Dreimal höhere Miete: Darum muss die Kanti aus der Villa raus

Die Stadt habe jahrelang einen Mietzins verlangt, der sich nicht rechnete, teilt der Stadtrat mit. Auch der nun vereinbarte, doppelte Zins bis zum Auszug 2019 sei nicht kostendeckend.

«Wir werden nicht lockerlassen»: Die Schüler der Kanti Stadelhofen zeigten sich Anfang Dezember kämpferisch. (Video: Lea Blum)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Villa Hohenbühl über dem Bahnhof Stadelhofen ist das wohl schönste Schulhaus in der Stadt Zürich. Die Schüler des Gymnasiums Stadelhofen erhalten dort Zeichenunterricht. Seit 40 Jahren nutzt die Kantonsschule das Gebäude, das der Stadt Zürich gehört. Doch im Sommer 2019 ist Schluss mit schönen Künsten in der Villa. Die Stadt verlangt einen vielfach höheren Mietzins, den der Kanton nicht bezahlen will. Der Verlust der Schulräume sei ein «massiver Einschnitt», so die Schulleitung. Die Gymnasiasten wollen nicht lockerlassen und ihre Villa mit einer Petition retten.

Was den Ausschlag gab und wie viel Miete die Stadt Zürich neu für die 736-Quadratmeter-Villa will, war bisher nicht in Erfahrung zu bringen. Nun verrät es der Stadtrat in seiner Antwort auf die Anfrage von SP-Gemeinderätin Renate Fischer: Es sind 558'000 Franken im Jahr (rund 47'000 Franken im Monat). Bis zum Auszug der Kantonsschule im Sommer 2019 zahlt die Schule der Stadt in einem Kompromiss 350'000 Franken pro Jahr. Darauf hat man sich in einem knapp zwei Monate dauernden Schlichtungsverfahren zwischen Kanton und Stadt Zürich geeinigt.

Kostenmiete noch zu nett

Gemäss Stadtrat handelt es sich bei den verlangten 558'000 Franken nicht um eine «marktübliche Miete», wie es Renate Fischer in ihrer Anfrage suggeriert. Eine solche müsste erst in einer Ausschreibung oder mit einer Schätzung ermittelt werden, so der Stadtrat. Der Preis von 558'000 Franken sei vielmehr nach den städtischen Massstäben für eine kostendeckende Miete – im Fachjargon «Kostenmiete» – ermittelt worden. Dies, obwohl die Vermietung an den Kanton zu Schulzwecken «nicht ohne weiteres» den entsprechenden Nutzungskategorien wie der Quartierversorgung, Kultur oder Gemeinnützigkeit der Stadt genüge.

Laut Stadtrat ist noch nicht klar, was nach dem Auszug der Kantonsschule mit der Villa und dem umgebenden Park geschehen soll. Eine Ausschreibung ist bisher noch nicht erfolgt. Und es seien bis zum heutigen Zeitpunkt auch keine konkreten Nutzungsinteressierten bekannt geworden, schreibt der Stadtrat.

Kanton wollte Projektoren und neue Waschtröge

Eine Erhöhung des Mietzinses hatte die Stadt Zürich verlangt, nachdem die Kantonsschule 2009 und 2010 die Anpassung der Innenausstattung «zur Erfüllung der Ansprüche eines modernen Schulbetriebes» gefordert hatte. So sollten eine neue Beleuchtung, fest montierte Projektoren und Leinwände, Kabel fürs Internet und neue Waschtröge installiert werden, was die Denkmalpflege auf den Plan rief. Diese forderte ein Gesamtkonzept, welches ein Architekturbüro auch erstellte.

Die Stadt wollte die Renovationsarbeiten jedoch nur angehen, wenn der Kanton sich im Gegenzug bereit erklärte, künftig einen kostendeckenden Mietzins für die Villa zu zahlen. Man habe dem Kanton auch angeboten, die Villa durch Kauf oder Tausch zu erwerben, so der Stadtrat. Dies sei aber an unterschiedlichen Preisvorstellungen gescheitert.

Der alte Mietzins von 156'00 Franken hatte seit April 2008 gegolten. Nachdem die Schule über Jahre immer mehr Raum in der Villa beansprucht hatte. Wobei im überarbeiteten Vertrag ausgeführt worden sei, dass das Mietwertpotenzial weit über der vereinbarten Miete liege, und der Mietzins nur im Hinblick auf laufende Planungsprozesse auf dem Kantonsschulareal Stadelhofen und Hohe Promenade beibehalten werde.

Der Rektor der Kantonsschule Stadelhofen war für eine Stellungnahme für Tagesanzeiger.ch/Newsnet nicht zu erreichen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.02.2017, 12:33 Uhr

Artikel zum Thema

Gymi muss aus Villa ausziehen

In der Zürcher Villa Hohenbühl wurde jahrzehntelang unterrichtet. Bald ist Schluss damit. Die Stadt will eine höhere Miete. Mehr...

So wollen Schüler ihr Schulhaus retten

Video Die Kantonsschule Stadelhofen muss ihren Betrieb in der Villa Hohenbühl schliessen. Die Zürcher Gymnasiasten wehren sich nun dagegen und haben einen Plan gefasst. Mehr...

Zürichs Börse wird zum Schulhaus

Die Börsenbetreiberin SIX zieht bald aus der Börse in Zürich Selnau aus. Ihre Nachfolgerin betreibt ein anderes Business – und hat das ganze Gebäude im Baurecht übernommen. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

TA Marktplatz

Kommentare

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Abgetaucht: In Zürich geniesst man die sommerlichen Temperaturen mit einem Bad im See. (26. Mai 2017)
(Bild: Walter Bieri) Mehr...