15 Berufsschullehrer werden an der Fachschule Viventa entlassen

Die geplante Neuorganisation der Fachschule Viventa in Wipkingen führt 2009 zu einem Stellenabbau bei den Lehrkräften.

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Die obligatorische Schulzeit ist vorbei, aber noch keine Lehrstelle in Aussicht: Was nun? Das ist das schlimmstmögliche Szenario für einen jungen Menschen in unserer Zeit. Deshalb hat der Staat gehandelt und Brückenangebote geschaffen: das 10. Schuljahr, die Berufswahlschule, die Integrationsangebote für Jugendliche und das Fortbildungsjahr. Die Auswahl ist so gross, dass sie auch unübersichtlich geworden ist. Bisher mussten sich Schülerinnen und Schüler an vier verschiedenen Orten anmelden, ohne Gewähr, dass sie an der von ihnen favorisierten Schule auch einen Platz fanden. Damit ist nun Schluss.

Alle Brückenangebote vereint

Seit den Sommerferien sind alle sogenannten Brückenangebote unter einem Dach vereint; und zwar unter dem Dach der Fachschule Viventa beim Wipkingerplatz in Wipkingen. Die Viventa muss wegen ihrer Vergangenheit als Haushaltsschule gegen ein verstaubtes Image ankämpfen. Zu Unrecht: Heute ist sie eine moderne Schule, die in das Schul- und Sportdepartement der Stadt Zürich eingegliedert ist.

Die Viventa betreibt 14 Schulhäuser, in denen 650 Schülerinnen und Schüler ausgebildet werden. Vorbei sind auch die Zeiten, an denen besonders schwierige Jugendliche in hauswirtschaftliche Fächer abgeschoben werden konnten. Alle Jugendlichen, die seit den Sommerferien die Fachschule besuchen, konnten laut Viventa-Rektorin Yvonne Kern ein ihren Wünschen entsprechendes Überbrückungsangebot wählen.

Der Umbau der Viventa ist noch nicht abgeschlossen. In einem zweiten Schritt werden die Inhalte vereinheitlicht. Das heisst, dass künftig nicht nur die Wünsche der Schüler über ihr Profil entscheiden sollen, sondern auch ihre Zeugnisse und die Erfahrungen aus Schnupperlehren. «Auf diese Weise können wir die Ausbildung optimieren und auf die Bedürfnisse der einzelnen Schülerinnen und Schüler abstimmen», sagt Yvonne Kern.

Die gesetzlichen Voraussetzungen dazu hat das Stimmvolk vor kurzem mit seinem Ja zum neuen Berufsbildungsgesetz geschaffen. Dieses Gesetz sieht vor, dass der Unterricht auf maximal 36 Lektionen pro Woche beschränkt wird. Das wiederum hat Folgen für die von der Viventa beschäftigten Lehrer: 15 Vollzeitstellen werden überflüssig. Laut Kern müssen mehrere Lehrerinnen und Lehrer entlassen werden. Selbst bevorstehende Abgänge und Pensionierungen ändern daran nichts: «Für Härtefälle ist ein Sozialplan vorgesehen.»

Gleichheit für alle

Trotzdem bereitet sich bei den betroffenen Lehrerinnen und Lehrern Unmut aus. Sie haben sich mit einem Brief an Stadtrat Gerold Lauber, den Vorsteher des Schul- und Sportdepartementes, gewandt. Darin befürchten sie wegen der Neuerungen Qualitätseinbussen bei der Ausbildung und kritisieren, dass durch die Gleichschaltung den Bedürfnissen vieler Schüler nicht mehr entsprochen werde.

Das bestreitet die Viventa-Rektorin energisch: «Wir schaffen die Ungleichheit ab», sagt sie. «Bisher sind die besten Schüler in Kleinklassen stärker gefördert worden. In den grösseren Klassen werden in Zukunft alle gleich behandelt.» Den Unmut der Lehrer kann Kern verstehen: «Wir nehmen ihnen Privilegien weg, die sie bisher hatten.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.10.2008, 22:05 Uhr

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