Zürich produziert Heilpädagogen am Fliessband

Bis in drei Jahren muss jeder Schüler im Kanton Zürich auch von einem Heilpädagogen betreut werden. Rund 900 Fachkräfte braucht es dafür. Kleine Gemeinden stehen deshalb vor einem Problem.

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Für rund einen Drittel der Schüler im Kanton Zürich beginnt das Schuljahr mit einer Umstellung. Ein Teil des Unterrichts wird künftig von einem schulischen Heilpädagogen begleitet. Diese Regelung wurde im neuen Volksschulgesetz festgelegt, über das 2005 abgestimmt wurde. Pro 200 Primarschüler muss jede Schule des Kantons Zürich einen Heilpädagogen einstellen. Zehn der über 300 zu besetzenden Stellen für Heilpädagogen sind derzeit noch unbesetzt.

Kleine Schulen haben Probleme

Vor allem kleine Schulen mit wenig Schülern haben Schwierigkeiten, Heilpädagogen zu finden. Erstens können sie dieser Person keinen Vollzeitstelle anbieten, wenn sie nicht über 200 Schüler verfügen. Zweitens sind kleine Schulen häufig abgelegen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht erreichbar und nicht unbedingt die attraktivsten Arbeitgeber. Und drittens wollen einige Heilpädagogen, welche bis anhin eine eigene Kleinklasse betreut haben, nicht nach dem integrativen Ansatz arbeiten und ganze Schulklassen betreuen.

Die Gemeinden greifen zu unterschiedlichen Massnahmen, um das Problem zu lösen. In Dättlikon etwa konnte der Schulleiter Ueli Schwab eine bisherige Lehrerin dazu verpflichten, die Ausbildung berufsbegleitend zu absolvieren. Andere Gemeinde taten sich dagegen schwerer mit der Einstellung. In einem konkreten Fall stellte sich erst nach Stellenantritt und Ausbildungsbeginn der Heilpädagogin heraus, dass sie den Anforderungen von Beruf, Familie und Studium nicht gewachsen war. Sie musste die Ausbildung abbrechen.

Kanton benötigt 900 Heilpädagogen

Gemäss Schätzung von Urs Meier, Projektleiter der Umsetzung des Neuen Volksschulgesetzes, benötigt der Kanton Zürich bis in drei Jahren 900 Heilpädagogen, von denen viele Teilzeit arbeiten. Zur Zeit sind rund 400 fertig ausgebildet, 200 weitere befinden sich in Ausbildung. Doch obwohl einzelne Gemeinden bei der Rekrutierung der Heilpädagogen Schwierigkeiten haben, befürchtet Urs Meier keinen Mangel an Heilpädagogen: «In diesem Sommer wird es keine Engpässe geben.» Viele Gemeinden hätten bereits eine entsprechende Lehrkraft, denn auch bisher mussten verhaltensauffällige Schüler von Spezialisten betreut werden. In Vergangenheit geschah dies einfach in Kleinklassen.

Ausbildung stark ausgebaut

Ausserdem hat der Kanton die Ausbildung von Heilpädagogen stark ausgebaut. Gegenwärtig lässt er laut Meier seit 2005 pro Jahr 65 Fachkräfte an der Hochschule für Heilpädagogik (HFH) ausbilden – 40 mehr als bisher. Bereits im Januar werden die ersten der zusätzlichen Heilpädagogen ihre Ausbildung abschliessen. Laut Auskunft der HFH ist das Interesse an der Ausbildung ungebrochen. Obwohl die Anzahl der Zürcher Studienplätze in den letzten vier Jahren verdoppelt wurde, müssen noch immer Interessierte abgewiesen werden.

Zudem dürfen Schulen auch Lehrer als Heilpädagogen einstellen, die mit der Ausbildung erst begonnen haben. Gemäss Meier empfiehlt die Bildungsdirektion, dass die Studenten ihre Stelle erst ab dem zweiten Ausbildungsjahr antreten, tatsächlich dürfen sie dies aber schon von Beginn an. Es lässt sich also sagen, dass die Massnahmen greifen - allerdings ohne das Problem ganz zu lösen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.08.2008, 16:21 Uhr

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