Affoltemer Autobahn unter Dach und Fach

Die Nordumfahrung beim Katzensee soll auf 600 Metern Länge überdacht werden. Damit korrigiert der Bund eine alte Planungssünde. Seebach dagegen droht leer auszugehen.

Hier sollen in zehn Jahren Bäume und Magerwiesen blühen: Blick von der Horensteinbrücke auf die A1 Richtung Gubrist.

Hier sollen in zehn Jahren Bäume und Magerwiesen blühen: Blick von der Horensteinbrücke auf die A1 Richtung Gubrist. Bild: Beat Marti

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Seit letzter Woche ist es klar: Nach Schwamendingen erhält auch Affoltern seine Autobahn-Einhausung. Der Bund will die A1 beim Katzensee auf 580 Metern Länge überdachen. Frühstens 2016 soll sich der Deckel schliessen.

Die Einhausung reicht von der Katzensee- bis zur Horensteinstrasse. Die beiden bisherigen Brücken werden abgerissen und die Strassen neu über den Deckel geführt. «An den Wänden zum Tunnel schütten wir Böschungen auf. Magerwiesen, Büsche und Bäume werden den Deckel überziehen», sagt Florian Mehnert, Projektleiter beim Bundesamt für Strassen. Der durchgehende Übergang soll Kleintieren das Überqueren der Strasse erleichtern. Und die Ausflügler können das Gebiet wieder als zusammenhängende Landschaft nutzen. «Ausserdem reduziert sich der Lärm für das Quartier», sagt Cornelia Schreier vom Tiefbaudepartement.

Die Stadt begrüsst die Einhausung. «Damit wird ein Planungsfehler aus den 70er-Jahren wiedergutgemacht», so Schreier. Das Gebiet rund um den Katzensee steht nämlich seit 1915 unter Naturschutz. Seit 1977 gilt es sogar als Landschaft von nationaler Bedeutung. Doch in den frühen 80er-Jahren zählte unbegrenzte Mobilität mehr als unversehrte Natur. Trotz grossem Widerstand aus dem Quartier zog der Bund die vierspurige Strasse durch die Moorlandschaft.

Klar also, dass man sich in Affoltern freut. «Das tut unserem Quartier gut», sagt Quartiervereinspräsidentin Doris Weber, Ganz zufrieden gibt sie sich aber nicht. In einer Unterschriftensammlung forderte der Quartierverein eine längere Überdachung, die vom Katzensee bis zur Glattalstrasse führen sollte. «Ausserdem leidet Affoltern unter weiteren Verkehrsproblemen», sagt Weber. Derzeit würden viele Autofahrer die Zehntenhausstrasse als Schleichweg für die verstopfte Autobahn missbrauchen. «Wir wollen nicht acht Jahre warten, bis dieses Problem gelöst wird.»

Seebach will kämpfen

Enttäuschung herrscht dagegen in Seebach, denn das Quartier droht leer auszugehen. Der Bund hat eine früher projektierte Einhausung zwischen Rümlang und Seebach aus seiner Planung gestrichen. Gemessen an den Kosten bringe eine solche zu wenig. «Man teilte uns schriftlich mit, dass die Überdachung zu teuer kommen würde», sagt Quartiervereinspräsident Peter Bielmann. Heute Abend trifft er sich mit anderen Exponenenten aus Zürich-Nord, um zu beraten, wie man die Behörden doch noch umstimmen könnte. Mit seinem Frust ist Seebach übrigens nicht allein. Auch Weiningen auf der anderen Seite des Gubrists will für seine gestrichene Einhausung kämpfen.

Der Autobahndeckel in Affoltern entsteht parallel zum Ausbau der Zürcher Nordumfahrung. Diese wird durchgehend auf sechs Spuren erweitert, der Gubristtunnel erhält eine dritte Röhre. Die Gesamtkosten des Projektes, für die mehrheitlich der Bund aufkommt, betragen 940 Millionen Franken. 110 Millionen soll die Affoltemer Einhausung kosten. Stadt und Kanton beteiligen sich an diesem Betrag. In welcher Höhe ist aber noch offen. «Die Verhandlungen laufen», sagt Cornelia Schreier. Baubeginn ist frühstens 2010. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.09.2008, 23:51 Uhr

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