Als Bomben auf den Wipkinger Viadukt fielen
Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 13.08.2009
Artikel zum Thema
Zürich 1933 bis 1944
Der Text und die historischen Bilder zum Bombenangriff auf das Wipkingerviadukt stammen aus dem Buch «Zürich 1933–1945, 152 Schauplätze», erschienen im Limmatverlag. Weitere Infos zum Buch und dem Autor Stefan Ineichen siehe Link.
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Heute noch sind am Wipkingerviadukt die Spuren des Bombenangriffs im Zweiten Weltkrieg zu sehen. Helle Steine an einem Bogen bei der Josefstrasse zeugen von den Ausbesserungsarbeiten, nachdem eine Fliegerbombe mit Zeitzünder eine Bresche in den Viadukt gerissen hatte.
In seinem Buch über Zürich in der Zeit von 1933 bis 1944 beschreibt Autor Stefan Ineichen die Ereignisse. Zuerst hatte eine Sprengbombe an der Limmatalstrasse in Höngg ein Haus zerstört, später an jenem kalten Sonntagabend detonierte um 21.10 Uhr eine weitere Bombe im Industriequartier, genauer an der Ecke Josef- und Ottostrasse, gleich neben dem Eisenbahnviadukt.
Explosion drei Stunden nach dem Angriff
Die Bombe durchschlug das Dach eines unbewohnten Garagengebäudes mit Reparaturwerkstätte. Mehrere Autos wurden verschüttet, einige fortgeschleudert und die Häuser der Josefstrasse 194, 196 und 198 beschädigt.
Durch die Explosion wurde auch die Fahrleitung auf dem Eisenbahnviadukt in Mitleidenschaft gezogen, der Zugsverkehr musste unterbrochen werden. Als nachts um zirka 12.30 Uhr ein Trupp von Bahnarbeitern daran war, den Fahrleitungsdefekt zu beheben, explodierte auf der Nordwestseite des Viadukts eine die Bombe mit dem Zeitzünder.
Sie hatte sich drei Meter in den steinhart gefrorenen Boden eingegraben. Die Explosion riss einen sechs Meter breiten Trichter in den Boden und schlug eine klaffende Bresche in den Viadukt. Einer der Arbeiter stürzte vom Unterhaltswagen hinunter auf die Strasse und brach sich die Beine. Drei weitere Arbeiter wurden von den Leitern geblasen und trugen schwere Verletzungen davon.
Alliierter Bombenterror
Nach den Sprengbomben fielen in einer Reihe grün leuchtender Flammen Dutzende von kleineren Brandbomben auf das Industriequartier. Dieses Vorgehen war typisch für den strategischen Bombenkrieg der Alliierten: Zuerst wurden die Häuser beschädigt, dann angezündet und Stunden später die Hilfskräfte mit Zeitbomben getroffen.
Die meisten der Brandbomben verlöschten jedoch, nachdem ihr Brennstoff verbrannt war. In der Zahnradfabrik Maag an der Hardstrasse drang eine der Bomben durch die Betondecke in ein Büro. Überall konnten die Brände schnell gelöscht werden.
Zürich statt Mannheim im Visier
Schon am Montag meldeten die Zeitungen, dass die Bomben aus England stammten. Die schweizerische Gesandtschaft brachte in London energischen Protest gegen die schwerwiegenden Verletzungen der schweizerischen Neutralität vor. Die 29 Wellington-Bomber hatten, wie der Historiker Thomas Bachmann 2004 nachwies, den Auftrag, die Motorenfabrik Mannheim zu bombardieren. Wegen des schlechten Wetters suchten sie jedoch Ausweichziele, gerieten teilweise vom Kurs ab und hielten Zürich für ein geeignetes Ersatzziel.
In Zürich kursierten schon an Weihnachten 1940 Gerüchte, die Bomben hätten als Warnung dem Eisenbahntransit zwischen Deutschland und Italien gegolten oder der schweizerischen Maschinenindustrie. Als im Mai 1943 nochmals britische Bomben bei der Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon und der Bahnlinie Seebach-Affoltern auf Zürich fielen, erhielten diese Gerüchte weitere Nahrung. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 13.08.2009, 15:19 Uhr



