Zürichs begrabene Luftschlösser
Von Peter Aeschlimann. Aktualisiert am 28.09.2010 13 Kommentare
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In einer höheren Liga hatte man damit spielen wollen, damals im Jahr 2006, als Stadträtin Kathrin Martelli (FDP) das Siegerprojekt für das neue Kongresszentrum am See präsentierte. Und kassierte prompt eine Schlappe vom Souverän. Rafael Moneo hiess der Architekt, ein Star der Szene, und 2013 hätte der Bau mit der eindrücklichen Glasfassade stehen sollen. Hätte – denn es kam bekanntlich anders. Linke und einige prominente Exponenten der Zürcher Architekturszene bekämpften das Projekt, das ihrer Ansicht nach zu schlecht und zu teuer war. Schliesslich lehnte das Stimmvolk am 1. Juni 2008 schon einen Landkauf für 46 Millionen Franken rund um die Villa Rosau ab. Das Resultat war alles andere als knapp: Sämtliche Wahlkreise oder 57 Prozent der Bevölkerung sagten Nein. Am deutlichsten taten dies die Einwohner Schwamendingens, die vorgestern Sonntag auch das Nagelhaus am wuchtigsten ablehnten.
Für den würdigen Rahmen bei Höhenflügen in sportlichen Ligen hätte ein weiteres Grossprojekt sorgen sollen, das als Planungsleiche nun unter dem Asphaltboden beim Hardturm begraben ist. 2002 lagen die Pläne der fünfeckigen Fussballarena für über 30 000 Zuschauer vor, 2003 bewilligten die Zürcher an der Urne einen Kredit von knapp 50 Millionen Franken für die Stadion Zürich AG, 2004 gab die Baudirektion grünes Licht. Dann aber folgte ein beispielloser Spiessrutenlauf durch alle gerichtlichen und behördlichen Instanzen. Am 4. Juni 2009 gab die Bauherrin Credit Suisse auf. Die Gegner des Stadions, Anwohner und Umweltgruppierungen, hatten obsiegt. Geplant ist jetzt ein neuer Hardturm mit 16 000 Sitzplätzen ohne Mantelnutzung. Mitte 2016 soll darin der erste Anpfiff erfolgen.
Zwei bittere Pillen für einen Architekten
Um einen «hervorragenden, stringenten städtebaulichen Entwurf von Qualität und Machbarkeit» handelte es sich laut Jury beim «Glaskubus» am Limmatquai von Architekt Ralph Baenziger. Die Bewohner der Altstadt sahen das 2004 anders. Der zentrale bauliche Akzent der Limmatquai-Neugestaltung hätte das Volumen der Fleischhalle andeuten sollen, die lange Zeit an dieser Stelle stand. Dass indes Unklarheit darüber bestand, wie der Kubus dereinst genutzt werden soll, brachte ihm auch im Gemeinderat immer heftigere Kritik ein. Ende 2005 teilte der Stadtrat in einem knappgehaltenen Communiqué mit, dass das Projekt «Glaskubus» nicht mehr weiterverfolgt werde.
Wenige Jahre zuvor schon musste Ralph Baenziger noch eine weitaus bitterere Pille schlucken. 2001 kam das definitive Aus für die Bahnhofüberbauung Eurogate. SBB und Investoren hatten sich zurückgezogen. Über zwanzig Jahre hatten Baenziger und sein Team an dem Projekt gearbeitet. Der fortan immer streitlustiger werdende Architekt bekämpfte später erfolglos das Nachfolgeprojekt Stadtraum HB, das heute unter dem Namen Europa-Allee gebaut wird. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 28.09.2010, 10:24 Uhr
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13 Kommentare
Typisch Zürich. Den Anspruch haben eine Grossstadt zu sein, um sich dann die Chancen auf internationale Ausstrahlung durch kleingeistige Engstirnigkeit zu verbauen. Ich bin in den letzten Jahren echt enttäuscht worden von meiner Stadt und meinen Mitbürgern. Man versucht auf cool und trendy zu machen und ist schlussendlich doch einfach ein Haufen egoistischer Bünzlis. Two thumbs down! Antworten
Zürich
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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