Spektakuläre Seilbahn – diese Gondel transportierte Militärs

Geheimtipp für einen Seilbahn-Ausflug nahe Zürich gefragt? Dann versuchen Sie es mal mit der Fahrt nach Palfries.

Elf Minuten Genuss: Die Fahrt mit der Gondel zum Palfries. (Video: Tina Fassbind, Schnitt: Marco Pietrocola)

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Es hat Vorteile, dass sich die Schweizer Armee punkto Infrastrukturen auf dem Rückzug befindet und einige Anlagen nun der zivilen Bevölkerung überlässt. Beispielsweise die Seilbahn Palfries bei Mels im Kanton St. Gallen.

In elf Minuten überwindet sie die rund 1200 Höhenmeter hinauf zur gleichnamigen Hochebene. Die gesamte Seilbahnstrecke ist gut drei Kilometer lang. Am spektakulärsten aber ist der untere Abschnitt, wo die Gondel senkrecht über die Wasserfälle des Ragnatscher Bachs zieht.

Militärischer Aussichtspunkt

Während unter einem das Wasser über den Sandstein ins Tal hinabstiebt, gleitet man lautlos in Richtung Berg. Schon nach der ersten Stütze öffnen sich die Weiden der Alp, und die Churfirsten tauchen am Horizont auf. Noch etwas weiter oben sieht man bis zum Walensee, und ganz zuoberst scheint gar nichts mehr das Auge zu bremsen. Bis hinein in die Bündner Berge ist der Blick frei.

Kein Wunder also, sicherte die Armee von hier oben aus während des Zweiten Weltkrieges die Täler. 1941 baute sie die Seilbahn, um die Truppen zu versorgen. Nach Kriegsende führte die Armee in diesem Berggebiet Schiessübungen durch. Erst nach der Ausserdienststellung der Festung Palfries im Jahr 1998 stellte sie auch den Seilbahnbetrieb ein. Ab 2000 erfolgte die schrittweise Umnutzung, und am 28. Mai 2016 feierte die Seilbahn Palfries Wiedereröffnung – nun als zivile Anlage. An die militärische Geschichte der Bahn erinnert heute nur noch die Bemalung der Talstation in etwas bunter gehaltenen Tarnfarben und vielleicht noch ihre bunkerartige Architektur.

Reservation per Mausklick

Was den Service anbelangt, ist die Palfries-Bahn kaum zu überbieten. Obschon sie vollautomatisch läuft, öffnet sowohl in der Tal- als auch in der Bergstation ein Mitarbeiter den Fahrgästen die Tür und sorgt dafür, dass diese vor der Fahrt auch wieder richtig geschlossen ist. Und obwohl die Bahn pro Stunde nur 32 Personen befördern kann, sitzen zwei Leute am Ticketschalter und bedienen die Kundschaft.

Wer sich einen Platz in der Achtergondel sichern will, kann übrigens auch online eine Reservation vornehmen. «Wir wollen damit verhindern, dass jemand warten muss, und wir legen grossen Wert darauf, unsere Gäste rundum gut zu betreuen», sagt Ignaz Hidber, Vizepräsident der Genossenschaft Seilbahn Palfries und technischer Leiter der Anlage.

Damit dies gelingt, arbeiten 70 Personen bei der Bahn. Alle ehrenamtlich und aus Passion. Auf gewisse Weise steckt also wieder eine kleine Armee hinter dem Betrieb – und ihr haben wir es zu verdanken, dass nun alle von der prachtvollen Bahnfahrt profitieren können. (tif)

Dieses Getränk hats in sich: «Kaffee Bähnli» im Berghaus Palfries (Bild: Tina Fassbind)

Unser Rating:

Elf Minuten Seilbahnfahrt – das ist fast schon rekordverdächtig lange. Zum Glück, denn an diesen Wasserfällen kann man sich wirklich kaum sattsehen. Die Hochebene selbst eignet sich übrigens besonders gut für alle, die noch nicht oder nicht mehr gut zu Fuss sind. (tif)

Eckdaten der Seilbahn Palfries:

Unser Wandertipp

Wenn man auf Palfries nur ganz wenig wandern will: Leicht abwärts auf dem Fahrsträsschen erreicht man in zehn Minuten das Palfries-Berghaus. So beginnt auch eine schöne Rundwanderung. Sie führt vom Berggasthaus weiter nach Westen bis Stralfrüfi: schon wieder ein Restaurant. Dann etwas aufwärts und in weitem Bogen unterhalb der beeindruckenden Alvier-Wand retour nach Palfries. Die ganze Runde dauert zwei Stunden. Je 260 Meter auf- und abwärts. (tow)

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.07.2017, 11:09 Uhr

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In der Schwebe: Teil 1

Wir ergondeln Seilbähnchen in der Nähe von Zürich

In Zürich diskutiert man noch über eine Gondelbahn am Seebecken. Die fünf aussergewöhnlichen und abenteuerlichen Seilbähnchen, die Tagesanzeiger.ch/Newsnet in diesem Sommer vorstellt, gibt es schon – und sie sind alle innerhalb von ein bis zwei Stunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Zürich aus erreichbar.

Neben einem Erlebnisbericht über die Seilbahnfahrt samt Videoclip gibt es zu jedem Berg, den wir für Sie ergondeln, einen Wandertipp und ein Rating. Jeden Montag stellen wir ein weiteres Seilbähnchen vor. Nach der Palfries-Bahn im Kanton St. Gallen werden wir kommende Woche eine Fahrt zum Oberaxen im Kanton Uri wagen.

Kleine Seilbahnbetriebe in der Schweiz haben einen schweren Stand: In den letzten Jahren wurden die gesetzlichen Anforderungen an Sicherheit und Unterhalt massiv erhöht. Die Klein- und Kleinstunternehmen können sich die nötigen Unterhaltsarbeiten und hohen Ersatzinvestitionen, die rasch in die Hunderttausende Franken gehen, kaum mehr leisten.

Damit die Vielfalt der Kleinstseilbahnen in der Schweiz erhalten bleibt, sind die Betreiber auf möglichst viele Gäste angewiesen – auch jene der fünf vorgestellten Seilbähnli in unserer Sommerserie. (tif)

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