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26 Minikameras erfassten in Zürich 150'000 Autonummern

Mit einer automatischen Nummernschilderfassung wird die Auswirkung der Westumfahrung gemessen.

Nummernschilder-Guru: Peter Mehl erfasst mit seiner Spezialsoftware die vorbeibrausenden Autos.

Nummernschilder-Guru: Peter Mehl erfasst mit seiner Spezialsoftware die vorbeibrausenden Autos.
Bild: Tom Kawara

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Ihnen entgeht nichts: Kameras über der Seebahnstrasse. (Bild: Tom Kawara)

Peter Mehl sitzt entspannt in einem Lieferwagen vor der Post Wiedikon. Er hat in der Nacht kaum geschlafen, weil er installiert und getestet hat. Mehl und seine acht Mitarbeiter machen heute Mittwoch etwas, wofür es vor ein paar Jahren noch ein ganzes Heer an Leuten mit Notizblöcken, Tonbandgeräten und Videokameras gebraucht hätte. Er erfasst rund 150'000-mal Fahrzeuge, die von Osten nach Westen und von Norden nach Süden durch Zürich fahren.

Peter Mehl hat von 6 Uhr bis 20 Uhr an sieben Stellen in der Stadt und auf 26 Fahrspuren jedes Auto erfasst. Zum Beispiel hat die Nummer ZH 594?xxx um 8.45 Uhr die Duttweilerbrücke überquert und um 9.02 die Seebahnstrasse Richtung Autobahn nach Chur passiert. Der Fahrer hat also Durchgangsverkehr auf der ehemaligen Westtangente erzeugt. Im Gegensatz zur Nummer AG 183?xxx, die schon vorher in die City abgezweigt ist und Zielverkehr verursacht hat.

Software erkennt Nummern

Ziel der gross angelegten Verkehrszählung im Auftrag des Kantons: eine exakte Erfassung der Verkehrsströme zwischen den Stadtzufahrten im Westen, Norden und Süden sowie der Waldegg. Die genau gleiche Erhebung an den gleichen Standorten wurde im Sommer 2005 gemacht. Einziger Unterschied: Die Weststrasse ist heute gesperrt und dafür die Seebahnstrasse in beiden Richtungen befahrbar.

Peter Mehl, der im deutschen Kassel eine in Europa ziemlich einzigartige Firma für Messtechnik betreibt, ist der Guru für die Erfassung von Autonummernschildern. Seine Kameras hat er auf der Europabrücke an Beleuchtungsmasten, auf der Waldegg an der Fussgängerüberführung und vor der Post Wiedikon auf einer Hebebühne montiert. Auf dem Bildschirm im Lieferwagen rauschen die Autos wie im Film einer Überwachungskamera vorbei. Mit dem wesentlichen Unterschied, dass eine ausgeklügelte Software Nummernschilder erkennt, herausvergrössert, den Kontrast optimiert und zusammen mit der Durchfahrtszeit abspeichert.

Bei 95 Prozent der Schilder funktionierts

Bei 95 Prozent der Nummernschilder funktioniert die Software, die zunehmend auch von der Polizei für die Suche nach gestohlenen Fahrzeugen verwendet wird. «Schlecht für uns sind sehr schmutzige Nummernschilder», sagt Peter Mehl. Mühe hat die Software auch, wenn beispielsweise ein Solothurner sein Nummernschild mit einer dunklen Schraube im O befestigt. Dank Nachkontrolle von Auge kann auch ein Grossteil der restlichen Schilder erfasst werden. Alle Beteiligten an der Verkehrserhebung sind an den Datenschutz gebunden und müssen die erfassten Nummernschilder nach der Analyse löschen.

Für diese Analyse ist Verkehrsplanerin Sabine Schweizer der SNZ Ingenieure und Planer AG verantwortlich; sie hat die Daten bereits 2005 verarbeitet. Die studierte Umweltwissenschaftlerin hat zusammen mit den Projektleitern des Kantons den gestrigen Tag sehr bewusst gewählt: Ferien vorbei, Hardbrücke offen, Weststrasse zu. «Und die Autofahrer haben sich an die neue Signalisation gewöhnt», sagt Sabine Schweizer. Denn Abweichungen vom normalen Verkehrsstrom sind schlecht für die Analyse. «Würde es auf einer wichtigen Verbindung in der Stadt oder im Gubristtunnel einen grösseren Unfall geben, müssten wir morgen gleich nochmals von vorne beginnen», sagt Schweizer.

Weniger Durchgangsverkehr

Ein Vergleich der beiden Datensätze gibt Aufschluss über die Auswirkungen der Westumfahrung mit dem Uetlibergtunnel. Vor fünf Jahren hatte der Durchgangsverkehr auf der Westtangente einen Anteil von bis zu 70 Prozent. Heute erwartet man eine deutliche Senkung. Die Zahlen werden aber nicht vor Ende Jahr verfügbar sein

Mehr Nachrichten und Hintergründe aus der Stadt Zürich gibt es täglich im Regionalbund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an stadt@tages-anzeiger.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.09.2010, 23:37 Uhr

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21 Kommentare

Susanne Weber

18.09.2010, 19:08 Uhr
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an alle die aufschreien bezl. datenschutz: wieviele von euch nutzen cumulus, supercard, webmiles, kreditkarten, facebook, tankkarten, handy, google? eben! auch da wird alles gespeichert. und niemand weiss (in den allermeisten fällen) so wirklich für wie lange und wer dazu zugang hat. der gläserne bürger ist bereits realität, wenn man alle daten die man so von sich preisgibt zusammenlegen würde. Antworten


Rolf Bruhin

02.09.2010, 17:45 Uhr
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@Martin Wirth: Eine solche Einrichtung wird z.B. momentan im Arisdorftunnel installiert und nennt sich Abschnittsgeschwindigkeitskontrolle. Möglicherweise kann dort einen Datenmissbrauch durch technische Massnahmen (?) verhindert werden, bei dieser Übung in Zürich würde ich das nicht garantieren müssen. Man darf und sollte bei diesen Sachen schon ein bisschen sensiebel sein. Antworten


Martin Wirth

02.09.2010, 15:07 Uhr
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Der Coop weiss genau wann sie wieviel Bier gekauft haben, wie oft sie Sex haben (anhand der Daten der gekauften Kondome) etc. und da schreit keiner den es gibt ja Punkte für die man sich was kaufen kann. Hier werden nur die Autonummern erfasst der Verkehrsweg ausgewertet und dannach wieder gelöscht. Die Polizei nützt die gleiche Software und nicht die Daten der Erfassung zum Bsp. am Sihlquai. Antworten


Barbara Haller

02.09.2010, 14:49 Uhr
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Ich bin auf die Auswertung dieser Erhebung sehr gespannt. Ich denke nämlich ein grosser Teil des Verkehrs in Zürich ist leider Ziel- und nicht mehr Durchgangsverkehr. Ich denke der Datenschutz der Autofahrer ist aber bei der Erhebung ganz gut unter Kontrolle. Wem eine solche Erhebung nicht passt, soll eben nicht mehr Autofahren. Der Umwelt zuliebe :-) Antworten


Hans Meier

02.09.2010, 14:46 Uhr
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@ möchte-gern-Datenschützer Auf Grund welcher gesetzlicher Grundlage ist eine Autonummer ein schützenswerter Datensatz? Antworten


Sandor Megyessy

02.09.2010, 14:33 Uhr
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@Remo Gfeller: Weil man die Autos individuell voneinander unterscheiden muss. So weiss man wann welches Auto wohin fährt. Antworten


Lilly Schüpbach

02.09.2010, 13:46 Uhr
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Ich fühle mich kontrolliert in meinem Privatleben. Es ist mir nicht mehr wohl auf der Strasse mit den vielen Kameras, obwohl ich nichts zu verbergen habe. Antworten


Hans Meier

02.09.2010, 12:32 Uhr
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Danke, Christian Dürig, immerhin einer der es verstanden hat. Remo Gfeller, wie sollen Verkehrswege erfasst werden, wenn die Durchfahrstzeit am Punkt A vom Auto x am Punkt B nicht mehr dem Auto x zugeordnet werden kann? Um dies zu erreichen muss nunmal ein eindeutiges (und einfach erfassbares) Merkmal der Autos gewählt werden. Dazu bietet sich das Nummernschild offensichtlich ziemlich gut an. Antworten


Lukas Bachmann

02.09.2010, 12:15 Uhr
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Ich sehe schon den Sinn hinter einer solchen Aktion. Sonst schreit auch jeder zweite gleich los, wenns mal wieder übermässig Stau hat und fordert Sofortmassnahmen. Ist aber schon Krass, wie einige an Überwachungsphobie leiden. Möchte wissen, wieviele von denen ein Facebook-Profil betreiben. @Remo Gfeller: Damit man genau weiss, welches Auto Durchgangs- und welches Zielverkehr verursacht. Antworten


Rolf Bruhin

02.09.2010, 12:12 Uhr
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Es ist schon bedenklich, wie hemmungslos der Staat den Datenschutz verletzt. Nummernschilder werden ja auch bei der zukünftigen Überwachung der Durchschnittsgeschwindikeit von Fahrzeugen registriert. Daten gelangen gerne in falsche Hände, selbst bei den vermeindlich abgesicherten Banken. Datenklau und behördliche Helerei sind leider die Realität auf diesem Kontinent. Antworten


Oliver Horat

02.09.2010, 11:32 Uhr
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Ich verstehe diese Aufregung nicht: Es wird die Autonummer erfasst und nichts weiteres. Diese Nummer lässt höchstens den Halter ermitteln. Dies wird aber für diese Aufgabe nicht benötigt. @Hans Friedli: Ihre Schlüsse sind äussert interessant, aber wohl falsch. Antworten


Peter klotz

02.09.2010, 11:25 Uhr
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Wo ist der Datenschutz? Für was müssen die Nummern erfasst werden wenn es nur um die Auswirkung der Westumfahrung geht? Wieso setzt die Polizei diese Software auch ein, da wird doch die Unschuldsvermutung verletzt wenn präventiv alle Nummern erfasst werden? Wann werden die so erfassten Daten gelöscht? Wird die Öffentlichkeit mit Schildern auf die Erfassung hingewiesen? Antworten


Christian Dürig

02.09.2010, 11:16 Uhr
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Bitte bleibt doch sachlich und schreit nicht so nach Datenschutz. Gesucht wird hier nur die Auswirkung auf den Verkehr durch die baulichen Veränderungen. Antworten


Remo Gfeller

02.09.2010, 11:07 Uhr
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Ich verstehe bloss nicht weshalb man für diese "Zählung" unbedingt noch die Autonummern erfassen muss.. Antworten


Alex Fankhauser

02.09.2010, 10:47 Uhr
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Was hat das mit "Überwachung des Bürgers" zu tun, wenn die Verkehrsplaner wissen möchten, wie sich die Verkehrsströme verändern? Die Rohdaten werden ja anschliessend gelöscht. Oder glaubt jemand im Ernst, dass die noch nachrichtendienstlich ausgewertet werden, um zu schauen wo Herr Meier am 25. August durchgefahren ist? Ganz schön paranoid... Antworten


Eddy Keller

02.09.2010, 10:08 Uhr
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Jawohl Herr Haug, wollte gerade das selbe sagen. Im Bericht steht geschrieben, dass die Daten nachher gelöscht werden! Wer's glaubt , glaubt an den Weihnachtsmann. Die Polizei nutzt es um angebliche gestohlene Fahrzeuge zu suchen. Es wird ja aufgezeichnet von A nach B mit Uhrzeit, da kann man die durchschnitts Geschwindigkeit ausrechnen.. Alles klar? Antworten


Stefan J. Schmid

02.09.2010, 09:37 Uhr
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Ein privates Unternehmen verfolgt also individuell die Wege von Automobilisten. Datenschützer (öffentliche und selbsternannte) machen ein Riesengeschrei um Google (das letztlich nur zeigt, was jedermann sehen kann), aber der Staat stellt (nicht etwa nur in Zürich!) fest, wer wann wohin fährt. Wenn jemand Angst vor Big Brother hat, sollte er HIER eingreifen! Antworten


Walter Schmid

02.09.2010, 09:25 Uhr
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Unglaublich diese Überwachungsmentalität, das ist ja mittlerweile schlimmer, als im CIA-Land selber. Was passiert mit den Daten weiter? Antworten


Cedric Gehrer

02.09.2010, 09:12 Uhr
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Ja, exakt. Wie hält man es mit dem Datenschutz? Antworten


Hans Friedli

02.09.2010, 09:12 Uhr
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Kontrolle Total! Da werden also von unbescholtenen Bürgern Bewegungsprofile erstellt, gespeichert und sogar an deutsche Firmen geliefert, ohne dass der Datenschützer informiert wurde. Dieser kämpft halt lieber gegen Google und Co. anstatt gegen die Bespitzelung von friedlichen Bürgern. Die gesammelten Daten können bestens für Einbrüche und Erpressungen verwendet werden. Antworten


Daniel Haug

02.09.2010, 08:02 Uhr
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Und da regt sich einer über Google Street View auf? Antworten



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