Der Superscanner der Polizei ist gelandet

Es sammelt 500'000 Daten pro Sekunde und ist eigentlich für die Luft gebaut: Das neuste Lasersystem der Kapo wird bald auch auf dem Boden eingesetzt.

Hightech auf dem Boden: Der mobile Scanner des neuen Polizeihelikopters funktioniert auch auf einem Auto. (Video: Adrian Panholzer und Stefan Hohler)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wäre es nicht mit «Polizei» beschriftet, das Auto würde für ein Street-View-Gefährt gehalten. Auf dem Dach ist eine 360-Grad Kamera befestigt, darunter eine halbkugelförmige weisse Haube mit Messkopf. Und wie ein Google-Auto nimmt es die Umgebung auf. Allerdings nicht, um daraus digitale 3-D-Karten für die Öffentlichkeit zu erstellen.

Es ist das neuste Werkzeug des Unfallfotodienstes der Kantonspolizei Zürich. Das System besteht aus einem mobilen Laserscanner mit integrierter Vollformatkamera. Damit werden nicht nur dreidimensionale Bilder der Umgebung, sondern auch der Oberfläche gemacht.

Grossräumige Aufnahmen

Der Scanner deckt ein Feld von 330 Grad ab und wird von einem Operator an einem Laptop im Wagen bedient. Der Laserscanner dreht mit Zehntausenden Rotationen und nimmt pro Sekunde 500'000 Messpunkte auf. Die Datenpunkte und die Bilder werden auf dem Laptop gespeichert und später im Büro ausgewertet.

«Damit können Unfallstellen auch noch nach dem Ereignis grossräumig aufgenommen und dreidimensional sowie farbig dargestellt werden», sagt Thomas Stutz, Sachbearbeiter beim Unfallfotodienst. Er ist als einer der Operatoren für den neuen Mobilscanner zuständig.

Bei einer gefahrenen Geschwindigkeit von 30 km/h gibt es sehr gute Aufnahmen, für eine Übersicht ohne viele Details sind auch Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h möglich. Das Gerät wird Anfang 2016 den Betrieb aufnehmen, aber auch jetzt schon fährt der auffällige Wagen durch den Kanton. Es handelt sich dabei um Trainingsfahrten, um die Geräte zu prüfen und die Handhabung zu optimieren. Das Mobilscannersystem mit Kamera ist bereits am neuen Polizeihelikopter im Einsatz. Dafür wurde es ursprünglich konzipiert. In der Luft kommt es zum Einsatz, wenn Schadenplätze oder Ereignisse auf grosser Fläche vermessen werden müssen. Beispielsweise bei einem Zugunglück, Flugzeugabsturz oder Naturereignis wie einer Überschwemmung.

Auf der Strasse und im Tunnel

Der nun aufgerüstete Polizeiwagen wird dann eingesetzt, wenn lange Strassenverläufe vermessen werden müssen und ein Helikopter nicht geeignet ist. Denn die Flüge sind teuer und laut. Und in einem Tunnel beispielsweise kann der Helikopter gar nicht eingesetzt werden.

Der Vorteil des mobilen Scanning liegt darin, dass nach dem Einsatz des Unfallfotodienstes auch im Nachhinein der Unfallort vermessen werden kann. Etwa auf Ersuchen der Untersuchungsbehörde zur Aufnahme der genauen Strassenlage und zur Planerstellung im Auftrag der Staatsanwaltschaft.

Millionenteurer Helikopter

Stutz betont, dass das Gerät aber die Bodenarbeit vor Ort, also die Spurensuche und -sicherung sowie die Spurenmarkierung, nicht ersetze. Die Kosten für die zusätzliche Nutzung beim Polizeiwagen betragen rund 40'000 Franken für den Aufbau und die vier zusätzlichen Fotokameras auf dem Dach.

Das Gerät selber musste nicht neu gekauft werden: Es ist das Mobilscannersystem, das vom neuen Polizeihelikopter stammt. Dieser wurde im Oktober vorgestellt. Er wurde für 2,1 Millionen Franken aufgerüstet, um den Bedürfnissen der Kapo gerecht zu werden. Der Scanner kostet 275'000 Franken. Der Helikopter wird von der Basis in Dübendorf aus betrieben, ebenso wie der Wagen mit dem Mobilscanning.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 19.11.2015, 10:52 Uhr)

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

TA Marktplatz

Werbung

Kommentare

Die Welt in Bildern

Zurück in die Wildnis: Einer von rund 40 Igeln, die nach Verletzungen wieder gesund gepflegt worden sind, wartet in den Händen eines Hüters auf seine Freilassung im ungarischen Kecskemet. (24. August 2016)
(Bild: Sandor Ujvari/EPA) Mehr...