13 Prozent Zweitwohnungen in der Altstadt

Zweitwohnungen und Business-Apartments stehen im Ruf, den normalen Wohnraum zu verknappen. Das Amt für Statistik weiss jetzt, wie viele Zweitwohnungen es in Zürich gibt.

Business Apartments wie die von Swiss Star Apartments gelten als Zweitwohnungen. Ihr Anteil beträgt in der Stadt 3,3 Prozent.

Business Apartments wie die von Swiss Star Apartments gelten als Zweitwohnungen. Ihr Anteil beträgt in der Stadt 3,3 Prozent. Bild: Raisa Durandi

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Sie stehen immer wieder in der Kritik: Zweitwohnungen, die von ihren Besitzern nur gelegentlich benutzt werden und Apartments, die an globale Arbeitsnomaden oder Touristen vermietet werden. Das statistische Amt hat jetzt ermittelt, wie viele Zürcher Wohnungen auf diese Art genutzt werden. Dabei hat das Amt beide Nutzungsarten unter Zweitwohnung subsumiert. Gemeinsam ist ihnen, dass der Wohnraum nicht für ortsansässige Wohnungssuchende zur Verfügung steht.

AL-Gemeinderat Niklaus Scherr hatte 2009 in einer dringlichen Motion gefordert, die Bau- und Zonenordnung so zu ergänzen, dass Zweitwohnungen, Business-Apartments und Hotels in Entwicklungsgebieten nicht auf die Wohnanteilsfläche angerechnet werden. Der Stadtrat hat dies 2012 mit der Begründung abgelehnt, dass dafür die kantonale gesetzliche Grundlage fehle.

Dennoch hat er das statistische Amt beauftragt, den Anteil der Zweitwohnungen, über den bislang Unklarheit herrschte, zu ermitteln. In einem aufwändigen Verfahren fand das Amt heraus, dass in Zürich rund 7200 Wohnungen als Zweitwohnungen genutzt oder kommerziell bewirtschaftet werden. Gemessen an der Gesamtwohnungszahl von 218 900 Wohnungen sind das 3,3 Prozent. Dabei betont das Amt, dass es sich nur um eine Schätzung handelt.

In einigen zentralen Stadtgebieten liegt der Zweitwohnungsanteil weit über dem Zürcher Durchschnitt. So werden im Kreis 1, also in der Altstadt, 12,8 Prozent der Wohnungen nicht regulär vermietet. Der Quartierverein machte vor einigen Jahren auf Liegenschaften aufmerksam, die meist leer stehen. So werde eine Wohnung am Predigerplatz von einem Unternehmer und seiner Frau zum Beispiel nach Opernbesuchen genutzt. Eine andere Wohnung im Haus sei für Gäste. Quartiervereinspräsident Martin Brogli bezeichnete solche Liegenschaften als «Geisterhäuser».

Fluntern und Seefeld sehr beliebt

Als Zweitwohnsitz oder Business-Apartment beliebt sind auch Wohnungen am Zürichberg (Fluntern, Hottingen, Hirslanden). Der errechnete Anteil beträgt hier sechs Prozent. Im Seefeld kommt das statistische Amt auf einen Anteil von sieben Prozent. Wie das Amt schreibt, finden sich auch in der Enge, in Wiedikon, rund um die Langstrasse und im Escher-Wyss-Quartier mehr Zweitwohnungen als in anderen Quartieren. Hier seien in den letzten Jahren viele Neubauten mit Stockwerkeigentum gebaut worden, deren Eigentümer nicht in der Stadt ansässig seien.

Besonders niedrig ist der Zweitwohnungsanteil in Aussenquartieren wie Seebach, Affoltern oder Schwamendingen. Mit weniger als zwei Prozent Zweitwohnungen sei der Anteil der unklaren Fälle hier oft höher als derjenige der eindeutigen, schreibt das Amt für Statistik. Eine Meldepflicht für die Nutzungsart einer Wohnung gibt es nicht.

Anteil oft nicht eindeutig

Das Amt für Statistik hat darum ein Verfahren entwickelt, das sich immer wieder anwenden lässt und an der Zweitwohnungsdefinition des Bundes orientiert. Nicht als Zweitwohnungen gelten demnach Wohnungen von Studierenden, die noch in ihrer Heimatgemeinde gemeldet sind, oder von Wochenaufenthaltern. Auch Wohnungen, die bis zu zwei Jahre leerstehen, gelten nicht als Zweitwohnungen.

Nicht alle 28'500 Wohnungen ohne in Zürich gemeldete Bewohner seien deshalb Zweitwohnungen, schreibt das Amt für Statistik. Was die Business-Apartments anbelangt, hängt die Zuordnung davon ab, ob die Bewohner sich in Zürich anmelden. Als Zweitwohnung werden die Business-Apartments nur gezählt, wenn das nicht der Fall ist, weil der Mieter sich nur für kurze Zeit in Zürich aufhält. Der ermittelte Zweitwohnungsanteil sei darum immer eine Momentaufnahme, erklärt Urs Rey vom Amt für Statistik. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.11.2016, 13:06 Uhr

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