Alkohol für Jugendliche: Riesige Bussen

Wer einem Jugendlichen Alkohol abgibt, muss neu mit Bussen bis zu 50'000 Franken rechnen. Die Behörden werden aber nur bei drastischen Fällen wie Alkoholvergiftungen einschreiten.

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An der Street Parade vom vergangenen Wochenende floss der Alkohol in Strömen, obwohl es weniger Exzesse gab als zuerst befürchtet. Im Heer der Angetrunkenen und Betrunkenen fanden sich viele Jugendliche – und dies, obschon seit dem 1. Juli kantonsweit verschärfte Regeln für den Zugang zu Alkohol gelten. Das kantonale Gesundheitsgesetz verbietet nicht nur den Verkauf, sondern neu auch die kostenlose Weitergabe von alkoholischen Getränken (und Tabakwaren) an unter 16-Jährige sowie von Spirituosen an unter 18-Jährige. Ob Verkäufer, Kollegin oder Cousin: Wer einem Jugendlichen Alkohol abgibt, macht sich – mit Ausnahme der Eltern – strafbar und muss in Extremfällen mit einer happigen Busse rechnen: bis zu 5000 Franken bei fahrlässigem Handeln, bis zu 50'000 Franken, wenn er dies vorsätzlich tut.

Jugendliche müssen aussagen

Gleichwohl haben an der Street Parade Jugendliche Bier gebechert und harte Alkoholika gekippt. Das neue Gesetz - ein Papiertiger ohne Wirkung? Roland Stähli, kantonaler Präventionsbeauftragter, verneint: «Das Gesetz muss seine Wirkung in der Praxis erst noch entfalten.» Die Verordnung dazu sei erst seit Juni publik. Stähli begrüsst die skizzierte Verschärfung. Wie er sagt, können die Behörden nun leichter herausfinden, wer einem betrunkenen Jugendlichen den Alkohol abgegeben hat, da der Trunkenheit eines Jugendlichen neu eine illegale Handlung vorausgeht. Der (selber nicht angeklagte) Jugendliche fungiere dabei als Zeuge, der zur Aussage verpflichtet sei. «Niemand wird aber mit Kanonen auf Spatzen schiessen», versichert Stähli. Angezeigt seien Nachforschungen bei drastischen Fällen, etwa dann, wenn Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung im Spital landeten – oder wenn es wegen übersteigerten Alkoholkonsums zu Gewalthandlungen komme.

Damit die Bestimmungen zum Jugendschutz den gewünschten Effekt erzielen, verschickt dieser Tage die kantonale Gesundheitsdirektion an Gastrobetriebe, Lebensmittelläden und Kioske zusätzlich Hinweisschilder und Aufkleber, die auf die neue Regelung aufmerksam machen. Bis zum 15. September müssen die über 12'000 Betriebe im Kanton die Botschaften gut sichtbar anbringen. Das Aufhängen der Schilder sei Pflicht, stellt Kantonschemiker Rolf Etter klar. Die Lebensmittelkontrolle werde im Rahmen ihrer jährlichen Prüfungen die Betriebe entsprechend unter die Lupe nehmen.

Für Ernst Bachmann, Präsident des kantonalen Gastgewerbeverbandes, ist dies kein Problem. Er plädiert für eine strikte Umsetzung der Vorgaben. «Wir leisten unseren Beitrag. Niemand soll uns Vorwürfe machen können», sagt der SVP-Kantonsrat, der seit 31 Jahren das Restaurant Bahnhof Wollishofen führt. Er habe die neuen Hinweisschilder bereits aufgestellt, zudem habe er dem Personal Spickzettel in der Grösse einer Visitenkarte verteilt; darauf aufgelistet sind die wichtigsten Punkte des neuen Gesetzes. An die Wirkung solcher Präventivinstrumente mag Bachmann gleichwohl nicht glauben: «Die Jugendlichen holen sich sowieso, was sie brauchen.»

Der Präventionsbeauftragte Roland Stähli ist anderer Ansicht. Die Folgen des Alkoholkonsums im Kanton Zürich verursachen der Volkswirtschaft und dem Gesundheitswesen jährlich Kosten von zirka einer Milliarde Franken. Prävention sei daher wichtig - und wirke sehr wohl. Die durchgeführten Testkäufe mit Jugendlichen in Läden belegen dies laut Stähli: Erhielten vor einigen Jahren noch 70 Prozent der Jugendlichen verbotenerweise Alkohol, sind es heute noch knapp 40. Dieser Wert sei noch immer zu hoch. Die Situation habe sich aber deutlich verbessert. «Gefordert sind wir letztlich alle», sagt Stähli. Nicht nur das Service- und Verkaufspersonal, sondern auch die Eltern, Lehrkräfte und Lehrmeister müssten vermehrt Mitverantwortung bei der Ab- und Weitergabe von Alkohol (und Tabak) übernehmen. In der Pflicht stünden auch die Jugendlichen. «Sie müssen lernen, eigenverantwortlich zu handeln.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.08.2008, 08:22 Uhr

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