Zürich
Zürcher Antarktis-Segler gibt auf
Von Eduard Gautschi. Aktualisiert am 29.12.2009 5 Kommentare
Zurück in Kapstadt: Markus Weissenberger mit zerrissenem Segel. (Bild: PD)
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Stürmisches Südpolarmeer
Die Schale von Markus Weissenbergers Schiff Nina Soraya ist aus Aluminium. Er hat sie in Russland gekauft und selber ausgebaut. Den 18 Meter langen und 5 Meter breiten Zweimaster hat er nach Kapstadt gesegelt, um von dort die Antarktis zu umrunden. Ein erster Versuch scheiterte 2008, weil der Grossbaum brach. Weissenbergers Route um den Südpol führt entlang des 60. Breitengrads und misst rund 26'000 Kilometer. Einen südlicheren Kurs will Weissenberger wegen der Eisberge nicht segeln. Seine Reise führt fast ausnahmslos durch ein Gebiet, in dem sich Sturmtief an Sturmtief reiht, die von Westen nach Osten ziehen, also in die Richtung, in der Weissenberger segeln will. (gau)
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Markus Weissenberger hatte d a s grosse Abenteuer geplant. Der Zürcher Oberländer Segler wollte die Antarktis umrunden, alleine und ohne Zwischenhalt. Laut seinen Berechnungen würde er 100 Tage benötigen, um die 26'000 Kilometer rund um den Südpol zurückzulegen.
Am 1. Dezember um 7 Uhr hatte Weissenberger in Kapstadt den Anker gelichtet und segelte los. Die Reise war kurz. 15 Stunden später lag sein Boot wieder im Hafen von Kapstadt. Die Unterkonstruktion des Steuerzylinders war gebrochen. Sie hatte den Kräften, die bei über 70 km/h Wind und 5 Meter hohen Wellen auf Schiff und Ruder wirkten, nicht standgehalten.
Weissenbergers Einhand-Antarktis-Umrundung hatte ein schnelles Ende gefunden – vorläufig. Der Schaden wurde behoben; am 7. Dezember stach der Bootsbauer mit seiner Nina Soraya, einem 18 Meter langen Zweimaster, erneut in See. Nach 649 Seemeilen, also nach 1200 Kilometern, musste Weissenberger am siebten Tag seiner Reise erneut die Segel streichen. Diesmal im wahrsten Sinne des Wortes.
Ein Orkan tobt im Eismeer
Mitten in der Nacht geriet er in einen heftigen Sturm. Das Schlagen seiner Segel hatte ihn geweckt und an Deck getrieben. Der Wind hatte gedreht. Weissenberger verkleinert das Vorsegel und wartet ab. Ein halbe Stunde später bricht der Sturm richtig los. Laut Windmesser bläst es mit 75 km/h. Weissenberger startet zur Unterstützung der Segel den Motor und verkleinert bei ständig drehenden Winden das Grosssegel – auf dem wild schaukelnden Schiff ist das Knochenarbeit. Nach einer Weile gelingt es ihm, das Segel am hinteren Mast beinahe ganz zu streichen. Einen kleinen Teil lässt er stehen, damit nach wie vor etwas Druck erzeugt wird und das Boot einigermassen ausgeglichen auf dem Ruder liegt.
Als Weissenberger die Decksbeleuchtung einschaltet, erkennt er erst das Desaster. Der Wind hat nochmals zugelegt, er fegt nun mit über 110 km/h übers Deck. In den Böenspitzen erreicht er 130 km/h. «Der Wind hat sehr schnell stark aufgefrischt, der Krach war ohrenbetäubend», erzählt Weissenberger. So etwas habe er noch nie erlebt. Weissenberger ist kein Anfänger; der 32-Jährige hat auf seinem Schiff schon gröbere Stürme erlebt.
Rückweg als einziger Ausweg
Weissenberger lässt das Grosssegel herunter. Ein kleiner Teil bleibt am Mast stehen und schlägt im Wind wild hin und her. Dabei gehen Mastrutscher in die Brüche – die Verbindungen zwischen Mast und Segel. Das Segel ist nicht mehr zu gebrauchen. Weissenberger nimmt es ganz herunter. Die Nina Soraya macht mit dem verkleinerten Vorsegel immer noch 12 Knoten Fahrt, pflügt mit über 20 km/h durchs eiskalte Wasser.
Als der Wind am nächsten Tag leicht abflaut, will Weissenberger die Vorsegelfläche wieder etwas vergrössern. Er braucht mehr Druck auf den Bug des Schiffes, da die Wellen immer grösser werden. Bei diesem Manöver reisst die hintere Naht im oberen Bereich des Segels. Weissenberger rollt das Segel daraufhin wieder so weit ein, bis nur noch ein kleines intaktes Stück Tuch im Wind steht. So segelt er weiter. Die Wellen sind gemäss Einschätzung Weissenbergers bis zu 8 Meter hoch. Immer wieder wird sein Boot von Wellenkämmen überspült; das Cockpit steht mehrmals knietief unter Wasser. Erst gegen Abend lässt der Sturm nach, die Wellen sind immer noch 5 Meter hoch, und der Wind pfeift konstant mit Windstärke 7 durchs Rigg. Weissenberger zieht Bilanz – sie ist ernüchternd: 5 Mastrutscher des Grosssegels sind gebrochen, das Vorsegel hängt in Fetzen von der Rollanlage. An eine Reparatur ist nicht zu denken. Da er aus Kostengründen keinen zweiten Segelsatz dabeihat, bleibt ihm nur ein Ausweg: zurück nach Kapstadt. Neun Tage nach dem Start zu seinem Abenteuer ist Weissenberger wieder am Ausgangspunkt seiner Reise. Dass er in der Zeit, die ihm vor dem Wintereinbruch für die Umrundung der Antarktis zur Verfügung steht, nochmals einen Versuch unternehmen kann, schliesst er aus. Das Vorsegel lässt sich nicht mehr reparieren, und das Geld für ein neues fehlt. Zudem würde ein neues Segel nicht innert nützlicher Frist, sondern frühestens im Februar zur Verfügung stehen. Und das wäre zu spät.
Markus Weissenberger sagt, für ihn sei eine Welt zusammengebrochen. Er will nun sein Schiff in Kapstadt einwintern und im Januar zurück in die Schweiz fliegen. Und dann? «Dann werde ich weiter für mein Ziel kämpfen.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 29.12.2009, 04:00 Uhr
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5 Kommentare
Es ist gut für Markus Weissenbergers Leben, daß die Reise vorbei ist. Seine Berechnungen, in 100 Tagen den Südpol zu umrunden sind unrealistisch, genauso wie die Planung seiner Steuerzylinder, die bereits nach wenigen Stunden brechen. Und 60 Knoten Wind sind in diesem Revier kein Desaster, sondern eher täglich Brot. Ansonsten empfehle ich Segeln auf der barfuß Route entlang des Passats. Antworten
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