Absteigen und schieben?

Obwohl die Pfingstweidstrasse eben erst komplett erneuert wurde, leuchten dort alte Ampeln. Damit fehlen Velofahrern die Grünphasen.

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Stolz präsentierte der grüne Polizeivorsteher Daniel Leupi letzte Woche das Projekt Velo-Grid, mit dem er die Lücken im Fahrradwegnetz schliessen und die Routen verbessern will. Zum Massnahmenpaket gehört auch die Anpassung der Ampelsysteme: Neue Velo-Ampeln und Lichtsignale mit sogenannten Kombimasken, auf denen sowohl Velos als auch Fussgänger bezeichnet sind, sollen Vortrittsrechte klären.

Doch ausgerechnet entlang der Pfingstweidstrasse, die erst im vergangenen Herbst eröffnet und nach neustem Standard ausgebaut wurde, sind noch die alten Ampeln angebracht – und das selbst bei Zebrastreifen eines Fuss- und Veloweges. Radfahrer müssten hier also gemäss geltenden Verkehrsregeln absteigen und ihr Velo schieben. Diese besagen, dass nur Fussgänger auf Zebrastreifen ein Vortrittsrecht haben.

Umrüstung hat eben erst begonnen

Bei der Dienstabteilung Verkehr der Stadt Zürich ist der Fehler bekannt. «Wir haben eben erst damit begonnen, die Ampelanlagen mit den Kombi-Ampelbildern umzurüsten. In absehbarer Zeit werden alle diese Anlagen angepasst», erklärt Mediensprecher Heiko Ciceri gegenüber Tagesanzeiger.ch. Momentan sei man zudem daran, an rund 20 weiteren Übergängen in der Stadt eine solche Änderung zu prüfen. «Wann diese Umrüstung abgeschlossen sein wird, lässt sich derzeit noch nicht sagen.»

Velofahrer müssen allerdings nicht extra aus dem Sattel steigen, bis die Lichtanlagen an der Pfingstweidstrasse angepasst sind. «An dieser Stelle dürfen sie weiterfahren, auch wenn kein Fahrrad auf der Ampel zu sehen ist: Der Übergang von einem Fuss- und Veloweg ist hier ja ganz klar bezeichnet», betont Ciceri.

Mängel schon seit Herbst 2011 bekannt

Dave Durner, Geschäftsführer von Pro Velo Zürich, hat bereits im Herbst 2011 auf die Fehler im Velonetz entlang der Pfingstweidstrasse und im Raum Escher-Wyss-Platz aufmerksam gemacht. «Wir haben zusammen mit dem Velobeauftragten der Stadt Zürich und der Dienstabteilung Verkehr eine Begehung gemacht. Dabei haben wir auch bemängelt, dass auf den Ampeln nur für die Fussgänger eine Grünphase angezeigt wird», sagt Durner. «Damals hat man uns noch erklärt, dass man dies bei den zuständigen Behörden so entschieden habe und dass es so bleiben werde.»

Pro Velo hat daraufhin einen entsprechenden Vorstoss bei der Stadt eingereicht. «Nun hat man eingesehen, dass man die Ampelanzeigen anpassen sollte. Ich finde es schön, wenn man so den Velofahrern zeigt, dass sie auch dazugehören», freut sich Durner.

Mehr Verständnis für Velofahrer

Dass die Anpassung der Ampelanlagen nur schrittweise vonstattengeht, findet er nicht weiter schlimm: «Ich bin schon zufrieden, wenn die Verbesserungen nach und nach stattfinden.» Überhaupt habe sich die Haltung der städtischen Behörden gegenüber den Anliegen der Velofahrenden in den vergangenen Jahren sehr stark verändert. «In den meisten Fällen wird bei der Dienstabteilung Verkehr rasch gehandelt, wenn man eine problematische Stelle im Strassennetz meldet. Die Sache wird vor Ort überprüft, und Änderungen werden rasch vorgenommen, wenn sie machbar sind.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 11.06.2012, 11:44 Uhr)

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