Zürcher Richter verbietet Veröffentlichung von Sepp-Blatter-Karikaturen

Die Karikaturen «The Platter Cartoons» dürfen vorderhand nicht publiziert werden. Das hat das Bezirksgericht Zürich entschieden. Beim Zeichner handelt es sich um einen dänischen Trainer, der in Luzern lebt.

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Fifa-Chef Sepp Blatter feiert einen Erfolg vor dem Zürcher Bezirksgericht: Der Einzelrichter verbietet die Veröffentlichung von «The Platter Cartoons». Dabei handelt es sich um Karikaturen von Olé Andersen, einem dänischen Zeichner und Fussballtrainer, der im Kanton Luzern lebt. Laut dem Einzelrichter sind die Zeichungen geeignet, die berufliche und gesellschaftliche Ehre von Blatter und die Reputation der Fifa «empfindlich» herabzusetzen. Die Publikation beinhalte eine «Aneinanderreihung unnötig herabwürdigender Darstellungen». Dabei stünden «nicht der ästhetisch-künstlerische Aspekt, sondern rein egoistische Motive des Zeichners im Vordergrund». Dieser dürfe sich deshalb nicht auf die Kunstfreiheit berufen. Laut dem Richter greifen die Zeichnungen Blatter auch auf der privaten Ebene an und bringen ihn und die Fifa mit rassistischem Gedankengut in Verbindung.

Der Richter verbietet dem Zeichner, die Karikaturen zu veröffentlichen. Sollte dieser sich nicht daran halten, droht ihm eine Busse bis 10'000 Franken.

Zeichner kämpft vor Gericht weiter

Der Entscheid des Richters ist eine superprovisorische Verfügung. Sie wird ohne Anhörung der Gegenpartei erlassen. Es genügt, dass die Gesuchsteller glaubhaft machen können, dass ihnen eine Verletzung mit einem nicht leicht wiedergutzumachenden Nachteil droht. Die Parteien werden demnächst zu einer Gerichtsverhandlung vorgeladen. Zeichner Andersen kann aber schon vorher Einwendungen gegen die Verfügung vorbringen. Da das Verfahren noch läuft, will sich die Fifa nicht dazu äussern.

Olé Andersen will für die Veröffentlichung seiner Zeichnungen kämpfen. Es handle sich um ein Buch, das die Geschichte eines Doppelgängers von Sepp Blatter schildere, der Platter heisse. «Ich finde, ich habe lustige Zeichnungen gemacht», sagt Andersen. Er hatte sein Werk an Blatter und andere Exponenten der Fifa geschickt. Der Weltfussballverband wollte Andersen danach dazu bewegen, eine Erklärung zu unterschreiben, dass er auf eine Veröffentlichung verzichtet. Andersen lehnte ab, Blatter und die Fifa gingen vor Gericht.

Der TA konnte einige der Cartoons sehen. Auf ihnen ist immer der Blatter-Doppelgänger Platter zu sehen. Zum Beispiel als Blinder, der Säcke voller Geld in einer Schubkarre wegfährt und ein T-Shirt mit der Aufschrift Fairplay trägt. Einmal sieht man Platter, wie er geifernd den Spielerinnen der U-17-Weltmeisterschaft der Frauen nachschaut und sie sich in Trikots mit tiefen Ausschnitt und extrem kurzen Hosen vorstellt. Darunter steht: «Frauenfussball, betrachtet mit den Augen eines kleinen Mannes».

Trainer in Baden, Luzern und auf den Faröern

Der 74-jährige Däne Andersen gilt vor allem in der Innerschweiz als Fussballtrainerlegende. In die Schweiz kam er als Spieler des FC Baden. Danach war er als Trainer bei den Kickers Luzern, in Brunnen, beim SC Zug, in Buochs, beim FC Sursee und wieder in Baden tätig. Als über 60-Jähriger war er vier Jahre lang in der obersten Liga der Faröer-Inseln tätig. Danach kehrte er in die Schweiz zurück. Bis vor kurzem trainierte er die zweite Mannschaft des FC Sursee.

Neben seinem Traineramt war Andersen immer auch als Zeichner und Grafiker tätig. Laut eigenen Angaben war er in bis in die 90er-Jahre hinein gut mit Sepp Blatter befreundet und führte mehrere Auftragsarbeiten für die Fifa aus. Vor der WM 1994 in den USA sei der Kontakt zu Blatter aber abgebrochen. Erst vor zwei Jahren hätten sie sich wiedergesehen.

Der Entscheid des Bezirksgerichts wurde bereits am 26. November gefällt. Veröffentlicht hat ihn der Journalist Andrew Jennings heute auf Twitter. Jennings gilt als renommierter Kritiker von Blatter und der Fifa. Er hat in mehreren Büchern und Artikeln Korruptionsvorwürfe gegen sie erhoben. Gegen sein Buch «Foul» hatte die Fifa 2006 zuerst ebenfalls vor einem Zürcher Gericht ein provisorisches Verbot erwirkt. Die Fifa zog das Gesuch aber zurück, nachdem Jennings Anwalt Einsprache erhoben hatte. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 13.12.2013, 15:12 Uhr)

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