Zürich
Zwei Stunden weniger Unterricht für überlastete Lehrer
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Zürcher Kinder sollen pro Woche zwei Stunden weniger in die Schule gehen, weniger verschiedene Lehrkräfte haben und weniger häufig ein Zeugnis erhalten: Mit teils einschneidenden Massnahmen soll das Schulpersonal entlastet werden, schlägt eine Projektgruppe vor.
Klar war zweierlei, als sich die Projektgruppe im Auftrag von Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) an die Arbeit machte: Es müssen Vorschläge zur gezielten Entlastung von Lehrkräften und anderem Schulpersonal auf den Tisch. Und: die Entlastung darf dem Kanton keine Mehrkosten bescheren. Die Projektergebnisse wurden am Freitag den Medien präsentiert.
Eine grössere Kontroverse auslösen dürfte der Vorschlag, die wöchentliche Unterrichtszeit der Schülerinnen und Schüler um zwei Stunden zu reduzieren. Die zwei Stunden sollen den Klassenlehrern für Arbeiten im Zusammenhang mit ihrer Funktion zur Verfügung stehen.
Ob und wenn ja, wie genau die Reduktion realisiert, beziehungsweise welche Fächer beschnitten werden sollen, ist noch offen. Gibt der Bildungsrat grünes Licht für eine Änderung der Lektionentafel, so müsse eine breite Vernehmlassung erfolgen, sagte Aeppli.
Kostenneutrale Notlösung
Die Projektgruppe, in der auch die schulbezogenen Berufsverbände vertreten waren, schlug die Reduktion ausdrücklich als kostenneutrale Notlösung vor. Stünden dereinst wieder mehr Mittel zur Verfügung, müsse man darauf zurückkommen.
Ebenfalls Diskussionen geben dürfte es um den Vorschlag, in Kindergarten, Unter- und Mittelstufe pro Schuljahr nur noch ein Beurteilungsgespräch mit den Eltern beziehungsweise Zeugnis vorzusehen. Auch hier wäre der Bildungsrat für eine Änderung des Zeugnisregelments zuständig.
Schon konkreter wird es in Sachen weniger Lehrkräfte pro Klasse, damit wären deutlich weniger Koordination und Absprachen nötig. Voraussetzung ist aber, dass die einzelnen Lehrpersonen mehr Fächer abdecken können. Erleichterte Nachqualifizierungen ab 2011 sollen hier Abhilfe schaffen.
Keine direkten Auswirkungen auf die Schüler haben weitere vorgeschlagene Massnahmen. Sie zielen auf mehr Kompetenz-Klarheit, vereinfachte Abläufe, kleineren administrativen Aufwand und eine flexiblere Verteilung der freien Mittel. Manches ist laut Aeppli schon eingeleitet. Frühestens 2011 können einzelne Massnahmen umgesetzt werden. Anderes ist auf das Schuljahr 2013/14 vorgesehen.
Anpassung von Berufsauftrag
Unter anderem sollen Schulleiterinnen und Schulleiter nicht mehr verpflichtet sein, vier Stunden pro Woche zu unterrichten, sondern sich auf ihre Schulleiter-Funktion konzentrieren können. Der seit 2008 bestehende «Gestaltungspool» - freie Mittel, die jede Schule nach Bedarf einsetzen kann - soll mit weniger kantonalen Vorgaben genutzt werden können.
Die Klage vieler Lehrkräfte, sie seien mit administrativen Aufgaben überhäuft, bestätigte die Projektgruppe nicht. Viele Lehrerinnen und Lehrer zählten dazu nämlich direkt mit dem Unterricht zusammenhängende Arbeiten wie Zeugnisse schreiben, korrigieren oder Elterngespräche führen.
Der Berufsauftrag soll denn auch angepasst werden, wie Aeppli sagte. Künftig soll er nicht mehr nur die Anzahl Unterrichtsstunden umfassen, sondern auch die dazu gehörigen Arbeiten. Alle Lehrpersonen sollen ungeachtet der Anzahl Unterrichtslektionen vom Kanton angestellt sein, heute ist ein Teil von ihnen von den Gemeinden angestellt.
Mitarbeitendengespräche und -beurteilungen sollen ganz in die Kompetenz der Schulleitungen wechseln und vereinfacht werden. Und schliesslich könnte ein gemeinsames elektronisches Netzwerk den Administrationsaufwand für Kanton und Gemeinden verringern. (ep/sda)
Erstellt: 17.09.2010, 11:24 Uhr
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