Alleine gegen sechs Schläger: Wie Zivilcourage funktionieren kann
Von Felix Schindler. Aktualisiert am 28.09.2010 31 Kommentare
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Für den 22-jährigen Retter muss es eine Extremsituation gewesen sein: Er wird Zeuge, wie sechs junge Männer eine junge Frau sexuell belästigen. Und er entschliesst sich, gegen diesen Übergriff einzuschreiten. «Der Mann hat sich einem extremen Risiko ausgesetzt», sagt Andi Geu. Als Leiter des Projekts Stattgewalt trainiert er Interessierte darin, sich in solchen Situationen richtig zu verhalten.
«In einer Situation wie dieser hat man es mit Personen zu tun, die vielleicht Alkohol oder Drogen intus haben», sagt Geu. Zudem könne sich in einer Gruppe eine unvorhersehbare Dynamik entwickeln. Und schliesslich: «Wenn ich mich gegen jemanden stelle, der aggressiv ist, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gross, dass er seine Aggressivität gegen mich richtet.» Trotzdem ist er sicher, dass Zivilcourage in einer Situation wie dieser nicht zwangsläufig im Spital enden muss.
Dem Täter eine Frage stellen
Die wohl einzige allgemeingültige Regel in einer solchen Situation ist: die Polizei alarmieren. Doch ein Rezept für eine erfolgreiche Intervention gebe es nicht, sagt Geu. Trotzdem gibt es Verhaltensregeln, die die Chancen erhöhen, dass der Retter nicht selbst zum Opfer wird. So soll man sich etwa Verbündete suchen, damit man sich nicht alleine vor die Täter stellen muss.
«Zudem soll man zwei Schritte Distanz vom Täter wahren», sagt Geu. Einerseits verschafft ein bisschen Abstand vielleicht die nötige Zeit, um angemessen zu reagieren, sollte die Situation aus dem Ruder laufen. Andererseits sollen die Aggressionen des Täters nicht zusätzlich geschürt werden. «Es empfiehlt sich, als Einstieg eine Frage zu stellen. Damit macht man sich niemanden zum Feind.» Schliesslich soll man es vermeiden, die Täter anzufassen, auch dies würde eine solche Situation nur zusätzlich anheizen.
Die Schwierigkeit: Besonnen reagieren
Das Problem dabei: Eine solche Reaktion widerspricht dem, was der Retter normalerweise empfindet. Er wird Zeuge einer verwerflichen Ungerechtigkeit, begangen von jugendlichen Tätern, die nur in der Gruppe stark sind. «Es wäre nur natürlich, wütend auf die Täter loszugehen. Doch wenn man dieser Wut einfach seinen Lauf lässt, hat man den Täter schnell gegen sich», sagt Geu. «Die Schwierigkeit ist, eine solch besonnene Reaktion überhaupt hinzukriegen.»
Der 22-Jährige Retter vom Hauptbahnhof musste seinen Mut mit einen Spitalaufenthalt bezahlen. Ob die sechs Täter mit sich hätten reden lassen, ohne zuzuschlagen, ist ungewiss. Fest steht jedoch, dass die Frau dank seiner Intervention fliehen konnte.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 28.09.2010, 16:56 Uhr
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31 Kommentare
Ich hoffe, die SBB schenken ihm wenigstens ein 1st-class GA. Eigentlich ist es ja die Aufgabe der SBB, auf dem Peron für Ordnung zu sorgen. Die betreffenden Schläger sind wahrscheinlich früher aus dem Knast raus als er aus dem Krankenhaus. Das dürfte das deprimierendste an der ganzen Sache sein. Antworten
Anstatt das Problem an der Wurzel anzupacken (es wissen wohl alle, was gemeint ist), wird Symptombekämpfung betrieben und die unbescholtenen Bürger müssen sich in Verhaltensregeln und Selbstverteidigung üben, damit diese Gesellschaft wieder einigermassen funktioniert. Antworten



