Peinlich für einen Obersparer

Als führungsstarker Baudirektor müsste Kägi seinen Gschpänli von der Justiz und der Polizei klare Grenzen setzen.

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Zehn Prozent Kostenüberschreitung sind im Vergleich zu anderen Gross­projekten kein Skandal. Pikant im Fall Strickhof ist vielmehr, dass sich immer wieder die von einem SVP-Regierungsrat geführte Baudirektion mit den Kosten vertut. Das Paradebeispiel ist und bleibt der 600 Millionen Franken teure «Justizpalast» PJZ. Dieser wurde so schwammig geplant, dass sich Mehrkosten mit zusätzlichen Raumwünschen laufend abwechseln. Als führungsstarker Baudirektor müsste Kägi seinen Gschpänli von der Justiz und der Polizei klare Grenzen setzen. Eine Entschuldigung kann man bei ihm allerdings gelten lassen: Nur wer baut, überschreitet regelmässig Kosten. Bei Schule, Justiz und Polizei ist Budgetieren viel einfacher.

Wer im Fall Strickhof versagt hat, kann auf die Schnelle nicht beurteilt werden. Immerhin fällt auf, dass es sich um ein renommiertes Planungsbüro handelt, das schon für ETH, Paul-Scherer-Institut und Max-Planck-Institut Hightech-Forschungsstätten gebaut hat. Dass diese Firma beim Bau eines Kuhstalles überfordert sein soll, ist kaum vorstellbar.

2019 hat die SVP Gelegenheit, einen führungsstärkeren Kandidaten aus dem Hut zu zaubern.

Häufigste Ursache für Baukonflikte sind knappe Kalkulation und nachträgliche Wünsche des Bauherrn. Ungewöhnlich ist deshalb, wie der Regierungsrat nun öffentlich dem Planer die Schuld in die Schuhe schiebt und dessen Leistung rügt.

Unschön für Kägi ist, dass seine SVP bei jeder Gelegenheit die Kosten senken und beim Personal von der Gesundheit über Schule und Justiz bis zum Naturschutz sparen will. Da passt es wie die Faust aufs Auge, wenn seine Projekte teurer werden und die Bau­direktion ihren Ruf zementiert, ineffizient zu arbeiten und bei Planungen immer wieder überfordert zu sein.

Nun Kägis Rücktritt zu fordern, wie es einige Linke wohl tun werden, ist reine Effekthascherei und vorgezogener Wahlkampf. Kägi wird 2019 aller Voraussicht nach sowieso nicht mehr antreten. Dann hat die SVP Gelegenheit, einen führungsstärkeren Kandidaten aus dem Hut zu zaubern. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.02.2017, 23:14 Uhr

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