Als es in der Limmat eine Surfwelle gab

Von Martin Huber. Aktualisiert am 15.07.2010

Wovon der Verein Limmatwave nur träumen kann, war bis 1950 Realität: Eine Welle in der Limmat beim HB, wo sogar internationale Kajakwettbewerbe stattfanden.

Spektakel: Bootsfahrer 1949 unter der Holzbrücke beim HB.

Spektakel: Bootsfahrer 1949 unter der Holzbrücke beim HB.
Bild: Baugesch. Archiv Zürich

Die Initianten einer künstlichen Surfwelle am Letten mussten Ende Juni einen empfindlichen Rückschlag hinnehmen, als sich der Gemeinderat gegen ihr Projekt aussprach. Zwar will der Verein Limmatwave weiter für eine Surfwelle kämpfen und auch andere Standorte als den Letten ins Auge fassen. Doch im Moment bleibt ihm nicht viel mehr als ein wehmütiger Blick in die Vergangenheit: Bis 1950 gab es bereits eine surfbare Welle in der Limmat: Unter der gedeckten Holzbrücke, die damals vom Bahnhofquai zur einstigen Papierwerdinsel führte – dort, wo heute der Coop an der Bahnhofbrücke steht.

Unterhalb der Holzbrücke

Die lokalhistorische Trouvaille ausgegraben hat Reto Schlapbach vom Kanuclub Zürich, und er hat sie in der Mitgliederzeitschrift veröffentlicht. «Es war einmal in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Weder der Name ‹Limmatwave› noch die heutigen Hightechboote standen den Wassersportlern bei ihrer ‹Leibesertüchtigung› zur Verfügung. Trotzdem hatten sie bereits etwas, wofür wir sie heute momentan beneiden – ihre Welle», schreibt er. Die Welle befand sich direkt unterhalb der gedeckten Holzbrücke am Bahnhofquai, wie zeitgenössische Bilder zeigen, die Schlapbach im Stadtarchiv aufgestöbert hat.

Viele Zuschauer

Die Fotos belegen anschaulich, «wie auf der damaligen Welle den ambitionierten Paddlern eine publikumswirksame Bühne mitten im Zentrum geboten wurde, mit internationalen Kajak-Slalom Wettbewerben.» Diese zogen jeweils viele Zuschauer an. Auch der Pontonierfahrverein Zürich nutzte die Welle für Wettfahrten, wie Aufnahmen des baugeschichtlichen Archivs der Stadt Zürich zeigen. Fazit von Autor Schlapbach: «Wenn die Limmatwave-Idee nicht gestorben ist, dann werden sie wieder paddeln.»

Tatsächlich gibt Philipp Kempf vom Verein Limmatwave noch nicht klein bei: «Wir geben die Hoffnung nicht auf.» Die historischen Bilder von der Welle unter der Holzbrücke bestätigten, dass der jetzige Zustand der Limmat nicht fix ist und es immer wieder Veränderungen gegeben hat. Deshalb sei er guten Mutes, dass es irgendwann doch noch klappt mit einer Surfwelle in der Limmat.

Das gedeckte Brüggli, wie es im Volksmund hiess, war 1689 erbaut worden; 1950 wurde es im Zug der Verbreiterung des Bahnhofquais abgebrochen. Der Entscheid löste damals heftige Kontroversen aus. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.07.2010, 09:57 Uhr

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