Zürcher Wirte wollen Rauchverbot hinauszögern
Von Stefan Häne. Aktualisiert am 08.01.2010 234 Kommentare
Rauchverbot in Zürich: Der 1. Mai ist den Wirten zu kurzfristig. (Bild: Keystone)
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Darf man in Fumoirs tanzen?
Ja, wir machen etwas, sagt Jürg Burckhardt, und meint damit ein Fumoir. Nur: wie genau? Und: Darf man in Fumoirs tanzen? Das sind Fragen, die sich dem Chef des Klubs beim Limmatplatz seit gestern konkret stellen. Zwar sei jetzt – und Burckhardt ist froh darüber – vieles klar, aber halt noch immer nicht alles.
Fachleute sind gefragt. Von einem Anwalt spricht Felix Lenz, der im Niederdorf das Kontiki und die Züri Bar besitzt. Auch er studiert, wenn auch etwas widerwilliger, an einem Fumoir herum. Im ersten Stock, im hinteren Teil des Kontiki? Oder in der Züri Bar? Doch lässt sich die Züri Bar, die zwar direkt mit dem Kontiki verbunden ist, überhaupt zu diesem rechnen?
Seit gestern rauchen in Zürich die Köpfe. Die der Raucher, die sich in einem ersten Protest überlegen, ob Ausgang für sie so noch Sinn macht. Um sich dann zu sorgen, was mit ihrem Platz an der Bar passiert, wenn sie für eine Zigarette nach draussen müssen.
Und es rauchen die Köpfe der Wirte, Bar- und Nachtklubbetreiber. Bei den Betreibern der Total Bar im Kreis 4 geht es dabei nicht um Fumoir oder nicht, denn für ein grosses sei die Bar zu klein und eine Telefonkabine bringe es auch nicht. Doch was wird passieren, wenn ab Mai alle draussen rauchen? Denn eines scheint klar, um es neutral zu formulieren: Ein einziger lärmsensitiver Anwohner genügt, und Probleme mit der Polizei sind programmiert.
Ein Problem, das sich auch anderswo zeigen wird. Denn ein Nein zum Fumoir hat man bereits letztes Jahr im Si o No, im Xenix und – trotz der Grösse des Lokals – im Volkshaus erklärt. Und wenn wir beim Kein-Sagen sind: Kein Raucherabteil wird es im Odeon und wohl auch in der Bodega geben. Im Odeon, weil der Platz fehlt, und in der Bodega, weil Eingriffe in die alten Räume einfach schade seien.
Eher nach pro Fumoir sieht es in der Klubszene aus: Im Abart hat man Pläne, im Kaufleuten für den Klub eine Bewilligung beantragt, und in der Zukunft sieht man die Bar 3000 als künftiges Raucherabteil. Apropos: Dasjenige der Kronenhalle wird (TA vom 2. 10. 2009) in einem Sitzungszimmer liegen. Stolze Besitzer eines solchen Abteils sind hingegen bereits seit Jahren das Greulich und seit kurzem die kleine Meyer’s Bar beim Lochergut. Für das Wohl der Raucher hat man dort die Küche geopfert. (reu)
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Der Zürcher Regierungsrat hat gestern dargelegt, wie er das Rauchverbot in Gastrobetrieben umsetzen will. Die Regelung tritt am 1. Mai gleichzeitig mit dem Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen in Kraft. Betroffen sind Restaurants, Bars, Discos, Nachtclubs und Besenbeizen. Eine Übergangsfrist ist weder auf Kantons- noch auf Bundesebene vorgesehen.
Bei den Zürcher Wirten sorgt dieses «allzu forsche» Tempo für rauchende Köpfe. Sie halten es für «schlicht unmöglich», in der gegebenen Zeit ein Fumoir zu realisieren – was die Behörden in der Stadt Zürich bestreiten. Ernst Bachmann, Vizepräsident von Gastro Suisse, will nun bei Bundesrat Didier Burkhalter (FDP) vorstellig werden. Vom Gesundheitsminister erhofft er sich ein Entgegenkommen in Form einer «kulanten Übergangsfrist».
Lungenliga: Wirte selber schuld
Erfreut zeigt sich hingegen die Lungenliga Zürich. Das Zürcher Stimmvolk habe im Herbst 2008 das Rauchverbot beschlossen. Damit hätten die Wirte mehr als genügend Zeit gehabt, sich vorzubereiten. Die Lungenliga stört die Möglichkeit, bediente Fumoirs einzurichten. «Diese Regelung lässt die Mitarbeitenden während der ganzen Arbeitszeit weiterhin Rauch einatmen, was ihre Gesundheit nachweislich beeinträchtigt», warnt Präsident Otto Brändli.
Die Lungenliga hofft auf die im Mai 2009 lancierte nationale Volksinitiative zum Schutz vor Passivrauchen, die diesen «Mangel» beseitigen soll. Sie sieht für die ganze Schweiz eine einheitliche Regelung ohne Raucherrestaurants und ohne Bedienung in den Fumoirs vor.
Offen ist, wie rigoros die Gemeinden und Städte das Verbot durchsetzen werden. In der Stadt Zürich etwa wird die Polizei bloss auf Anzeige hin ausrücken oder fehlbare Wirte im Rahmen von Betriebskontrollen durch die Gewerbepolizei verzeigen. Ein gezieltes Aufspüren von fehlbaren Beizern ist laut einem Sprecher der Stadtpolizei nicht geplant. Wer ab 1. Mai in einem Lokal beim Rauchen erwischt wird, erhält eine Busse bis zu 80 Franken. Bis maximal 1000 Franken zahlen müssen Wirte bei happigeren Vergehen, etwa wenn ihr Fumoir den gesetzlichen Anforderungen nicht genügt. Im Extremfall droht dem Wirt der Entzug des Patents. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 08.01.2010, 08:22 Uhr
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234 Kommentare
die übergangsfrist war lange genug. Zudem stellen die bedienten Fumoirs schon eine massive verwässerung der angenommenen Volksinitiative dar, bei der es grundsätzlich um den Mitarbeiterschutz ging. Welcher Mitarbeiter der auf das Geld angewiesen ist, wird zur bedinung von Fumoirs nein sagen?!? wir leben nicht mehr in einer Zeit der Vollbeschäftigung! Antworten


































