Zürich prägt erste 900'000er-Nummer – und versteigert sie gleich

Am Mittwoch gab das Strassenverkehrsamt die ersten 900'000er-Autoschilder ab. Die magische Nummer mit den fünf Nullen wird versteigert. Geschätzter Preis: 30'000 Franken.

Eine der ersten Zürcher 900'000er Nummern, die in diesen Tagen abgegeben werden – aus Datenschutzgründen sind die letzten Ziffern abgedeckt.

Eine der ersten Zürcher 900'000er Nummern, die in diesen Tagen abgegeben werden – aus Datenschutzgründen sind die letzten Ziffern abgedeckt. Bild: Strassenverkehrsamt Zürich

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Ein Ruhmesblatt ist es nicht, mit einer hohen sechsstelligen ZH-Nummer an seiner Karosse durch Zürich zu kurven. Nur ein blaues Lernfahrerschild ist noch schlimmer. Die 600'000-, 700'000- und 800'000er-Nummern sind Jungen, Ausländern und Zuzügern vorbehalten. Wer etwas auf sich hält, der organisiert sich eine vier- oder fünfstellige ZH-Nummer – oder wenigstens eine sechsstellige mit einer Schnapszahl oder sonst einer lustigen Kombination.

Seit 2006 versteigert der Kanton attraktive Nummern auf einer Onlineplattform. 36'900 Franken hat ein Automobilist 2012 an der Onlineauktion des Zürcher Strassenverkehrsamts bezahlt für die Schnapsnummer ZH 777 777. Zuvor wurden öffentliche Ganten durchgeführt. Immerhin 5250 Franken hat jemand vor zwei Wochen bezahlt für die doppelte Schnapszahl ZH 888 000.

Nummern so teuer wie ein Auto

Die weder runde noch schnapsige, aber immerhin vierstellige Nummer ZH 5579 hat vor einem Monat stolze 10'600 Franken gekostet – vielleicht ist der 5. Mai 1979 der Geburtstag des neuen Eigentümers. Die symmetrische Nummer ZH 2772 ging vor wenigen Tagen für 22'400 Franken weg – das ist etwa so viel, wie ein Mittelklasseauto kostet.

Beliebt und teuer sind auch immer Nummern mit der James-Bond-Kombination 007 sowie Zahlenstrassen oder sogenannte Palindromzahlen; das sind Zahlen, die von hinten und von vorne gelesen den gleichen Wert ergeben.

Das Problem mit ZH 1 000 000

Für Zürcher Nummernfetischisten ist am letzten Mittwoch eine neue Periode losgegangen. Andreas Koch, Leiter Zulassung, bestätigt, dass im Strassenverkehrsamt die 900'000er-Dekade begonnen hat. Rund 10'000 neue Nummernschilder gibt der Kanton Zürich pro Jahr heraus. Im Jahr 2026 wird also die Million erreicht sein. Die sieben Ziffern, die dann auf dem Schild Platz haben müssen, haben dem Bundesamt für Strassen (Astra) zuerst Kopfzerbrechen bereitet. Denn neben dem Zürcher- und dem Schweizer Wappen hats keinen Platz mehr.

Nun scheint die Lösung für das Millionenproblem gefunden, sagt Andreas Koch. Auf den Exportschildern – das sind jene mit dem roten Streifen für Fahrzeuge, die ins Ausland gehen – haben nämlich dank einer neuen, schlankeren Schablone des Astra sechs Ziffern und der rote Streifen Platz. Die neuen Ziffern seien auch durch die Polizei geprüft worden, sagt Andreas Koch, «damit sie von Radar- und Blitzkästen immer noch erkannt werden».

Stefan Hotan, Präsident der IG Schweizer Kontrollschilder, bezeichnet den 900'000er-Sprung in Zürich als historisches Ereignis. Bereits haben Vereinsmitglieder in Zürich erste 900'000er-Autos gesichtet und fotografiert. Hotan spaziert über Mittag jeden Tag eine Stunde durch die Stadt und studiert Kontrollschilder. Er ist in der Schweiz wohl der Nummernexperte schlechthin und kennt die Geschichte der Schilder so gut wie kein anderer.

ZH und AG gibts erst seit 1933

Als 1905 Nummernschilder eingeführt wurden, glaubte man noch an das Auto als vorübergehende Modeerscheinung. Für die ganze Schweiz waren bloss die Nummern 1 bis 9999 vorgesehen; Zürich kriegte die ersten 1000. Doch 1911 waren die zugeteilten Nummern bereits aufgebraucht, und es kamen Buchstaben dazu. Die zweistelligen alphabetischen Kurzzeichen für die Kantone, die heute jedes Kind kennt, wurden 1933 eingeführt. 1957 erreichte Zürich als erster Kanton die 100'000er-Marke – Zeit für ein neues Schriftbild und eine Verkleinerung des Schilderformats.

Die Nummer ZH 900 000 wird man auf Zürichs Strassen wohl frühestens an Weihnachten antreffen. Nummern, die Geld bringen, behält das Strassenverkehrsamt zurück und bringt sie dann in der Onlineversteigerung auf den Markt. Experte Stefan Hotan rechnet für ZH 900 000 mit einem Erlös von 20'000 bis 30'000 Franken. «Diese Nummer ist zwar historisch, aber die ganz grosse Magie fehlt ihr», sagt Hotan.

ZH 900 000 als Weihnachtsgeschenk?

Das Strassenverkehrsamt tendiere dazu, so Stefan Hotan, die teuren Nummern vor Weihnachten auf den Markt zu bringen – «zum Beispiel als Weihnachtsgeschenk an die Frau, das dann vor allem dem Mann gefällt». Solche Geschenke können gehörig ins Geld gehen. Die Nummer SG 1 hatte 2013 rekordhohe 135'000 Franken gebracht, gleich viel wie TI 10. Als teuerste Zürcher Nummer gilt die ZH 1000 mit 131'000 Franken.

Die Nummern ZH 1 bis ZH 999 werden im Kanton Zürich ausschliesslich als Händlerschilder mit der Zusatzbezeichnung «U» ausgegeben. Der Regierungsrat lehnte kürzlich einen Vorstoss von FDP-Kantonsrat Thomas Vogel ab, diese Nummern ebenfalls zu versteigern. «Da liegt viel Geld auf der Strasse», war Vogels Argument. Der Regierungsrat sah dies anders. Wenn der Markt mit den 1000 tiefsten Nummern geflutet würde, dann wären die vier- und die fünfstelligen Nummern kaum mehr etwas wert. Durch Nummernversteigerungen fliessen jedes Jahr 2,5 bis 3 Millionen Franken in die Staatskasse. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.09.2016, 11:57 Uhr

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