Zürich
Zunahme der Lehrstellen um 10 Prozent
Mehr Ausbildungsplätze: Im Kanton Zürich sind die Lehrstellen um 10 Prozent gestiegen.
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Im Kanton Zürich wurden noch nie so viele Lehrstellen angeboten wie in diesem Sommer. Trotzdem haben noch immer viele Schulabgänger keine Anschlusslösung. Zur Verbesserung der Situation hat die zweite Berufsbildungskonferenz vier Empfehlungen verabschiedet.
Der Lehrstellenmarkt habe bis jetzt der Wirtschaftskrise trotzen können, sagte Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) am Dienstag in Zürich vor den Medien. Zusammen mit Volkswirtschaftsdirektorin Rita Fuhrer (SVP) zog sie Bilanz zum ersten Lehrstellenbericht, der auch Grundlage der zweiten Konferenz Berufsbildung Zürich bildete.
Noch keine Entwarnung
Auf dem Lehrstellenmarkt herrsche Entspannung, aber nicht Entwarnung, betonte Regierungspräsidentin Aeppli. Trotz Rezession habe die Zahl der gemeldeten Lehrstellen im Vergleich zum Vorjahr um rund 10 Prozent zugenommen, und die Anzahl der abgeschlossenen Lehrverträge habe Ende Juli den Rekordwert aus dem Jahre 2008 um ein Prozent übertroffen.
Diese erfreuliche Entwicklung sei das Resultat des gemeinsamen Engagements aller beteiligten Partner, stellte Aeppli fest. Trotz Zunahme der Lehrstellen hätten jedoch längst nicht alle Schulabgänger eine direkte Anschlusslösung. Rund ein Viertel von ihnen sei nach wie vor auf Brückenangebote angewiesen.
Dieser Befund widerspiegelt sich auch in der Statistik zur Jugendarbeitslosigkeit. Die Quote der arbeitslosen Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren im Kanton Zürich lag Ende Juli bei 4,1 Prozent und damit um einen Prozentpunkt über dem schweizerischen Mittel.
Vier Empfehlungen an Politik und Wirtschaft
Jugendarbeitslosigkeit und das Abgleiten in die Sozialhilfe können am besten durch Bildung verhindert werden, stellten Aeppli und Fuhrer übereinstimmend fest. Die Berufsbildungskonferenz habe sich deshalb auf vier Empfehlungen an Politik und Wirtschaft für eine «starke duale Berufsbildung» geeinigt.
So sollen Lehrvertragsabbrüche durch bessere Betreuung möglichst vermieden, internationale Unternehmen stärker in die Berufsbildung einbezogen, Brückenangebote besser gesteuert und die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen verbessert werden.
Gemäss dem Lehrstellenbericht werden im Kanton Zürich rund neun Prozent aller Lehrverträge vorzeitig aufgelöst, davon 50 Prozent im ersten Lehrjahr. Es soll deshalb mehr Zeit in Beratung, in die Berufsvorbereitung an der Oberstufe, für Elterninformationen und in Schnupperlehren investiert werden.
Bei den Brückenangeboten ortet die Berufsbildungskonferenz vor allen Koordinationsbedarf. Die von der Bildungsdirektion angebotenen Berufsvorbereitungsjahre und die Motivationssemester, welche die Volkswirtschaftsdirektion anbietet, sollen durch amtsübergreifende Zusammenarbeit besser aufeinander abgestimmt werden.
Um internationale Unternehmen vermehrt für die Berufsbildung gewinnen zu können, wird die Einsetzung einer breit abgestützten Projektgruppe empfohlen. Viele internationale Unternehmen seien sich der Bedeutung des dualen Berufsbildungssystems nicht bewusst, heisst es im Bericht.
Lehrlinge müssen flexibel sein
Wichtig sei, dass die Berufsbildung auf die Bedürfnisse der Wirtschaft ausgerichtet werde, betonte Volkswirtschaftsdirektorin Rita Fuhrer. Wer immer mehr Lehrstellen fordere, obwohl bereits immer mehr geschaffen würden, verfolge eine einseitige Optik.
Im Lehrstellenbereich definierten Unternehmen die Nachfrage, nicht die potenziellen Lehrlinge. «Sie bieten diejenigen Lehrstellen an, deren Absolventen sie später auch produktiv einsetzen können».
Für Jugendliche, die heute eine Lehrstelle suchen, heisst dies laut Fuhrer, flexibel zu sein und sich nach den Bedürfnissen der Wirtschaft zu richten. «Das heisst nicht, dass jemand, der Spengler werden möchte, nun unbedingt eine Podologie-Ausbildung annehmen muss», sagte die SVP-Regierungsrätin. «Aber vielleicht schaut er sich mal bei den Lackierern um».
(tif/sda)
Erstellt: 03.11.2009, 14:33 Uhr
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