Zwillingsmord: Noch ein geheimnisvoller Einbruch
Von Thomas Hasler. Aktualisiert am 18.03.2010
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Zwillingsmord Horgen
- Zwillingsmörderin von Horgen akzeptiert Schuldspruch nicht
- «Franz B. wurde als möglicher Täter nie ernsthaft in Betracht gezogen»
- Zwillingsmord: «Sie hat die absolute Wehrlosigkeit der Kinder ausgenützt»
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An Weihnachten 2007 soll Bianca B. ihre knapp achtjährigen Zwillinge Celine und Mario im Schlaf erstickt haben. Um von sich abzulenken, soll sie einen Einbruch in die elterliche Wohnung vorgetäuscht haben. Davon ist die Staatsanwaltschaft überzeugt.
Am siebten Prozesstag vor dem Geschworenengericht berichtete eine Polizistin vom Dienst Kapitalverbrechen bei der Kantonspolizei, die Bianca B. in der Haft zehnmal befragte, von einem anderen Verdacht: Die Beamtin ist überzeugt, dass Bianca B. 1995 schon einmal mit einem fingierten Einbruch von sich als Täterin ablenken wollte - und dies auch schaffte.
Drei Diebstähle - ein Geständnis
Bianca B. und ihr späterer Ehemann Franz wohnten damals in Reichenburg. Damals weckte sie ihn, weil sie Licht in der Wohnung bemerkte. Man stellte dann fest, dass eingebrochen worden war und unter anderem die Kreditkarte fehlte. Franz B. liess die Karte sofort sperren. Trotzdem hatten die Täter von einem Bancomaten in der Nähe der Wohnung bereits 1000 Franken abgehoben.
Bianca B. geriet als Täterin nie in Verdacht, die Schwyzer Polizei rapportierte den Einbruch routinemässig. Die Polizistin aber ist überzeugt, dass Bianca B. die Kreditkarte an sich nahm, das Geld abhob und erst dann ihren Partner weckte. Den Einbruch habe sie vorgetäuscht. Der Verdacht kommt nicht von ungefähr: Knapp drei Monate vorher war auch der Frau von Biancas Bruder im Kanton Bern die Kreditkarte gestohlen und damit Geld von einem Bancomaten abgehoben worden.
Das Paar recherchierte und stellte fest, dass die Bank ein Video besass, das die Geldbezüge dokumentierte. Auf dem Video zu sehen war ... Bianca B. Auf den Diebstahl angesprochen, bestritt sie zunächst jede Schuld, gab die Tat erst zu, als sie mit dem Videobeweis konfrontiert wurde. Sie entschuldigte sich und zahlte die 800 Franken zurück. Bianca B. konnte bis heute nicht erklären, warum sie das Geld gestohlen hat.
An Bianca B. als Diebin dachte niemand
Doch auch das war noch nicht alles: Einen Monat nach dem Diebstahl im Kanton Bern vermisste auch die Schwester von Franz im Kanton Schwyz ihre Kreditkarte. Hier wurden 1000 Franken abgehoben. Auffällig: Bianca B. hütete das Kleinkind jeweils an einem Dienstag, wenn die Schwester von Franz arbeiten ging und die Kreditkarte zu Hause liess. Der Diebstahl ereignete sich dann an einem Mittwochmorgen. Ein fremder Eindringling kommt kaum in Betracht, weil der Hund des Hauses heftig reagiert hätte.
Dass Bianca B. etwas mit dem Diebstahl zu tun haben könnte, wurde gar nicht in Betracht gezogen. Denn der Vorfall im Kanton Bern war gegenüber Franz und seiner Schwester geheim gehalten worden. Stutzig wurde Franz' Schwester erst 15 Jahre später. Als sie zusammen mit Franz und Biancas Bruder nach dem Tod der Zwillinge die Wohnung in Horgen räumte, kam Biancas Bruder auf den damaligen Diebstahl zu sprechen. Jetzt ging auch Franz' Schwester ein Licht auf.
Bringt der Psychiater Licht ins Dunkel?
Bianca B. bestreitet, etwas mit den unaufgeklärten Diebstählen zu tun zu haben. Sie ist deswegen im laufenden Mordprozess auch nicht angeklagt. Müsste sie als Diebin in Betracht gezogen werden, eröffnete sich eine auffällige Parallele: Sowohl dem Diebstahl der Kreditkarte wie der Tötung der Kinder wäre ein fingierter Einbruch vorausgegangen. Und in beiden Fällen hätte Bianca B. ihren Mann geweckt und auf Unstimmigkeiten in der Wohnung aufmerksam gemacht.
Welche Bedeutung die Kreditkarten-Diebstähle für den Mordprozess haben, wurde am Donnerstag nicht ganz klar. Dem Vernehmen nach soll deren Bedeutung im Rahmen des psychiatrischen Gutachtens zur Sprache kommen. Für die mit Spannung erwartetete Präsentation des mit 250 Seiten ungewöhnlich umfangreichen Gutachtens sowie der psychiatrischen Befunde und Schlussfolgerungen ist morgen Freitag der ganze Tag reserviert. Es ist im Zwillingsmord-Prozess der letzte Tag der Beweisaufnahme. Bringt er die Antwort auf die Frage, warum die Kinder sterben mussten? (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 18.03.2010, 14:12 Uhr



