Zufall oder Absicht? Juso lockten Autogegner an die Anti-SVP-Demo

Die Juso laden zur Bobbycar-Demo in Zürich, um für ihre Autofrei-Initiative zu werben – an den Bürkliplatz, wo fast gleichzeitig «linke Fäuste gegen rechte Hetze» fliegen sollen.

Polizisten sichern den Bereich um den Bürkliplatz, anlässlich der 100 Jahre Jubiläumsfeier der SVP Zürich.

Polizisten sichern den Bereich um den Bürkliplatz, anlässlich der 100 Jahre Jubiläumsfeier der SVP Zürich. Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Ist es Zufall oder ein Versuch der Jungsozialisten, ahnungsloses Publikum an die gewaltsame Anti-SVP-Demonstration anlässlich der 100-Jahr-Feier der Zürcher Kantonalpartei im Kongresshaus zu bringen? Auf 11 Uhr gestern Sonntag haben die Jungsozialisten der Stadt zur Lancierung ihrer Initiative für ein autofreies Zürich geladen.

«Wir treffen uns, um gemeinsam für eine lebenswerte Stadt Zürich einzustehen. Kommt zahlreich und bringt eure alten Dreiräder und Bobbycars mit. Wir freuen uns schon sehr :)», schrieben die Juso auf ihrer Facebook-Seite. Sie luden an den Bürkliplatz, genau dorthin, wo der Revolutionäre Aufbau spätestens ab 14 Uhr «linke Fäuste gegen rechte Hetze» fliegen lassen wollten.

«Nicht absichtlich geschehen»

Die Terminkollision sei nicht absichtlich geschehen, versichert Moira Pinkus, die Präsidentin der städtischen Juso. Als man gemerkt habe, dass wegen der Ankündigung der Linksautonomen mit massivem Polizeiaufgebot bereits am Morgen zu rechnen sei, habe sich der Juso-Vorstand entschlossen, die Bobbycar-Aktion an die Langstrasse zu verlegen.

Davon erfuhren allerdings nur ausgewählte Personen. «Wir haben die Leute, mit denen wir gerechnet haben, bilateral über den Standortwechsel informiert», sagt Pinkus. Weil man den Mitgliedern und Sympathisanten ermöglichen wollte, sowohl die Autofrei-Veranstaltung als auch die Demo gegen die SVP zu besuchen, beides finde sie legitim, hätten die Juso die Autofrei-Veranstaltung etwas früher angesetzt.

Weshalb sie den neuen Veranstaltungsort jedoch nicht auch öffentlich auf Facebook kommuniziert hat, kann die Juso-Präsidentin nicht schlüssig erklären. «Wir wollten das möglichst ohne Aufsehen tun.» Sie glaube nicht, dass genau deshalb Autofrei-Sympathisanten, die dem Aufruf auf Facebook folgten, am Bürkliplatz «angebrannt» seien.

Polizei musste Eltern wegschicken

Marco Cortesi von der Zürcher Stadtpolizei weiss, dass es anders gekommen ist: «Wir mussten etlichen Personen erklären, dass der Züri-Autofrei-Anlass nicht stattfindet.» Das Vorgehen der Juso bezeichnet Cortesi als «nicht sehr geschickt». Ob es nun absichtlich geschehen sei oder ein Fehler war: Für Eltern mit Kindern, wie sie an einer solchen Veranstaltung zu erwarten seien, sei es äusserst ungünstig, wenn sie in eine Polizeiaktion gerieten.

Linksautonome stören SVP-Jubiläumsfeier (Video: Tamedia)

Sowohl dem Autofrei-Anlass auf dem Bürkliplatz als auch am Standort Langstrasse erteilte die Polizei keine Bewilligung. Demonstrationen am Sonntag werden generell nicht bewilligt. Gemäss Pinkus haben schliesslich 15 bis 20 Personen an der Langstrasse mit ihren Bobbycars für ein autofreies Zürich demonstriert und kurzfristig den Verkehr blockiert. Marco Cortesi von der Stadtpolizei ist von einer solchen Störung nichts zu Ohren gekommen. «Was nicht heissen muss, dass sie nicht stattgefunden hat.»

Ein Bild, dass die Stadtzürcher Juso im Verlauf des Tages auf ihre Website stellte, zeigt, dass die Aktion an der Langstrasse in kleinem Rahmen tatsächlich stattgefunden hat: Eine Handvoll Aktivisten strampelt da auf Bobbycars über die praktisch leere, sonntägliche Langstrasse.

Bildstrecke – Demonstrationen gegen die SVP-Jubiläumsfeier im Kongresshaus in Zürich.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.03.2017, 14:08 Uhr

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