4 Sprachen, 3 Pässe, 1 Heimat
Von Denise Marquard. Aktualisiert am 23.02.2012 85 Kommentare
Einbürgerungsgeschichten:
TA-Serie vor der Abstimmung
Am 11. März stimmt der Kanton Zürich darüber ab, ob er das Bürgerrechtsgesetz verschärfen soll. Der «Tages-Anzeiger» hat Menschen getroffen, die in unser Land eingewandert waren und dann Schweizer werden wollten. Sie erzählen, was sie dabei erlebt haben, was sie an ihrer neuen Heimat schätzen und was weniger. Ihre Einbürgerungsgeschichten erscheinen diese Woche täglich im Zürich-Bund. (sch)
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Einen kanadischen und einen französischen Pass hatte Mélanie Lacroix bereits. Als die 24-jährige Studentin letztes Jahr auch noch Schweizerin wurde, feierte sie trotzdem eine Party. «Heimat ist dort, wo ich mich zu Hause fühle», sagt sie. «Wo ich mich auskenne, gute Freunde habe und mich beruflich und privat auf die Zukunft freuen kann. Und das ist zurzeit die Schweiz.»
Mélanie Lacroix ist kosmopolitisch aufgewachsen. Geboren und zur Schule gegangen ist sie in Québec, im französischen Teil von Kanada. Bis zu ihrem 15. Lebensjahr lebte sie auch je ein Jahr in Paris und Lausanne. Dann trat ihr Vater einen Job in Zürich an, und Mélanie und ihre Geschwister hatten ein grosses Problem: Sie sprachen kein Wort Deutsch und kannten keinen Menschen. «Ich war Teenager. Und mit 15 Jahren sind Freunde das Wichtigste.»
Als die Erinnerungen ankamen
Bei ihrer Ankunft in Zürich waren die einzigen Worte, die sie auf Deutsch beherrschte: «Ich bin Mélanie und komme aus Kanada.» Der Anfang war hart. Die fünfköpfige Familie wohnte in einer möblierten Wohnung im Flunternquartier. «Zuvor hatten wir stets in Häusern gelebt. Jetzt waren wir auf engem Raum zusammengepfercht.» Der Teenager wurde ins Gymnasium Riesbach aufgenommen, zunächst nur provisorisch. Immerhin wurde der Unterricht dort zweisprachig angeboten, auf Deutsch und Englisch. «Während der ersten drei Monate verstand ich nur Englisch.»
Auch in der Freizeit war sie alles andere als glücklich. «Ich vermisste die Freunde, den Schnee, die französische Kultur, den Ausgang.» Sie wurde zwar überall freundlich behandelt, aber nirgends wirklich aufgenommen. «In Kanada hat man schnell Freunde», sagt sie. «In der Schweiz dauert es länger, dafür entstehen Freundschaften fürs Leben.»
Zum Glück zügelte die Familie bald von der engen Wohnung am Zürichberg in ein Haus in Kilchberg. Mit den Möbeln aus Kanada kamen auch die vielen kleinen Erinnerungen zurück: «Das war der Moment, in dem ich begann, mich zu Hause zu fühlen und die beiden Leben miteinander zu verbinden.» In Kilchberg wechselte auch in der Familie die Sprache. «Wir stellten von Französisch auf Englisch um», erzählt Mélanie, «weil die Deutschschweizer lieber Englisch als Französisch sprechen.»
Via Englisch kam Mélanie aufs Deutsche. Nach zwei Jahren verstand die damals 17-Jährige problemlos Hochdeutsch. Schweizerdeutsch sprechen war noch unmöglich. Aber sie schaffte es, die Matura auf Deutsch abzulegen, worauf sie «richtig stolz» war. Trotzdem kämpfte sie nun mit einem Identitätsproblem. Was war sie eigentlich? Kanadierin, Französin oder Schweizerin? In einem Zwischenjahr in Edmonton, Alberta, wollte sie das herausfinden.
«Ich lebte bei Verwandten, arbeitete in einem Café und belegte an der Uni Kurse.» Nun fehlte ihr in Kanada, was sie in der Schweiz vermisst hatte: Freunde, die Vielsprachigkeit und ihre Familie. Nach einem Jahr kehrte sie zurück, um Englisch und Französisch zu studieren.
Warum eigentlich einbürgern?
Inzwischen beherrscht die Studentin auch die soziale Sprache der Schweiz, den Dialekt. Damit ist sie durch und durch Schweizerin geworden. Nichts verrät mehr ihre kanadische Herkunft. Trotzdem war sie überrascht, als ihre Eltern sie und die Schwester einbürgern lassen wollten. «Zuerst wollte ich gar nicht, bis mir meine Mutter verständlich machte, dass der Schweizer Pass uns einige Erleichterungen bringen würde.»
Mélanie ist nun bestens integriert. Nebst dem Studium jobbt sie in einem Café und verdient zusätzlich mit Auftritten in einem A-cappella-Chor namens Dezibelles ihr Geld. Die Einbürgerungsprozedur war für sie ein harmloser Spaziergang, den sie locker absolviert hat. Etwa das Gespräch mit zwei Gemeinderäten darüber, wie sie sich Integration vorstelle. Seit einem Jahr ist sie eingebürgert, seit drei Wochen besitzt sie den roten Pass. «Er macht mich stolz, aber gebraucht habe ich ihn noch nicht.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 23.02.2012, 10:19 Uhr
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85 Kommentare
Ein albernes Beispiel. Probleme machen nicht Leute wie Frau Lacroix, die den Schweizer Pass gar nicht nötig hätten, sondern diejenigen die davon profitieren wollen ohne etwas dafür geben zu wollen. Kann mich den guten Wünschen nur anschliessen. Antworten
Zürich
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

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