Zürcher Lehrer wollen eine Sprache weniger

Englisch und Französisch in der Primarschule sei Unsinn: Kinder lernten «von allem ein Bitzeli», aber nichts richtig. Eine Initiative soll das ändern.

Die Lernziele werden laut dem Lehrerinnen- und Lehrerverband verfehlt: Englischunterricht in einer Primarschule. Bild: Adrian Moser

Die Lernziele werden laut dem Lehrerinnen- und Lehrerverband verfehlt: Englischunterricht in einer Primarschule. Bild: Adrian Moser

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Nur eine Fremdsprache in der Primarschule lernen, die zweite erst in der Sekundarschule einführen- und nach neun Jahren dennoch auf dem gleichen Wissensstand sein wie heute: Das Zürcher Ja-Komitee zur Fremdsprachen-Initiative ist überzeugt, dass dies der richtige Weg wäre.

Es zeige sich immer deutlicher, dass die Kinder mit der heutigen Lösung weder die Lernziele im Französischen noch im Englischen erreichten, betonten die Vertreter des Komitees «Ja zur Fremdsprachen-Initiative» heute Dienstag in Zürich. Zudem stehe zu wenig Zeit zur Verfügung, um im Deutsch eine solide Basis zu schaffen.

Offen, ob Englisch oder Französisch

Mit der kantonalen Volksinitiative «Mehr Qualität - eine Fremdsprache an der Primarschule» wollen der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband (ZLV), die Zürcher Kantonale Mittelstufe (ZKM) und der Sekundarlehrerverband (SekZH) einen Systemwechsel im Kanton erreichen. Dahinter steht auch die Arbeitsgemeinschaft Schule mit Zukunft.

Heute beginnen die Zürcher Volksschüler mit der ersten Fremdsprache - Englisch - in der zweiten Klasse. Französisch kommt als zweite Fremdsprache ab der fünften Klasse dazu. Welche der beiden Sprachen aus der Primarschule verbannt würde, lässt die Initiative offen, über die das Zürcher Stimmvolk am 21. Mai befindet.

Zu wenig Zeit, schlechte Lehrmittel

Die Politik ignoriere die Erfahrungen aus dem Schulalltag, wird ZLV-Präsidentin Lilo Lätzsch in einer Mitteilung zitiert. Nicht nur würden die Schüler die Lernziele nicht erreichen, auch fehlten den Lehrpersonen die zeitlichen und finanziellen Ressourcen. Zudem kritisiert der ZLV die «mangelhaften Lehrmittel».

Die Initiative bedeute keine Abkehr vom Ziel der Volksschule, hält das Komitee fest. Die Lehrerverbände sind sogar überzeugt: Mit dem vorgeschlagenen Weg würden die Schüler nach neun Jahren alle drei Sprachen besser beherrschen als heute. In der Sekundarschule fiele den Kindern das Lernen einer Fremdsprache zudem leichter.

«Fastfood-Pädagogik»

Hinter der Idee stünden Fachleute fürs Lernen, die jeden Tag mit der Problematik konfrontiert seien, nicht «Schreibtischtäter oder Politiker», betonte Harry Huwiler, ZKM-Präsident, gemäss Mitteilung. Heute lernten die Kinder «von allem ein Bitzeli» aber nichts richtig. Diese «Fastfood-Pädagogik» bedeute viel verlorene Zeit. Der Zürcher Regierungsrat und der Kantonsrat sprachen sich gegen die Initiative aus. Nur die SVP, die EDU und ein Teil der Grünliberalen stimmten für die Vorlage. (hub/sda)

Erstellt: 04.04.2017, 11:41 Uhr

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