Zürich

Zürich und die deutsche Frage

Von Daniel Schneebeli. Aktualisiert am 05.02.2010 28 Kommentare

Grossandrang an der Podiumsdiskussion des «Tages-Anzeigers» im Kaufleutensaal: Die Mehrheit stellten die Einheimischen.

Berstend voller Kaufleuten-Saal in Zürich: Markus Eisenhut, Co-Chefredaktor des «Tages-Anzeigers», führte das Publikum in das Thema ein. (Teil 1 der Video-Aufzeichnung)

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(Teil 2 der Video-Aufzeichnung)

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«Wie deutsch ist Zürich?» Diese Frage hat gestern Abend stark mobilisiert. Der Festsaal im Kaufleuten war bereits eine halbe Stunde vor der Diskussion fast voll. Auch viele Journalisten sind gekommen, auch aus Deutschland.

Auf dem Podium nahmen auf Einladung von Markus Eisenhut, Co-Chefredaktor des «Tages-Anzeigers», fünf Gäste Platz: Klaus J. Stöhlker, Schweizer PR-Berater mit nicht zu überhörenden deutschen Wurzeln; Otfried Jarren, Publizistikprofessor an der Uni Zürich; Roger Liebi, Präsident der Stadtzürcher SVP, dessen Mutter aus Deutschland stammt; Vanessa Matthiebe, Präsidentin des Deutschen Clubs Zürich, verheiratet mit einem Schweizer, sowie Kurt Imhof, Soziologe an der Uni Zürich.

Das SVP-Inserat traf voll ins Schwarze

Als Erstes hatten sich die Zuschauer zu outen. «Wer ist Schweizer, wer ist Deutscher?», wollte Eisenhut wissen. Nicht allen war die Frage angenehm, eine Deutsche blieb demonstrativ sitzen, als die Deutschen aufzustehen hatten: «Ich werde bald eingebürgert.» Eine andere fragte: «Was ist mit den Doppelbürgern?» Dennoch zeigte die Umfrage, dass mehr Schweizer anwesend waren.

Auf dem Podium waren es ebenfalls die Schweizer, die den Ton angaben, auch wenn hochdeutsch gesprochen wurde, was Liebi bedauerte. Seines Erachtens ist die Migration der Deutschen für die meisten Zürcher ein Problem. Es sei in Zürich kaum mehr möglich, eine Wohnung zu finden, die Angst vor den Deutschen sei gross. Das SVP-Inserat zum «deutschen Filz an der Uni» habe voll ins Schwarze getroffen. Hauptgegenredner von Liebi war Kurt Imhof: «Unsinn, Zürich ist nicht zu deutsch.» Für Imhof ist die Schweizer Einwanderungspolitik im Unterschied zu früher erfolgreich, weil heute die gut Gebildeten kämen: «Die Deutschen kosten weniger, als sie hier zahlen.»

Klaus J. Stöhlker übernahm die Rolle des gescheiten Unterhalters. Er erntete immer wieder Lacher und Zwischenapplaus. Seines Erachtens sind die Zürcher Opfer der SVP geworden. In Basel werde die Aversion gegen die Deutschen mit Kopfschütteln wahrgenommen, stellte er fest. Alle drei Schweizer waren sich aber einig: «Die Ängste vor den deutschen Einwanderern sind nicht zu unterschätzen.»

Gegen Pauschalisierungen

Schweizerisch zurückhaltend waren die beiden Deutschen. Vanessa Matthiebe sagte, sie fühle sich in Zürich nach wie vor wohl und bekomme auf der Strasse viele positive Signale. Jarren glaubt, die Unsicherheit der Schweizer rühre daher, dass ihr Land seinen Platz im neuen Europa noch suche – genau wie die meisten anderen Länder auch. Er wehrte sich gegen die Pauschalisierungen: «Es gibt nicht die Deutschen und die Schweizer.» Man müsse sensibler miteinander umgehen, sonst komme es zu ernsthaften Verletzungen.

Als Liebi die Deutschen als obrigkeitshörig bezeichnete, gab es Pfiffe, und Imhof meinte: Es gebe in Deutschland derzeit keine Partei mit einer solchen «Führerhörigkeit» wie die SVP. Imhof warf der SVP auch vor, für eine Barbarisierung der Politik zu sorgen. Liebi konterte, dafür hätten Imhof und andere Uni-Professoren gesorgt mit dem Protestinserat gegen die SVP.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.02.2010, 04:00 Uhr

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28 Kommentare

Saied Rahmani

05.02.2010, 12:01 Uhr
Melden

SVP und viele Zürcher betrachten die Wohnungsnot und die Belastung der Infrastruktur als ein Probleme der deutschen Zuwanderung. Lieber Herr Liebi, was wäre, wenn statt Deutschen so viele Schweizer selbst in die Stadt Zürich gezogen wären? Also es ist ein Problem der Politik, dass die Stadt und Region die wirtschaftliche Entwicklungen mit Zuwachs an Arbeitsplätzen verschlafen hat. Bitte Aufwachen! Antworten


Donald Caprez

05.02.2010, 12:30 Uhr
Melden

Die Deutschen sind nicht unserer Freunde. Warum sollten wir ihre sein? Die politische und Witschaft hat unseren Mittelstand verkauft. Die Linke hat ihn verschenkt. Antworten



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