Zürich

«Alarmglocken läuten, wenn eine Siedlung für kinderreiche Familien entsteht»

Interview: Tina Fassbind. Aktualisiert am 24.01.2012 9 Kommentare

In vier Jahren werden die geburtenstarken Jahrgänge eingeschult. Schon jetzt werden Provisorien eingesetzt, um die steigenden Schülerzahlen aufzufangen. Gehen der Stadt die Schulzimmer aus?

1/9 Bauen macht Schule: In diesem Jahr sind mehrere Um- und Neubauprojekte an städtischen Schulanlagen geplant oder bereits in Ausführung. Unter anderem soll der heute leerstehende Pavillon beim Schulhaus Allenmoos II umgebaut werden.
Bild: Hochbaudepartement der Stadt Zürich

   

«Wir bauen die Schulhäuser nicht, um Familien ins Quartier zu locken»: Marc Huber, Mediensprecher der Immobilienbewirtschaftung der Stadt Zürich. (Bild: PD)

Platz im Schulzimmer oder im Pavillon? Kinder bei der Einschulung in Zürich. (Bild: Keystone )

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Herr Huber, steuert die Immobilienbewirtschaftung der Stadt Zürich auf einen Schulzimmerengpass zu?
Wir sind tatsächlich mit stark steigendem Schulraumbedarf konfrontiert: Die Anzahl Schülerinnen und Schüler steigt. Wir haben den Volksauftrag zum Ausbau der Betreuung und neue pädagogische Konzepte verlangen beispielsweise nach Gruppenräumen. Das ist eine enorme Herausforderung. Aber selbstverständlich schaffen wir für alle Kinder Platz. Vielleicht ist dieser aber auch mal in einem Züri-Modular-Pavillon. Das hat mit unserer Vorgehensweise zur Deckung des Raumbedarfs zu tun.

Wie sieht diese Vorgehensweise aus?
Ein Schulhausneubau will sehr gut überlegt sein. Der generelle Hinweis darauf, dass geburtenstarke Jahrgänge eingeschult werden oder dass irgendwo gebaut wird, nützt uns bei der Planung wenig. Wir sind auf möglichst genaue Prognosen zur Schülerentwicklung angewiesen und müssen quartierscharf wissen, wo diese Kinder dereinst zur Schule gehen werden. Diese Basisdaten erhalten wir von der städtischen Fachstelle für Schulraumplanung.

Welche Informationen sind relevant für Sie?
Unser Interesse gilt vor allem den potenziellen Familienwohnungen. Wir versuchen bei der Bauherrschaft frühzeitig herauszufinden, in welchem Preissegment sich das Angebot in etwa bewegen könnte. Und die Alarmglocken läuten natürlich, wenn eine Siedlung für kinderreiche Familien entsteht.

Ist es nicht schon zu spät, wenn die Alarmglocken bereits läuten?
Nein, die ersten Anzeichen sind noch zu ungenau, um darauf wortwörtlich ein neues Schulhaus zu bauen. Wir warten ohnehin präzisere Prognosen ab. Aber das ist natürlich eine Gratwanderung, denn wir möchten für den Ansturm gewappnet sein. Doch mit der Verdichtung auf bestehenden Schulanlagen und den Züri-Modular-Pavillons haben wir bewährte Methoden, um die Schülerzahlen bis zu einem gewissen Grad aufzufangen.

Was meinen Sie mit Verdichtung auf bestehenden Schulanlagen?
Zum Beispiel eine Mehrfachbelegung der Schulzimmer. Bevor wir Pavillons aufstellen oder ein Gebäude gar erweitern, analysieren wir den Schulbetrieb. Die Sanierung der Schulanlage Dötschi ist ein gutes Beispiel dafür: Die für den modernen Unterricht notwendigen Gruppenräume hätten im bestehenden Volumen nicht untergebracht werden können. Anbauten wären teuer geworden. Doch eine detaillierte Nutzungsanalyse nach Raum und Zeit zeigte, dass die bestehenden Klassenzimmer häufig genug leer stehen, um in dieser Zeit von anderen Klassen als Gruppenräume benutzt zu werden. Anstelle von grossen baulichen Eingriffen wurden lediglich zwei Massnahmen nötig: Neue Verbindungstüren zwischen den bestehenden Klassenzimmern und Schränke für alle Schüler, damit persönliche Gegenstände nicht mehr in den Klassenzimmern gelagert werden müssen. Um Kosten zu sparen, sind wir bei Platzproblemen auch in Zukunft auf kreative Lösungen angewiesen.

Und auf Pavillons?
Zur provisorischen Deckung von Raumbedarf sind Züri-Modular-Pavillons ideale Mittel. Diese Pavillons sind viel günstiger als definitiver Schulraum und sind innerhalb von rund einem Jahr bezugsbereit. Wenn sie nicht mehr gebraucht werden, können sie zudem an einen neuen Standort gezügelt werden.

… bleiben vorher aber über Jahre hinweg stehen, wie beispielsweise bei der Schule Kornhaus.
Die stehen tatsächlich schon sehr lange dort. Das liess sich in diesem Fall aber nicht vermeiden. Denn das Schulhaus Kornhaus steht mit der weiteren Schulraumplanung im Kreis 5 im Zusammenhang. Da können wir den nächsten Schritt erst Ende 2015 machen, wenn wir das Schulhaus Heinrichstrasse vom Kanton übernehmen.

Bleiben wir in Zürich-West. Dort hat es zwar eine neue Tramlinie für die neuen Quartierbewohner. Schulen für die Kinder, die damit auch kommen werden, gibt es aber keine.
Das ist so. Aber ein Schulhaus war bisher auch nicht nötig, weil in diesem Gebiet nur Arbeitsplätze und keine Wohnräume entstanden sind. Mit der Besiedelung durch Familien hat es vor einiger Zeit am nördlichen Rand angefangen. Diese Kinder gehen derzeit in die Schulanlage Am Wasser in den Unterricht.

Wie sieht die Planung weiterer Schulhausbauten in Zürich-West aus?
Wir wollen auf dem Pfingstweidareal gleich neben dem geplanten Park ein neues Schulhaus errichten. Der Bezug ist aktuell auf 2021 geplant. Nun wird aber die Kritik laut, dass der Standort aufgrund der Feinstaubbelastung durch die nahe Pfingstweidstrasse für ein Schulgebäude ungeeignet ist.

Eine berechtigte Kritik?
Der Wahl dieses Standorts ist eine lange Evaluationsphase von rund einem Dutzend Standorten vorausgegangen. Es ist sehr schwer, im Gebiet Zürich-West ein adäquates Areal für ein neues Schulhaus zu finden. Wir sind aber davon überzeugt, dass dieser Standort der beste ist. Mit der Positionierung und der Konstruktion des Schulhauses tragen wir weiter dazu bei, einen attraktiven Schulbetrieb zu ermöglichen. Und ganz grundsätzlich: Wir bauen ja nicht Schulhäuser, um Familien ins Quartier zu locken. Wir bauen sie dann, wenn der Bedarf da ist. Wir dürfen also feststellen, dass sich zahlreiche Familien für Zürich-West entscheiden – im vollen Wissen über die Vorzüge und die Nachteile dieses sehr urbanen Umfelds.

Auch Affoltern ist ein Boomquartier von Zürich. Dort soll bis Frühjahr 2016 ein Schulhaus für 400 Kinder gebaut werden. Was geschieht mit diesen Schülern, wenn der Kredit dafür nicht bewilligt wird?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich jemand gegen den Bau dieser Schule stellen wird. Der Bedarf ist klar ausgewiesen, das Quartier wünscht sich den Neubau schon lange. Und kürzlich haben wir das Projekt ja auch nochmals überarbeitet, um die Kosten zusätzlich zu senken. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.01.2012, 12:40 Uhr

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9 Kommentare

Markus Sennheiser

23.01.2012, 13:24 Uhr
Melden 5 Empfehlung

Es wird eben schon lange nicht mehr zweckmässig gebaut. 2 der 3 schuhlhäusern in meiner gemeide sehen wie Moderne Kunstgalerien aus. der platz um die Klassenzimmer belegt fast mehr fläche als die Klassenzimmer selbst. vergleichbar mit den oben gezeigten Bildern. Dabei ist es definiert dass die Schüler ihre Pausen draussen absolvieren müssen. also für was dies Architektonisches aufwand / kosten ? Antworten


Stefan Werner

23.01.2012, 13:24 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Eigentlich ist es ja schon witzig wie je nach momentanem Argumentationsbedarf nach Belieben Kinderschwemme, Kindermangel, Überalterung, Aussterben der Schweizer, Überbevölkerung, ansteigende Lebenserwartung und vermehrte Krankheiten mit sinkender Lebenserwartung aus dem Hut gezaubert werden. Man kann ganz offensichtlich mit Statistiken alles beweisen, was man will, problemlos auch das Gegenteil. Antworten



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