Zürich
Überfordert, alleingelassen, frustriert
Von Philipp Albrecht. Aktualisiert am 08.07.2010 58 Kommentare
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Nach zwei Jahren als Vollzeitlehrerin war Claudia Schneider ausgebrannt. Sie gab ihre Stelle als Mittelstufenlehrerin in Bremgarten auf und arbeitete mit reduziertem Pensum in einer Zürcher Vorortsgemeinde. Daneben begann sie ein Studium, um sich etwas Luft zu verschaffen. «Als junge Lehrerin, die frisch aus der Ausbildung kommt, ist man steter Überforderung ausgesetzt», erzählt Schneider. Man starte mit frischen Ideen und viel Motivation ins Berufsleben und werde sogleich gebremst: Zahlreiche Zusatzämter, Projekte und vor allem die Elternarbeit blockierten die junge Lehrerin. «Das Unterrichten, also die Kernkompetenz, rückt völlig in den Hintergrund.»
Insbesondere auf den Umgang mit den Eltern wurde Schneider in der Ausbildung nicht genügend vorbereitet. Was tun, wenn man es mit allzu patriarchalischen Familienstrukturen zu tun hat? «Ich fühlte mich oft von den Eltern nicht ernst genommen. Sie hatten Mühe mit einer jungen, kinderlosen Frau, die frisch aus der Ausbildung kam», erzählt Schneider. Am neuen Ort unterrichtete die Primarlehrerin ausschliesslich Kinder mit Migrationshintergrund. Das Problem lag jedoch nicht in deren Herkunft: «Ausgelaugte Lehrer gibt es in jedem Schulhaus, auch dort, wo es kaum ausländische Schüler hat.» Vielmehr kämpfte Schneider wieder mit den vielen Zusatzbelastungen.
Es fehlt auch an Heilpädagogen
Kurz nach den Prüfungen, als Schneiders Studium der Sozialwissenschaften in die Zielgerade kam, drehte sie ihrem Beruf endgültig den Rücken zu. Gänzlich von der Didaktik abgewendet hat sie sich dennoch nicht, da sie mittlerweile an der Fachhochschule Nordwestschweiz neue Lehrmittel entwickelt. Um ihren einstigen Beruf wieder attraktiver zu machen, bräuchte es ihrer Meinung nach mehr Heilpädagogen, die die Lehrkräfte entlasten. Die raren spezialisierten Heilpädagogen seien stets ausgelastet und reisten gestresst von Schulhaus zu Schulhaus. Dies führe wiederum zu mehr Arbeit für die Lehrpersonen.
Dass der Lehrberuf unter einem schlechten Image leide, sei auf tiefe Löhne und fehlende Aufstiegsschancen zurückzuführen: «Ich hätte mich nur noch zur Schulleiterin oder Logopädin weiterbilden können. Diese Perspektiven empfand ich als mager.» Die kürzlich lancierten Pläne einer verkürzten Lehrerausbildung für Quereinsteiger ist für Schneider bedenklich: «Ich sehe das höchstens als Notfalllösung. Die Vorstellung, dass eine Professionalisierung schon in der Hälfte der eigentlichen Ausbildungszeit möglich sein soll, ist für mich nicht nachvollziehbar.»
Einzig die Förderung von Teilzeitpensen sieht Claudia Schneider als Lösung. Nur so werde die starke Belastung gedämpft. Dass sie selber eines Tages wieder als Teilzeitlehrerin arbeitet, schliesst sie nicht aus. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.07.2010, 15:10 Uhr
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58 Kommentare
Tiefe Löhne im Lehrerberuf? Diese Leier höre ich immer wieder. Kenne einige Ex-Lehrer die in die Privatwirtschaft gewechselt haben und weniger verdienen als im alten Job. Um mehr zu verdienen, muss man einen seltenen Fachspezialisten- oder Führungsjob haben. Was nicht selbstverständlich ist, sondern erarbeitet werden muss. Nicht alle Lehrer sind dafür geeignet. Antworten
So lange die Schweiz weiterhin auf einer unsinnigen Zeugniskultur aufbaut wird es vermehrten Mangel an Fachkräften in allen Sparten geben. Eine Matura sagt überhaupt nichts aus über die Fähigkeit einer Person und ist eine unsinnige Hürde für einige Leute die sehr gute Lehrer wären. Die Lehrermisere ist hausgemacht. Antworten
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