Zürich

Zürich und die deutsche Frage

Grossandrang an der Podiumsdiskussion des «Tages-Anzeigers» im Kaufleutensaal: Die Mehrheit stellten die Einheimischen.

Berstend voller Kaufleuten-Saal in Zürich: Markus Eisenhut, Co-Chefredaktor des «Tages-Anzeigers», führte das Publikum in das Thema ein. (Teil 1 der Video-Aufzeichnung)

Artikel zum Thema

Deutschen-Debatte


(Teil 2 der Video-Aufzeichnung)

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

«Wie deutsch ist Zürich?» Diese Frage hat gestern Abend stark mobilisiert. Der Festsaal im Kaufleuten war bereits eine halbe Stunde vor der Diskussion fast voll. Auch viele Journalisten sind gekommen, auch aus Deutschland.

Auf dem Podium nahmen auf Einladung von Markus Eisenhut, Co-Chefredaktor des «Tages-Anzeigers», fünf Gäste Platz: Klaus J. Stöhlker, Schweizer PR-Berater mit nicht zu überhörenden deutschen Wurzeln; Otfried Jarren, Publizistikprofessor an der Uni Zürich; Roger Liebi, Präsident der Stadtzürcher SVP, dessen Mutter aus Deutschland stammt; Vanessa Matthiebe, Präsidentin des Deutschen Clubs Zürich, verheiratet mit einem Schweizer, sowie Kurt Imhof, Soziologe an der Uni Zürich.

Das SVP-Inserat traf voll ins Schwarze

Als Erstes hatten sich die Zuschauer zu outen. «Wer ist Schweizer, wer ist Deutscher?», wollte Eisenhut wissen. Nicht allen war die Frage angenehm, eine Deutsche blieb demonstrativ sitzen, als die Deutschen aufzustehen hatten: «Ich werde bald eingebürgert.» Eine andere fragte: «Was ist mit den Doppelbürgern?» Dennoch zeigte die Umfrage, dass mehr Schweizer anwesend waren.

Auf dem Podium waren es ebenfalls die Schweizer, die den Ton angaben, auch wenn hochdeutsch gesprochen wurde, was Liebi bedauerte. Seines Erachtens ist die Migration der Deutschen für die meisten Zürcher ein Problem. Es sei in Zürich kaum mehr möglich, eine Wohnung zu finden, die Angst vor den Deutschen sei gross. Das SVP-Inserat zum «deutschen Filz an der Uni» habe voll ins Schwarze getroffen. Hauptgegenredner von Liebi war Kurt Imhof: «Unsinn, Zürich ist nicht zu deutsch.» Für Imhof ist die Schweizer Einwanderungspolitik im Unterschied zu früher erfolgreich, weil heute die gut Gebildeten kämen: «Die Deutschen kosten weniger, als sie hier zahlen.»

Klaus J. Stöhlker übernahm die Rolle des gescheiten Unterhalters. Er erntete immer wieder Lacher und Zwischenapplaus. Seines Erachtens sind die Zürcher Opfer der SVP geworden. In Basel werde die Aversion gegen die Deutschen mit Kopfschütteln wahrgenommen, stellte er fest. Alle drei Schweizer waren sich aber einig: «Die Ängste vor den deutschen Einwanderern sind nicht zu unterschätzen.»

Gegen Pauschalisierungen

Schweizerisch zurückhaltend waren die beiden Deutschen. Vanessa Matthiebe sagte, sie fühle sich in Zürich nach wie vor wohl und bekomme auf der Strasse viele positive Signale. Jarren glaubt, die Unsicherheit der Schweizer rühre daher, dass ihr Land seinen Platz im neuen Europa noch suche – genau wie die meisten anderen Länder auch. Er wehrte sich gegen die Pauschalisierungen: «Es gibt nicht die Deutschen und die Schweizer.» Man müsse sensibler miteinander umgehen, sonst komme es zu ernsthaften Verletzungen.

Als Liebi die Deutschen als obrigkeitshörig bezeichnete, gab es Pfiffe, und Imhof meinte: Es gebe in Deutschland derzeit keine Partei mit einer solchen «Führerhörigkeit» wie die SVP. Imhof warf der SVP auch vor, für eine Barbarisierung der Politik zu sorgen. Liebi konterte, dafür hätten Imhof und andere Uni-Professoren gesorgt mit dem Protestinserat gegen die SVP.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.02.2010, 04:00 Uhr

WRITE A COMMENT







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

28 Kommentare

Urs Holzapfel

09.02.2010, 22:18 Uhr
Melden

@p.muster: was regen sie sich auf wegen der spitäler.da wimmelt es doch nur von deutschen ärzten und pflegepersonal.und wenn die dann irgendwann abziehen? da werden manche grosse augen machen.immerhin: ein deutscher arzt,der sich für die schweiz beworben hatte,hat wegen der ausserordentlichen deutschfreundlichkeit in der schweiz eine weniger gut bezahlte stelle in dtld vorgezogen.... Antworten


Hans-Rudolf Wyss

05.02.2010, 17:54 Uhr
Melden

Betrachtet man das wirklich bewohnbare Mittelland, dann ergibt sich für die Schweiz eine Bevölkerungsdichte von gegen 500 Einwohner/km2. Wir sind eines der dichtest bevölkerten Länder der Welt. Jede Sekunde wird in der Schweiz 1 m2 Boden überbaut. Wir haben seit dem 2. Weltkrieg mehr Land zugepflastert als alle Generationen vor uns. Was ist zu tun? Als erstes müssen wir die Einwanderung stoppen. Es dürfen nur so viele Einwandern wie Auswandern. Der Dichtestress ist schon heute unerträglich! Antworten


Walter Keller

05.02.2010, 17:08 Uhr
Melden

@ Bruno Müller 16:15 Uhr Bin ich ganz Ihrer Meinung. Wenn dann die deutschen Studenten endlich weg sind, kommen die anderen ausl. Studenten dran. Sind die dann endlich auch weg, brauchen wir auch keine Professoren mehr aus Deutschland. Wenn die dann endlich weg sind, brauchts auch weniger D Ärzte und D Pflegepersonal. Sind die dann auch weg, haben wir eine gemütliche Einöde in der Schweiz Antworten


Bruno Müller

05.02.2010, 16:15 Uhr
Melden

Nachdem sich die BRD bei der Info-Beschaffung als Freund und Helfershelfer von Kriminellen outet wäre es nun an der Zeit eine härtere Gangart einzuschlagen. Es wäre an der Zeit den ca. 40%igen deutschen Teil der bei uns Studierenden mit den effektiven Studiengebühren zu belasten. Dies würde uns einiges an Steuergeldern sparen helfen und für die Schweizer/innen Platz schaffen. Antworten


Walter Kunz

05.02.2010, 15:27 Uhr
Melden

Leider noch nicht vergessen. Franz Müntefering, Peer Steinbrück waren vor nicht all zu langer Zeit auch nicht besonders wählerisch mit ihren Bemerkungen zum hängigen Steuerstreit mit unseren Banken respektive unserem Land. So hat das Gezankt die gegenseitige Verständigung nicht unbedingt gefördert. Um vergessen zu machen nennt man das hinterher einfach Schnee von gestern. Antworten


claudia barkendahl

05.02.2010, 14:48 Uhr
Melden

liebe akademiker,es geht um emotionen,professorale erklärungen bringen nichts, sie spalten, es kommt zu weiteren ghettobildungen NEUdeutsche spalten ALTdeutsche von schweizern und anderen ausländern; sowie im besonderen B schweizer von B deutschen. B deutsche: in CH seit 1960, arbeiterschicht. liebe NEUdeutsche, wäre es nicht sinnvoll euch für die ALTdeutschen sozial und gemeinnützig einzusetzen? Antworten


Lukas Herriger

05.02.2010, 14:00 Uhr
Melden

All diese Podiumsdiskussionen, Talks und Referate über "Die Deutschen" führen doch nur dazu, dass die Schweizer/innen sich der nicht mehr zu stoppenden "Deutschen Infiltration in die Schweiz" bewusst werden (sollen). Und das geschieht wohl ganz im Sinne der Deutschen. Wohin soll aber dieses immer schnellere "Deutsche Wachstum" in der CH führen? Die Schweiz als künftiges Bundesland von Deutschland? Antworten


Thomas Bisang

05.02.2010, 13:46 Uhr
Melden

Die Basler haben kein Problem mit den Deutschen?! Sehr gut möglich, viele pendeln ja auch nach Basel und brauchen keine Wohnungen und Häuser. Antworten


Walter Keller

05.02.2010, 13:03 Uhr
Melden

Komisch. Obrigkeitshörig sind sie also die Deutschen. Die Deutschen etwa, deren öffentlicher Dienst gerade streikt? Wann hat es das bei den CHlern denn das letzte Mal gegeben? Wohnungen gibt es also wegen der Deutschen nicht in ZH? Wem gehören denn die Wohnungen? Wer verhindert denn, dass mehr Wohnraum in ZH gebaut wird? Die Deutschen etwa, oder jene, die auf diese Weise höhere Mieten eintreiben? Antworten


Donald Caprez

05.02.2010, 12:30 Uhr
Melden

Die Deutschen sind nicht unserer Freunde. Warum sollten wir ihre sein? Die politische und Witschaft hat unseren Mittelstand verkauft. Die Linke hat ihn verschenkt. Antworten


Peter Gubler

05.02.2010, 12:26 Uhr
Melden

Frau Leemann, meinen Sie mit Ordnung schaffen, dass man alle deutschen Professoren ausweisen sollte? Das wären bei der Uni immerhin rund 150 Personen. Wie sollen die ersetzt werden? Mit Schweizern, die nicht über die notwendigen Qualifikationen verfügen? Der SVP geht es nur um Stimmungsmache vor den Wahlen. Nach dem 7. März wird sich das Thema vermutlich von alleine erledigen... Antworten


Saied Rahmani

05.02.2010, 12:01 Uhr
Melden

SVP und viele Zürcher betrachten die Wohnungsnot und die Belastung der Infrastruktur als ein Probleme der deutschen Zuwanderung. Lieber Herr Liebi, was wäre, wenn statt Deutschen so viele Schweizer selbst in die Stadt Zürich gezogen wären? Also es ist ein Problem der Politik, dass die Stadt und Region die wirtschaftliche Entwicklungen mit Zuwachs an Arbeitsplätzen verschlafen hat. Bitte Aufwachen! Antworten


Daniel Plowacek

05.02.2010, 11:48 Uhr
Melden

Wenn man im St.Gallischen an einem Sonntagabend auf einen Berg klettert und ins Tal schaut, sieht man dort eine riesen Lange Lichterkette von Autos, die nach dem Wochenende im St.Gallischen wieder nach Zürich zurückfahren nachdem sie das ganze Wochenende über die St.Gallischen Berge verpestet haben und am Sonntag Abend, wenn alle gleichzeitig nach Hause fahren, sämtliche Strassen verstopfen. Antworten


markus roth

05.02.2010, 10:46 Uhr
Melden

60 od. 70000 deutsche im kt. zürich, die brauchen alle eine wohnung/job etc. Als CH mit kleinem einkommen suche ich schon lange eine wohnung/ besseren job für die neue familie. Nun soll ich über die uneingeschränkte einwanderung der BR erfreut sein ? wenn möglich noch applaudieren ? Mich dünkt da wird wirtschaftswachstum zu lasten der finanzschwächeren schweizer betrieben, oder nicht? Antworten


ruth leemann

05.02.2010, 10:44 Uhr
Melden

Die Schweiz muss entlich Ordnung schaffen, und wenn es jemanden gelingt / schafft, dann ist es die SVP - alle anderen Polit-Parteien wie CVP / FDP / BDP / SP / GRÜNE usw. hinken den Problemlösungen immer hinter her. Antworten


Steiner Marianne

05.02.2010, 10:20 Uhr
Melden

Die SVP - immer tüchitg hetzen, aber sich einmal schämen liegt nicht drin. Diese Herren kommen mir manchmal vor wie kläffende Hunde. Und ist jetzt wirklich die richtige Zeit für eine solche Diskussion? Antworten


julian gerber

05.02.2010, 09:57 Uhr
Melden

nicht nur die schweizer und die schweizer regierung sind mit dem steuerstreit/deutschland überfordert ... auch die schweizer medien (TA) sind am limit. "bundesrat hofft auf verhandlungen" - hat stöhlker im podium richtig moniert. die medien haben verantwortung und diese auch wahrzunehmen. podium gestern sonst gut. Antworten


Reto Dräger

05.02.2010, 09:42 Uhr
Melden

Die kulturellen Unterschiede wurden schon zu Genüge diskutiert, was aber meistens kaum thematisiert wird und bei vielen CHern ein Hauptgrund für das Unbehagen ist, ist die Ausbreitung des Hochdeutschen. In der CH gibt bzw. gab es, im Gegensatz zu D, bisher jedoch eine klare Trennung zwischen gesprochener Sprache (Schweizerdeutsch) und geschriebener (Hochdeutsch), linguistisch Diglossie genannt. Antworten


Jacques Schmid

05.02.2010, 09:09 Uhr
Melden

Herr Imhof hat es immer noch nicht begriffen. Es geht nicht darum ob die Deutschen uns wirtschaftlich mehr bringen als die Jugoslawen. Es geht darum das es einfach zu viele auf einmal hat die kommen. Es ist eine schleichende Unterwanderung + das "fühlt" sich nicht gut an. Man fühlt sich nicht mehr zu Hause, gewohnte Kultur (auch wenn Sie nicht immer gut ist) wird verdrängt + verursacht unbehagen. Antworten


Patrick Ryf

05.02.2010, 09:03 Uhr
Melden

Lieber Herr Imhof, wie oft wird in deutschen Parteien ein Machtwort des Vorsitzenden, des Chefs der Fraktion oder der Kanzlerin gefordert? Immer wieder, nicht? Die richtige Aussage wäre, die grossen deutschen Parteien funktionieren gleich wie die SVP. Die Obrigkeitshörigkeit deutscher Mitarbeiter hat schon etwas. Das merkt man vor allem in Teamsitzungen, jedenfalls so mein subjektiver Eindruck. Antworten


leo schale

05.02.2010, 09:01 Uhr
Melden

Und wie äussern sich die CH-Ultras bzw. DE-Hasser dazu (wir sind gespannt)?: «Der französische Regisseur Yann Moix verabscheut die Schweiz – so sehr, dass er ein ganzes Buch mit Beleidigungen vollgeschrieben hat.» (Das Buch ist sehr lesenswert u. erklärt vieles) Oder wundern sie sich etwa auch darüber in Ihrer eigenen Selbstverliebtheit? Antworten


Herbert Schenker

05.02.2010, 08:40 Uhr
Melden

Nur dass das nicht vergessen geht: Es gibt in diesem Land zum Glück auch viele Leute, die Deutsche ganz gerne mögen. Wir schreien einfach nicht so laut. Ich arbeite in Zürich und mag diese Stadt. Dass diese unnötigen Diskussionen ausgerechnet hier stattfinden,finde ich ganz einfach peinlich. Antworten


danilo zink

05.02.2010, 08:22 Uhr
Melden

SVP ist für mich zur Zeit nicht wählbar, zumindest nicht auf Gemeindeebene; die Hatz gegen Deutsche nimmt groteske und paranoide Züge an. Nicht schön!! Ach ja, die SP ist auch nicht wählbar ;-) Antworten


Stefan Bammert

05.02.2010, 08:19 Uhr
Melden

Blödsinn, falsche Punkte diskutiert 1. Wir haben keine Angst vor den Deutschen 2. Sie sind nicht besser gebildet, nur auf dem Papier. Masse statt Klasse beim Abitur. Wie sonst können 60% das Abi schaffen, das ist ein Massenzertifikat nicht zu vergleichen mit der Matura. 3. Es geht schlicht weg um die Anzahl der DE und nichts anders. 20% einer anderen Nationalität als Gruppe stört einfach. Antworten


Lena Leiber

05.02.2010, 08:08 Uhr
Melden

gibt es das in einem anderen Land das soviele Einwandern in so einer kurzen Zeit und auch noch von einer Nation? Ich frage nur weil mir grad kein Land einfällt... weiss das jemand`? Antworten


Peter Muster

05.02.2010, 08:07 Uhr
Melden

Habe grundsätzlich nichts gegen Ausländer. Jedoch, ca. 17'000 Neuzuzüger aus D/Jahr, der Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt (u.a für Kaderpositionen) und Wohnungsmarkt ist intensiver geworden. Der Platz auf den Strassen, S-Bahnen etc. wird noch knapper, mehr Patienten in Spitälern -es wird noch mehr Pflegepersonal benötigt > eine Spirale. Frage mich ernsthaft, ob die Vorteile überwiegen. Antworten


Peter Gadient

05.02.2010, 07:21 Uhr
Melden

Mir stinkt dieses Thema langsam gewaltig. Ich habe einige deutsche Freunde und ich möchte keinen von denen missen. Antworten


Christoph Bremser

05.02.2010, 06:48 Uhr
Melden

Die SVP ist die einzige Partei, die den Umgang mit Ausländern verstanden hat. Man holt möglichst viele in die Schweiz, und macht dann mit ihnen Politik. Antworten



Zürich

Populär auf Facebook Privatsphäre

Lokalverzeichnis

Werbung

Lokale Suche

Marktplatz