340'000 Franken um Betrunkene zu bewachen
Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 22.01.2010
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Ab dem 12. März hat die Stadtpolizei Zürich im Umgang mit schwer Betrunkenen ein neues Instrument. In der Hauptwache Urania wird eine sogenannte Ausnüchterungsstelle eröffnet. Dort werden vorwiegend alkoholisierte Jugendliche und junge Erwachsene bis zur Ausnüchterung festgehalten und medizinisch betreut.
Dabei kommen neben den vereidigten Polizisten auch Leute einer privaten Sicherheitsfirma zum Einsatz. Den Zuschlag für den 340'000-Franken-Auftrag wird voraussichtlich die Custodio AG erhalten. Dies geht aus einer Bekanntgabe im Amtsblatt vom Freitag hervor. Die Firma wird während eines Jahres jeweils an den Wochenenden im Einsatz stehen.
Beschwerdefrist noch nicht abgelaufen
Das Sicherheitsunternehmen ausgewählt hat das Polizeidepartement aus vier Bewerbern. Weshalb die Firma am besten für den Einsatz in den Ausnüchterungszellen geeignet sein soll, will die Custodio AG auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch nicht sagen.
«Custodio ist die führende Schweizer Unternehmung im Bereich Airport Security und bietet hochqualifizierte Dienstleistungen in den Bereichen Zutrittskontrollen, X-Ray-Screening, Zentralendienste und allgemeine Objektschutz-Dienste», schreibt die Firma auf ihrer Website.
Umstrittener Einsatz privater Sicherheitsleute
Weshalb eine Flughafen-Sicherheitsfirma den Auftrag erhalten hat, begründet die Polizei nicht konkret. «Die Firma ist ausgewählt worden, weil sie die geforderten Kriterien am besten erfüllt», sagt Robert Soos, Sprecher des Polizeidepartements. «Mehr können wir dazu nicht sagen, da die Beschwerdefrist noch nicht abgelaufen ist.»
Das Engagement einer privaten Sicherheitsfirma ist von Staatsrechtsprofessor Andreas Lienhard in der «NZZ am Sonntag» kritisiert worden. Er bemängelt, dass dadurch das Gewaltmonopol des Staats tangiert werde. Besonders beim Einsatz gegen alkoholisierte Jugendliche sei das heikel, wie Lienhard sagte. Bisher sind Betrunkene Unruhestifter in Regionalwachen festgehalten worden. Diese verfügen jedoch nicht über das Personal, die Betroffenen fachmännisch zu betreuen.
Zu Details des Betriebes und den gesamten Kosten der Ausnüchterungszelle will das Polizeidepartement noch keine Angaben machen. Bisher ist bekannt, dass die Betrunkenen den Aufenthalt in einer Zelle selber berappen müssen. Kosten wird dies voraussichtlich 1200 Franken. Über die neue Einrichtung wird die Polizei laut Soos am 9. März umfassend informieren. Drei Tage später wird der Betrieb aufgenommen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.01.2010, 17:17 Uhr



