Abrechnung mit Waffen unter Fans des FC Zürich
Von Dario Venutti. Aktualisiert am 29.04.2009
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Vor zweieinhalb Jahren solidarisierten sich die FCZ-Fans aus der Südkurve mit dem K4 (Abkürzung für Kreis 4) und boykottierten einige Spiele, nachdem der Verein ein kollektives Stadionverbot gegen diese sowie die Gruppierung Prolls verhängt hatte. Am letzten Sonntag nun setzte die Südkurve selber durch, was der FCZ damals beabsichtigt hatte: Sie verhinderte, dass Mitglieder des K4 das Spiel gegen YB besuchen konnten, und zwar gewaltsam.
Rund zwei Stunden vor dem Spiel prügelten sich die beiden Seiten zunächst auf dem Parkplatz hinter der Osttribüne und kurze Zeit später nochmals in der Nähe der Tramhaltestelle Letzigrund. Die erste Konfrontation hatte die Polizei mit Gummischrot aufgelöst. Laut ihren Angaben waren rund 100 Fans beteiligt, gemäss einem Augenzeugen gegen 120. Die Schlägerei war von «aussergewöhnlicher Brutalität» geprägt gewesen, wie ein weiterer Augenzeuge sagte. Die Fans liessen nicht allein die Fäuste sprechen, sondern setzten auch Waffen ein: Eisenstangen, Eisenketten, Hammer und Holzlatten. Gegen am Boden liegende Personen wurde nachgetreten.
Die Polizei soll zugeschaut haben
Über die zahlenmässigen und waffentechnischen Kräfteverhältnisse liegen unterschiedliche und sich teilweise widersprechende Angaben vor. Laut Polizei mussten drei Personen ambulant behandelt werden, unter anderem wegen Rissquetschwunden. Für Aussenstehende ist es erstaunlich, dass niemand verhaftet wurde. «Die Polizei verhaftet Personen, wenn eine Straftat vorliegt und es verhältnismässig ist. Beides war nicht der Fall», sagt Polizeisprecher Marco Cortesi. Gemäss einem Augenzeugen hat die Polizei während der zweiten Schlägerei lediglich zugeschaut und sich darauf beschränkt, die Umgebung abzusperren. Cortesi bestreitet dies.
Sicher ist, dass der K4 den Kampf verlor und so für Vorkommnisse während der Rückrunde der Fussballmeisterschaft abgestraft wurde. Der schon Jahre dauernde Konflikt hat sich in den letzten Wochen zugespitzt und zahlreiche Auseinandersetzungen und Schlägereien verursacht. Verschärft wurde er dadurch, dass der K4 seit einiger Zeit von der Gruppierung Locherguet-Jungs unterstützt wird. Diese Gruppe machte im letzten Herbst Schlagzeilen, weil sie gegenüber GC-Fans gewalttätig wurde. Die Locherguet-Jungs sollen kürzlich in ein Lokal der Südkurve eingebrochen sein und dort pyrotechnisches Material gestohlen haben. Laut einer gut informierten Quelle haben K4-Fans am Spiel in Bern vor einigen Wochen zwei Mitglieder einer tragenden Südkurvengruppierung spitalreif geschlagen.
Kollektives Stadionverbot?
Der Beginn des Konflikts lässt sich ziemlich genau auf die Eröffnung des neuen Letzigrundstadions datieren. Der K4 forderte beim ersten Spiel, seine Zaunfahne aufhängen zu können, während die andern Gruppierungen darauf bestanden, keine Fahnen von einzelnen Gruppierungen, sondern das grosse, übergeordnete Südkurventransparent auszurollen. Im Winter vor einem Jahr spaltete sich der K4 von der Südkurve ab und ist seither in keinen Strukturen mehr integriert. Die Gruppierung gab damals zu, zusammen mit den Prolls und 1.-Mai-Krawallanten am Spiel FCB - FCZ im Mai letzten Jahres einige der rund 12 bengalischen Fackeln auf Zuschauerränge geworfen zu haben. Dabei wurden zwei Personen leicht verletzt. Laut der Basler Staatsanwaltschaft wird gegen acht Tatverdächtige wegen Verdachts auf vorsätzliche schwere Körperverletzung und versuchte Tötung ermittelt.
Gemäss FCZ-Präsident Ancillo Canepa wollte der Verein gegen den K4 und die Locherguet-Jungs vorgehen, weil die beiden Gruppierungen eine sich auf die Nazis beziehende Fahne zeigten und im Heimspiel gegen Aarau durch Hitlergrüsse auffielen. Der FCZ liess das Ansinnen jedoch fallen. Tatsächlich liegt laut Georg Kreis, Präsident der Eidgenössischen Rassismuskommission, kein Verstoss gegen das Antirassismusgesetz vor. Eine Gesetzesrevision, die solche Symbole unter Strafe stellen wollte, wurde gemäss Kreis von Christoph Blocher in dessen Zeit als Justizminister schubladisiert.
Ob der FC Zürich wie bereits vor zweieinhalb Jahren ein kollektives Stadionverbot verhängen will, lässt Canepa offen. «Ich möchte nicht alle in den gleichen Topf werfen», sagt er. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 29.04.2009, 06:36 Uhr


































