Zürichs dickste Palme muss fallen

Heute beginnt der Umbau der Stadtgärtnerei. Dafür wird Zürichs berühmteste Palme gefällt. Ihre Überreste werden aber für neue Attraktionen genutzt – zur Freude von Kindern.

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Alles muss raus im Palmenhaus der Stadtgärtnerei. Seit heute Donnerstag sind die Tore zum beliebten Schlechtwetterprogramm für Zürcher Familien geschlossen. Bis zu fünf Gärtner sind nun bis im Februar daran, sämtliche Pflanzen aus der grossen Halle zu entfernen. Einige wird man bald gar nicht mehr bestaunen können – darunter Zürichs wohl dickste Palme.

«Palmwedel für Palmwedel schneiden wir nun ab», erklärt Betriebsleiter Andreas Meili. Währenddessen steht ein Mitarbeiter auf einer langen Leiter und sägt bereits an den mehrere Meter langen Blättern. «Achtung!», hört man aus dem Wipfel des Baumes, bevor das erste zu Boden fällt. Jetzt sollte niemand unter der Palme stehen. Die Blätter wiegen mehrere Kilos und sind mit stachelartigen Blättern versehen.

Palmenhaus für Kinder

«Erst wenn alle Wedel abgeschnitten sind, wird der Stamm gefällt», erklärt Meili. An ihrer Stelle sollen feingliedrige Verwandte stehen. «Zurzeit verstellt sie die ganze Sicht auf die hohen Räume.» Mit der neuen Bepflanzung soll nun auch die Architektur besser zur Geltung kommen. Doch der Tod der Pflanze hat einen weiteren Nutzen: «Aus den Blättern wollen wir ein Haus bauen, als Attraktion für Kinder.» Auch der Stamm soll, wenn es seine fasrige Beschaffenheit zulässt, zu einer Sitzgelegenheit umfunktioniert werden.

Doch dies wird nicht die einzige Neuerung im Palmenhaus werden. In der jetzigen Eingangshalle wird ein zwei Meter tiefes Loch gegraben. In diesem sogenannten Senkgarten will man eine Reisterrasse anlegen. Ein kleiner Weg führt durch die neu entstehende Attraktion.

Zwar sollen 95 Prozent der jetzt im Palmenhaus beheimateten Pflanzen in der neuen Anlage wieder ein Zuhause finden. Neu setzt man aber auch auf Nutzpflanzen: «Man soll hier erleben können, wie Reis, Maniok oder Süsskartoffeln wachsen und gedeihen», erklärt Meili. «Viele Kinder wissen heute ja kaum noch, dass Reis ein Getreide ist.»

Fische ziehen um

Auch der Teich, in dem bisher Koi-Fische herumschwammen, wird neu angelegt. Künftig soll man diesen über eine Brücke passieren können. Die Fische, die bei der Neueröffnung in ein entstehendes Besucherzentrum umgesiedelt werden, machen Mangroven Platz. «Das Palmenhaus soll eine grüne Oase werden.» Einzig Bossi, wie die Mitarbeiter den Tukan-Vogel nennen, der normalerweise durchs Palmenhaus fliegt, wird dort wieder einziehen dürfen. Zurzeit muss er mit einer eigens für ihn angelegten Voliere vorlieb nehmen.

Die heutigen Eingänge wird man in Zukunft nur noch in Notfällen als Ausgang nutzen können. Im Nebengebäude, jetzt noch ein Abstelllager, soll ein Besucherzentrum entstehen. Das Palmenhaus wird nur durch eine Glaswand davon abgetrennt sein. «So hat man schon beim Eingang einen guten Blick auf die grüne Oase.» Schulungs- und Vortragsräume werden schliesslich im darüberliegenden Stockwerk eingerichtet.

Eröffnung im Sommer 2014

Sobald das Palmenhaus im Februar komplett geleert ist, beginnen die Arbeiten im Tropenhaus. Dort wird neu ein Wasserfall angelegt, der in einen kleinen Bach mündet. Von einem Podest aus soll man einen neuen Blickwinkel auf das ganze Haus haben. «Hier wird es viele Blumen und Schlingpflanzen geben, ein richtiger Dschungel soll entstehen», erklärt Meili und kann dabei die Vorfreude nicht verbergen.

Der gesamte Umbau – inklusive neuer Aufenthaltsräume für die Angestellten, neuer Gewächshäuser und Anpassungen, um Energie zu sparen – wird mit rund 15,6 Millionen Franken zu Buche schlagen. Die umgebauten Häuser werden ihre Tore im Sommer 2014 öffnen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 15.11.2012, 15:17 Uhr)

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