3000 aus der Kanalisation gerettete Amphibien

Jahr für Jahr verendeten Tausende Frösche, Kröten und Molche in der Kläranlage Werdhölzli. Sie hatten keine Chance zum Herausklettern – bis die Stadt Ausstiegshilfen montierte.

In Sicherheit: Amphibien im rettenden Behälter. Video: Lea Blum

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Die Zahlen sind eindrücklich: Allein im letzten Jahr konnten in der Kläranlage Werdhölzli über 3000 Frösche, Kröten und Molche gerettet werden. Bis vor drei Jahren wären sie in den Klärbecken ertrunken und mit dem Klärschlamm gepresst und verbrannt worden. Damals haben Grün Stadt Zürich und Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ) sogenannte Ausstiegshilfen eingebaut. Rampen, auf denen die Amphibien die senkrechten Schacht- und Beckenränder überwinden können und in einen Behälter fallen. Dort sammelt sie ein Mitarbeiter ein und setzt sie ein- bis zweimal pro Woche in ihren natürlichen Lebensräume wieder aus.

Die Erdkröte dankt

Alfred Hofmann, Betriebstechniker im Werdhölzli, erklärt die Konstruktion: Die Amphibien, die via Strassenschächte in die Öl- und Sandfangbecken der Kläranlage gespült werden, suchen am Beckenrand vergeblich Halt. Die Kunststofframpen mit griffiger Unterlage sind direkt vor den Rechen installiert, welche die festen Gegenstände festhalten und heraufziehen. Die angeschwemmten Kröten, Frösche und Molche nutzen die Ausstiegshilfen, klettern die Rampe hinauf und plumpsen via einen Blechtunnel in einen Plastikbehälter. Dort nimmt sie Hofmann heraus und setzt sie im Hönggerberg-Wald oder in einem Teich auf dem Werdhölzli-Areal wieder aus. Hofmann führt über jede Art Buch. Den Grossteil machen Erdkröten, Gras- und Wasserfrösche sowie Bergmolche aus. Aber auch seltene Arten wie Feuersalamander, Kreuzkröten und Gelbbauchunken werden gerettet.

Doch nicht nur in der Kläranlage Werdhölzli hat die Stadt Zürich Mittel ergriffen, um Amphibien zu retten. Sie rüstete in den letzten Jahren auch über 1200 Strassenschächte (Dolen) entlang von Grünflächen wie Friedhöfen, dem Botanischen Garten oder um die ETH Hönggerberg mit Amphibienleitern aus, sodass die Tiere vorher aussteigen können und gar nicht mehr in die Kläranlage gelangen. Weitere Ausstiegshilfen sind geplant – Zürich hat punkto Amphibienschutz in der Schweiz eine Pionierrolle übernommen.

In Zukunft sollen solche Ausstiegshilfen schon bei Beginn von Strassenbauprojekten eingebaut werden; in der Stadt gibt es rund 60 000 Strassenschächte. Daneben hat die Stadt auch 400 Trottoirrampen gebaut. Dank diesen Rampen können die Amphibien das Trottoir überwinden und fallen weniger in den Entwässerungsschacht. Mit abgeschrägten Randsteinen kann dieses Hindernis ebenfalls auf einfache Art und Weise umgangen werden. Vor allem Erdkröten, Grasfrösche und Bergmolche landen auf dem Weg vom Überwinterungsquartier zum Laichgewässer in den Strassenschächten.

Hochgerechnet auf die ganze Stadt Zürich sind in der Vergangenheit jährlich mindestens 15 000 Tiere im Entwässerungssystem gelandet, wo sie nicht mehr herauskamen und ertranken. Mit den Froschleitern ist die Zahl der geretteten Tiere nun erheblich gestiegen: Im Oktober 2014 haben Mitarbeiter von Grün Stadt Zürich und Entsorgung + Recycling eine Erfolgskontrolle durchgeführt. Mit eindrücklichen Resultaten: Die Amphibienfunde in Schächten gingen nach dem Einbau der Ausstiegshilfen und Trottoirrampen massiv zurück. Es wurden in über tausend Schächten nur noch 77 Kröten, Frösche und Molche gefunden.

SRF 1 zeigt in «Netz Natur» am Donnerstag, 28. Mai, um 20.05 Uhr «Frösche & Co. – so ein Teich!». (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 12.05.2015, 08:38 Uhr)

So überleben Amphibien die Kläranlage

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