Zürich
«Zürich ist für Piloten unberechenbarer als Amsterdam»
Von Jvo Cukas. Aktualisiert am 05.01.2012 38 Kommentare
«Bei Lothar wurde ich durchgeschüttelt»: Christoph Zogg, Pilot bei Edelweiss Air. (Bild: zvg)
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Gleich mehrere Flugzeuge haben heute Morgen ihren Landeanflug auf Zürich abgebrochen und sind auf Mailand, München oder Stuttgart ausgewichen. Was muss passieren, damit sich ein Pilot dazu entscheidet?
Jedes Flugzeug hat Limiten, welche maximale Windgeschwindigkeit herrschen darf, damit eine Landung möglich ist. Dabei ist Gegenwind meist kein Problem. Seiten- oder Rückenwind hingegen schon.
Weshalb nur Seiten- und Rückenwind?
Grundsätzlich müssen wir beim Landen auf zwei Dinge achten: Einerseits darf die Geschwindigkeit des Flugzeugs nicht zu hoch sein. Andererseits muss man die Landebahn innerhalb eines bestimmten Winkels und auf der Mittellinie anfliegen, um stabil darauf aufsetzen zu können. Bei Rückenwind hat man das Problem, dass die Geschwindigkeit des Flugzeugs stark zunimmt. Bei Seitenwind wird es schwierig, den Anflugwinkel einzuhalten und die Mitte der Piste zu treffen. Zudem kann es bei Windwirbeln auch zu Turbulenzen kommen, die das Steuern des Flugzeugs massiv erschweren. Bei Gegenwind wird das Flugzeug meist nur verlangsamt, was erst bei sehr hohen Windgeschwindigkeiten problematisch werden kann.
Ab welchen Windgeschwindigkeiten wird eine Landung heikel?
Das ist sehr unterschiedlich. Bei Seitenwind wird es ab ungefähr 60 Stundenkilometern schwierig. Bei Gegenwind kann man bei bis zu 100 Stundenkilometern noch eine Landung durchführen. Es kommt aber auch sehr auf die Beschaffenheit des Geländes rund um den Flughafen an.
Wie meinen Sie das?
In Amsterdam zum Beispiel ist das Gelände sehr flach. Dort führen auch höhere Windgeschwindigkeiten seltener zu Turbulenzen. In Zürich sieht dies anders aus: Der Wind wird durch die vielen Hügel verwirbelt und unberechenbarer. Durch die Wirbel entstehen schon bei geringeren Windgeschwindigkeiten starke Turbulenzen.
Oft werden Landeanflüge ja kurz vor dem Aufsetzen auf der Piste abgebrochen. Merkt man denn nicht vorher, wie stark die Winde sind?
Natürlich haben Sie Anzeigen im Flugzeug selbst und auch der Tower gibt Ihnen klare Informationen zu den Windverhältnissen auf Ihrer Landebahn. Oft liegen diese aber im Rahmen der vorgegebenen Limiten, und wenn man sich der Landebahn nähert, merkt man, dass Wirbel die Steuerung schwerfällig machen oder der Flieger hin und her wackelt. Dann entscheidet man sich zum Durchstarten.
Haben Sie im Zusammenhang mit starken Winden schon heikle Situationen erlebt?
Als 1998 der Sturm Lothar über die Schweiz fegte, hatte ich Dienst. Zum Glück musste ich aber erst landen, als er bereits etwas abgeschwächt war. Durchgeschüttelt hat es uns dennoch ziemlich. Aber heikel wurde die Situation nie. Man kann immer durchstarten, wenn eine Landung schwierig ist. Dies ist eine sehr sichere Methode, auch wenn die Maschine mit den Rädern bereits aufgesetzt hat. Allerdings nur bevor man bremst.
Wie denken Sie, sieht die Situation heute am Flughafen Zürich aus?
Es werden Böenspitzen um die 100 Stundenkilometer erwartet. Das kann für Landungen und in geringerem Masse auch für Starts schwierig werden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.01.2012, 11:50 Uhr
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38 Kommentare
Bravo, klare, saubere Erklärung eines Profis. Was wir als Stimmberechtigte im Kt. Zürich für die Sicherheit beitragen können und müssen, ist dem Flughafen die Möglichkeit zu geben, sein Pistensystem so auszubauen, dass Landungen auch bei wiederlichen Wetterverhältnissen möglich sind. Wir alle sind mehr oder weniger mit dem Flieger unterwegs und die Sicherheit muss oberste Priorität haben. Antworten
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