Zürich: «Keine baldige Entspannung auf Wohnungsmarkt»

Der Mieterverband befürchtet wegen der hohen Mietzinse eine «Yuppiesierung» von Zürich. Diese These einer Entmischung sei gewagt, sagt ein Immobilien-Berater.

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Herr Schnorf, laut dem Mieterverband droht eine soziale Entmischung in der City. Stimmt das?

Die hohen Mietzinse in der Innenstadt sind kein neues Phänomen, sie sind vergleichbar mit der Situation Anfang 2002. Die Angebotsquote, also das Verhältnis zwischen den angebotenen Wohnungen und dem Mietwohnungsbestand, lag damals bei rund zwei Prozent auf einem ähnlich tiefen Niveau wie heute. Inzwischen haben die durchschnittlichen Mieten im Angebot um über 20 Prozent zugelegt. Diese Entwicklung lief im Gleichschritt mit der Teuerung der Mietwohnungen im Schweizer Schnitt. Eine Vierzimmerwohnung in Zürich, die damals für 2500 Franken pro Monat angeboten wurde, kostet heute 3000 Franken. Mit dem Anstieg der Preise hat sich auch die Struktur der Nachfrage gewandelt. Die City war schon immer ein Spezialmarkt. Die These einer «Entmischung» oder «Yuppiesierung» scheint angesichts einer breit gestreuten Nachfrage gewagt.

Der Hauseigentümerverband bestreitet den tiefen Leerwohnungsbestand und findet, dass der Markt noch funktioniert. Ist das wirklich der Fall?

Die einmal jährlich gemessene Leerstandsziffer ist nicht unproblematisch zur Einschätzung der Liquidität. Das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage funktioniert heute deutlich effizienter als vor zehn Jahren. Gerade in angespannten Märkten wie Zürich werden viele Wohnungen gar nie öffentlich angeboten, sondern wechseln unter der Hand. Laufende Beobachtungen zur Zahl der Mieterwechsel zeigen: Ein Einbruch der Fluktuation auf den Mietwohnungsmärkten in Zürich ist nicht feststellbar.

Wie bewerten Sie die Situation: Ist der tiefe Leerwohnungsbestand nur ein vorübergehendes Phänomen?

Die Entwicklung des Leerwohnungsbestandes hängt von mehreren Einflussgrössen ab. Einerseits wird der Markt durch die anhaltend hohe Bautätigkeit laufend mit neuen Wohnungen gespeist. Auf der anderen Seite scheint die Nachfrage durch die ungebrochen starke Zuwanderung robust. Ausserdem spielt die Marktentwicklung im räumlichen und wirtschaftlichen Umfeld eine grosse Rolle. Die Entwicklung der Nachfrage in Zürich scheint trotz getrübter Wirtschaftentwicklung nachhaltig zu sein. Eine baldige Entspannung auf dem Zürcher Mietwohnungsmarkt erscheint eher unwahrscheinlich. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.08.2008, 13:36 Uhr

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