtflugsperre zum Schutz der Bevölkerung wurde im Sommer 2010 eingeführt und schlägt jetzt noch nicht voll durch. Die nachts belärmten Personen wird somit nächstes Jahr wieder abnehmen. Antworten
Genau richtig bemerkt - zudem werden Flugzeuge immer leiser z.B. der Ersatz der Jumbolino-Flotte der Swiss ab 2014 (50% leiser) - Die Lärmmenge ist massgebend, nicht die Anzahl Flugbewegungen!
Zürich
Umfrage
717 Parkplätze wurden in der Stadt oberirdisch abgebaut. Ist die städtische Politik hierzu richtig?

Bitte warten

Angemeldet mit Facebook