Zwillingsmörderin von Horgen akzeptiert Schuldspruch nicht

Von Stefan Hohler . Aktualisiert am 22.07.2010

Bianca B., die Mutter, die ihre Zwillinge umgebracht hat, gelangt ans Kassationsgericht: Sie sei ungenügend verteidigt worden.

Sie sitzt derzeit in Sicherheitshaft: Bianca B., hier beim Prozess im März vor dem Geschworenengericht.

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Bild: Zeichnung: Linda Graedel

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Die 36-jährige Frau war im März vom Geschworenengericht wegen mehrfachen Mordes zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Nun hat sie einen neuen Verteidiger, der beim Kassationsgericht eine Nichtigkeitsbeschwerde einreichen wird. Thomas Fingerhuth, der neue Verteidiger, bestätigte gegenüber dem «Tages-Anzeiger» einen entsprechenden Bericht des Regionaljournals von Radio DRS 1.

Der renommierte Anwalt wirft dem Gericht vor, die Fürsorgepflicht verletzt zu haben: Es hätte mangels genügender Verteidigung schon während des Prozesses die damalige Anwältin der Angeklagten auswechseln müssen. Die kritisierte Anwältin wollte sich auf Anfrage dazu nicht äussern: «Der Fall ist für mich erledigt.»

Anwalt von Mitinsassin empfohlen

Auch bei langjährigen Prozessbeobachtern hatte die amtliche Verteidigerin einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Sie hatte aber insofern einen schweren Stand, als die Mutter die Tat immer abgestritten hatte, obwohl die Beweise erdrückend waren. Die Frau täuschte anfänglich einen Einbruch vor und schob den Doppelmord im Verlauf der Strafuntersuchung und des Prozesses ihrem Ehemann zu.

Fingerhuth nennt noch einen zweiten Beschwerdegrund: Der gleiche Psychiater habe sowohl die Frau als auch ihren Mann begutachtet. Damit sei er nicht mehr unvoreingenommen gewesen. Gerichtspsychiater Frank Urbaniok hatte bei Bianca B. in seiner 250-seitigen Expertise zwanghafte Persönlichkeitszüge, negative Umweltwahrnehmung und inkonsistenten Realitätsbezug festgestellt. Er billigte ihr eine leichte Verminderung der Schuldfähigkeit zu.

Laut Fingerhuth wird die schriftliche Urteilsbegründung erst gegen Ende Jahr vorliegen. Dann wird er die Beschwerde einreichen. Bianca B. sitzt seit der Verhaftung in Sicherheitshaft im Bezirksgefängnis Zürich. Eine Mitinsassin hat ihr empfohlen, Fingerhuth als Verteidiger zu nehmen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.07.2010, 11:30 Uhr

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