Windeln wechseln? Nein, danke

Weil Kindergärtler immer jünger werden, sind beim Eintritt in den Chindsgi nicht alle trocken. Für die Verbände ist klar: Lehrpersonen wechseln keine Windeln.

Windelträger sind im Kindergarten gar nicht willkommen.

Windelträger sind im Kindergarten gar nicht willkommen. Bild: Esther Michel

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Heute werden die jüngsten Kindergärtler im Kanton Zürich schon mit vier Jahren eingeschult und «manche tragen noch Windeln und sind unfähig, selbständig auf die Toilette zu gehen», schreiben der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband (ZLV) und der Verband Kindergarten Zürich (VKZ).

Durch das in Kraft gesetzte Konkordat über die Harmonisierung der obligatorischen Schule (HarmoS) wird der Stichtag für den Kindergarteneintritt systematisch bis 2019/20 auf den 31. Juli verschoben. Als sich die Politik 2007 für HarmoS entschied, war Wickeln im Kindergarten noch kein Thema. Doch in der Praxis entwickle es sich zu einem «drängenden Problem», so die Lehrerverbände. Seien die Windeln voll, rufe die Lehrperson die Eltern an, «die meist aber nicht erfreut oder gar nicht erreichbar sind», sagt Barbara Schwarz, Mitglied der Geschäftsleitung bei ZLV und VKZ. Dann sind die Kindergärtnerinnen gezwungen, selbst Hand anzulegen.

In einem eben publizierten Positionspapier machen die Verbände ihre Haltung klar: «Lehrpersonen wickeln keine Kinder». Sie trügen die Verantwortung für über zwanzig Kinder und einen erfolgreichen Unterricht und deshalb gehöre Windelnwechseln nicht zu ihrer Arbeit. «Wenn ein kleiner Unfall passiert und niemand anders da ist», sagt Schwarz, «helfen wir selbstverständlich gerne – aber es muss eine Ausnahme bleiben, nicht die Regel».

Vom Wickelkind bis zu Einstein

Auf der Kindergartenstufe sei der Entwicklungsstand der Kinder ernorm unterschiedlich, sagt Schwarz. Das sei wohl die grösste Herausforderung. «Die Bandbreite reicht vom Wickelkind bis zum kleinen Einstein.» Komme hinzu, dass viele Kinder wenig oder gar keine Deutschkenntnisse hätten. «Deshalb ist eine gute Frühförderung zentral», sagt Schwarz. Diese Hintergründe seien zu berücksichtigen, wenn Schulen, Lehrpersonen, Elternverbände und Politik gemeinsam nach Lösungen für diese neue Herausforderung suchen müssten.

Die Verbände raten deshalb den Eltern schon vor dem Kindergarteneintritt, mit ihren Kindern den Gang zur Toilette zu üben. «Die Erfahrung zeigt», sagt Schwarz, «dass da noch einiges zu machen ist, auch noch kurz vor Kindergartenbeginn». Handle es sich aber um ein entwicklungpädiatrisches Problem, «so braucht es ein Sondersetting, eine Assistentin, die das Windelwechseln übernimmt». Denn vom Gesetz her sei nur das Alter des Kindes entscheidend, nicht sein Entwicklungsstand – «eine Kindergartenbereitsschaft gibt es nicht,» sagt Schwarz.
(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.06.2017, 16:01 Uhr

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